Puschkinia

Puschkinie, Spargelgewächs, Asparagaceae

Gattung:

Obwohl es sich um eine sehr kleine Gattung innerhalb der Spargelgewächse handelt, ist ihre Gliederung umstritten. Lange Zeit galt Puschkinia als monotypisch. Mitte des 19. Jahrhunderts trennte Joseph Gerhard Zuccarini eine Puschkinia libanotica und 1871 John Gilbert Baker eine P. hyacinthoides von der Nominatform ab, die heute als Varietäten bzw. als Synonyme von P. scilloides gewertet werden. 2007 wurde dann P. peshmanii und 2014 P. bilgineri beschrieben und diese gelten als gute Arten. Kew (2023) akzeptiert mittlerweile 7 Arten.
 

Puschkinia scilloides 

Puschkinie,
Puschkinia scilloides 
Spargelgewächs, Asparagaceae

 

Steckbrief:

7−15 cm hohe Staude mit breit-lanzettlichen, am Grund stängelumfassenden Blättern. Blüten in wenigblütiger Traube. Perigonblätter weiß bis blassblau mit blauem Mittelstreif. Innere Blütenblätter zu einer Röhre verwachsen, darin die kurzen und dünnen Staubfäden. Blütezeit März bis April.

Verwechslungsmöglichkeit: Beim ähnlichen Mischtschenko-Blaustern, Scilla mischtschenkoana, sind die Staubblätter nicht zu einer Röhre verwachsen.

Name: 

Benannt zu Ehren des russischen Chemikers, Geologens und Forschungsreisenden Graf Apollos Mussin-Puschkin (1760−1805), der die Kaukasus-Expedition leitete, im Zuge derer die Pflanze entdeckt wurde. Mussin-Puschkin befasste sich u.a. mit der Chemie der Elemente Magnesium, Natrium, Barium und den Edelmetallen und unternahm ab 1799 mit den Botanikern Michael Friedrich Adams und Friedrich August Freiherr Marschall von Bieberstein eine Expedition in den Kaukasus zur Erforschung der Bodenschätze und der Natur und verstarb auf dieser Reise (Burkhardt 2018). Benannt wurde die Gattung vom deutsch-russischen Botaniker und Naturforscher Michael Friedrich Adams (1780−1838). Einer der größten Erfolge Adams war die Bergung eines Wollhaarmammut-Skeletts im Nordosten Sibiriens, welches er 1806 komplett nach Sankt Petersburg brachte und das den Namen Adams-Mammut erhielt. 
1808 benannte Carl Ludwig von Willdenow die Gattung Puschkinia zu Ehren des Entdeckers und Erstbeschreibers in Adamsia um. Als Grund nannte er, dass es in der Botanik nicht erlaubt sei, zwei verschiedene Gattungen nach einer Person zu benennen. Damit meinte er die Korbblütler-Gattung Mussinia, die er selbst etabliert hatte. Sowohl diese Regelung, als auch den Gattungsnamen Mussinia gibt es heute nicht mehr und Puschkinia ist unangezweifelt die korrekte Gattungs-Bezeichnung.
 

Nutzung:

Als Zierpflanze vor allem auf Friedhöfen und Parkanlagen, aber auch in Gärten und straßenbegleitenden Rabatten kultiviert. `Alba´ ist eine reinweiße Naturauslese, wie sie in Beständen am Naturstandort immer wieder mal vorkommt.
 

Ausbreitung: 

Beheimatet in den Gebirgen Südwest-Asiens. 1808 von Johann Michael Friedrich Adam (1780–1838) im Zuge der Graf Mussin-Puschkin-Kaukasusexpedition entdeckt und nach dem Expeditionsleiter benannt. Um 1810 gelangte die Puschkinie in den Berliner Botanischen Garten, aber erst Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sie sich auch in der allgemeinen Gartenkultur (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet vielfach verwildert, vor allem auf Friedhöfen und in Parkanlagen mit scheinbaren Verbreitungsschwerpunkten in Bayern, Sachsen-Anhalt und Oberösterreich.
 
DEUTSCHLAND:
Mehrfach, so in Esslingen in Baden-Württemberg (Beck 2016), etabliert und seit mindestens 25 Jahren vorkommend auf den Friedhöfen Neukölln und Kreuzberg in Berlin (Seitz & al. 2012), in Kambs, Kunow und Nitzow in Brandenburg (Fischer 2017), Groß-Borstel in Hamburg (Christensen 2000), Hessen (Hand & Thieme 2024), Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Celle, Stiddien und Thune bei Braunschweig in Niedersachsen (Langbehn & Gerken 2004, Brandes 2003), Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2024), in Mehren in Rheinland-Pfalz auf einem Friedhof (Hand & al. 2016), Schöneck, Adorf, Markneukirchen, Klingenthal, Mühlhausen, Dresden, Leipzig und Leubnitz-Neuostra in Sachsen (Breitfeld 2021, Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), am Friedhof Hettstedt, Friedhof Eisleben, Kirchhof Kächstedt, Kirchhof Giebichenstein, Gutspark Frankleben und Friedhof Leuna in Sachsen-Anhalt (John & Stolle 2007), Friedhof in Probsteierhagen in Schleswig-Holstein (Christensen 2000) und Thüringen (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
Mehrfach, so etwa Krems an der Donau, Thenneberg, Wolkersdorf und Hagenbrunn in Niederösterreich (Pachschwöll & al. 2020), auf den Friedhöfen Freinberg, Schärding, Zell an der Pram, Altheim, Überackern, Hochburg an der Ach, Neukirchen an der Enknach, Schalchen, St. Radegund und Pfaffstätt in Oberösterreich (Hohla 2006), Kommunalfriedhof, Faistauergasse und Kompenthalweg in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008), Graz, Fohnsdorf, Judenburg und 2025 Berghausen in der Steiermark (Melzer 2005, Eigenfund Griebl 2025), St. Johann im Walde und Untergaimberg in Osttirol (Stöhr 2011, Polatschek & Neuner 2013) und Leopoldstadt in Wien (Melzer & Barta 2008). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1994 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Vereinzelt, so in den Kantonen Bern, Graubünden, Tessin, Waadt, Wallis und Zug (Infoflora 2024, subspontan?). Im Kanton Zürich in der Stadt Zürich in Wipkingen, beim Milchbuck, bei Bethanien, in Wollishofen und 1998 beim Kinderspital Zürich und 2004 und 2005 in Horgen (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
 

Quellen

Beck R. (2016): Flora von Esslingen. Untersuchungen zur Entwicklung der Esslinger Flora in den vergangenen 200 Jahren und Dokumentation des aktuellen Befundes – Deutscher Naturkundeverein e.V., Bezirksgruppe Esslingen. 404 Seiten.

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Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
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Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Fischer W. (2017): Flora der Prignitz – Verhandlungen des Botanischen Vereins von Brandenburg und Berlin, Beiheft 8 – Natur & Text, 484 S.

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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


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Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

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