Name:
Benannt zu Ehren des Schweizer Naturwissenschaftlers Marc Nicolas Puerari (1766−1845). Puerari war Professor der Botanik, aber auch Französischlehrer u.a. für die dänische königliche Familie, zog sich nach der Rückkehr in die Schweiz von der Botanik zurück, schenkte seine kostbare Bibliothek dem 'Conservatoire et Jardin Botaniques' und sein Herbar dem Botanischen Garten in Genf (Burkhardt 2018).
Nutzung:
Vor allem zur Fassadenbegrünung und zur Festigung von Böschungen. In China und Japan gilt die Pflanze als alte Faserpflanze, die bereits im 4. Jahrtausend v.Chr. schriftlich erwähnt wird und deren grobe Stängelfasern zu Netzen, Stricken und Kleidung verarbeitet wurden. Die bis zu 30 kg schweren Knollen werden geröstet oder gekocht gegessen oder zu Stärke verarbeitet (Mansfeld 1986). In Mitteleuropa befindet sich die Pflanze als Nahrungsergänzungsmittel unter dem Namen „Kudzuwurzel“ im Handel.
Ausbreitung:
Südostasiatische Art, vermutlich als Zierpflanze nach Europa gekommen (Neobiota 2016), ins Tessin absichtlich als Zierpflanze eingeführt. Auch die weitere Ausbreitung ist stark an menschliche Aktivitäten gebunden, insbesondere durch den Transport und die unsachgemäße Entsorgung von Pflanzenresten. Dies zeigten auch genetische Analysen: Die Tessiner Pueraria-Pflanzen sind genetisch identisch (Infoflora 2023). Im Tessin an mindestens 30 Standorten am Luganersee und Langensee örtlich etabliert und sich weiter ausbreitend (Weber 2013). Die Art wurde 2016 in die EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen (Nehring & Skowronek 2023). Auch in der „Schwarzen Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz“ enthalten.
In die USA kam die Pflanze 1876 im Zuge der Weltausstellung in Philadelphia. Aufgrund seiner unglaublichen Wachstumsrate mit bis zu 18 m pro Vegetationsperiode und der Fähigkeit, neue Wurzeln zu bilden, wo Knoten mit dem Boden in Kontakt kommen, wurde Kudzu von etwa 1935 bis 1950 großflächig als Erosionsschutz auf landwirtschaftlichen Feldern, die durch die intensive Baumwollproduktion ausgelaugt waren, als auch als Futter für das Vieh kultiviert. Während dieser Zeit zahlte das Soil-Erosion-Service den Landwirten rund 20 US-Dollar pro Hektar, um etwa 3 Millionen Hektar Kudzu zu bepflanzen. Ungehindert von natürlichen Feinden entwickelte sich Pueraria montana in den 1950er Jahren zu einer Landwirtschaftsplage. Erfolglose Versuche, sie von Weideland zu entfernen, führten 1953 zur Streichung von der Liste der zulässigen Deckpflanzen. 1998 listete der US-Kongress die Art als Federal Noxious Weed (Britton & al. 2002, Hickman 2007, CABI 2022). Die Art zählt zu den weltweit 100 schlimmsten invasiven gebietsfremden Arten, inklusive Viren (IUCN 2013). Dort heißt es: „Kudzu-Wurzeln (Pueraria montana var. lobata) können über 50% der Biomasse der Pflanze ausmachen und dienen als Organ für die Speicherung von Kohlenhydraten zur Erholung nach Störungen und erschweren die Bekämpfung mit Herbiziden. Nur im Osten der Vereinigten Staaten gilt Kudzu als ernstzunehmender Schädling, obwohl er auch in Oregon im Nordwesten der USA, in Italien und der Schweiz sowie in einem Befall am Nordufer des Eriesees in Kanada verbreitet ist. Kudzu gilt als eingebürgert in der Ukraine, im Kaukasus, in Zentralasien, im südlichen Afrika, auf Hawaii, auf Hispaniola und in Panama. Zu den Auswirkungen von Kudzu im Südosten der USA gehören der Verlust der Produktivität von Forstplantagen (geschätzt auf etwa 120 USD pro Hektar und Jahr), das Ersticken und Töten einheimischer Pflanzen und die Verhinderung des Zugangs für die Jagd, das Wandern und die Vogelbeobachtung“ (IUCN 2013).
Während des Zweiten Weltkrieges wurde Kudzu von den US-Streitkräften nach Vanuatu und Fidschi östlich von Australien eingeführt, um als Tarnung für Kriegsausrüstung zu dienen. Dort ist die Pflanze jetzt invasiv (Mazurczyk & Rzeszutko 2015).
DEUTZSCHLAND: ---
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
Im Tessin an mindestens 30 Standorten am Luganersee und Langensee lokal etabliert, wo sie sich weiter ausbreitet (Weber 2013). Am Bielersee im Kanton Bern (Infoflora 2024, subspontan?). In Graubünden mehrfach bei San Vittore (Möhl & al. 2014). In Zürich am Ruggernweg beim Friedhof Höngg zwischen 1997 und 2011, wo die Art entfernt wurde (Landolt 2001, Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Bosnien-Herzegowina (Cabi 2024), Slowenien (Cabi 2024), Italien (Cabi 2024) und im europäischen Russland (Cabi 2024).