Pseudosasa

Pfeilbambus, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Pseudosasa umfasst etwa 20 Arten in Südost-Asien (Kew 2023).
 
Allgemein: Der Blührhythmus von Bambus allgemein ist bis heute großteils unverstanden geblieben. Viele Arten blühen in sehr großen, aber artspezifisch ziemlich genau festgelegten Abständen von 30, 60, 80 oder 120 Jahren. Nach der Blüte und einem überreichen Samenansatz sterben die meisten Arten ab (Bruns 2009). In der heimischen Gartengestaltung werden etliche Bambus-Arten und -Sorten als Zierpflanzen verwendet. Sie können langlebige Dickichte bilden. Ab und zu werden verwilderte Kolonien beobachtet, die z.B. über Gartenabfälle verschleppt wurden (oder verschwemmt an Ufergehölzen von Flüssen). Die korrekte Bestimmung ist meist schwierig und die gärtnerisch verwendeten Namen entsprechen meist nicht mehr der modernen Taxonomie. Alle im Anschluss stehenden Nennungen sind aus diesen Gründen unsicher.
 

Pseudosasa japonica 

Japanischer Pfeilbambus,
Pseudosasa japonica 
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief: 

Bis 5 m hohe, ausläuferbildende Pflanze mit verholzten Halmen und dichtbuschigem Wuchs. Halme 1–2 cm dick, dunkelgrün, im oberen Teil reich verzweigt und zuletzt überhängend. Blätter lanzettlich, 10–35 cm lang, 2,5–3,5 cm breit, ziemlich dick, oberseits rau und dunkelgrün, unterseits bläulichgrün, Blätter am Hauptstängel hochblattartig mit reduzierter Spreite. Blüten in wenigblütigen Rispen mit 3 Staubblättern und Narben, nur selten blühend, etwa alle 80–100 Jahre.
 

Nutzung: 

Ziergras. Die Art ist winterhart und verträgt Temperaturen von -18° bis -25°C (Jäger & al. 2008). In wärmeren Erdregionen auch als Hecke und Erosionsschutz verwendet (Mansfeld 1986).
 

Ausbreitung: 

Ostasiatische Art, um das Jahr 1850 nach Europa gekommen und gegenwärtig einer der häufigsten Bambus-Arten der europäischen Gärten. Die letzte Hauptblüte fand 1980 statt. In den Jahren 2003 bis 2007 gab es Nebenblüten in Holland, Frankreich, Spanien und Italien. In Deutschland in den Jahren 2006 bis 2012. Durch die vielen unterschiedlichen Sämlinge hat sich bei uns der Blührhythmus verschoben. Die Pflanzen sterben nach der Blüte ab, säen sich selbst aus bzw. lassen sich erfolgreich aussäen (Vaupel 2012). Vereinzelt subspontan, lokal auch eingebürgert wie bei Meran und Bozen in Südtirol (Niklfeld 2002, Naturmuseum Südtirol 2018).
 
DEUTSCHLAND: 
Vereinzelt, aber bestimmungsschwierig, so in Karlsruhe-Neureut, Achern-Fautenbach und in Lahr-Altvater im Schwarzwald in Baden-Württemberg (Rüttnauer & Reif 2023), Köln in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015) und Mettlach nahe der Saarschleuse im Saarland (Gutte 2014). Die Fundangaben für NRW und das Saarland werden in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt.
ÖSTERREICH: 
Sehr vereinzelt, so 2017 bei Höft am Innufer im oberösterreichischen Innviertel (Hohla 2018), 2024 an der Schwarzen Sulm westlich von Bad Schwanberg in der Steiermark (Griebl 2024, siehe Fotos oben) und 2024 in Kufstein in Tirol (Smettan in: Pachschwöll & al. 2025). Bei Meran und Bozen in Südtirol lokal eingebürgert, so in Obermais bei Meran (Niklfeld 2002, Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
U.a. in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Bern, Genf, südwestliches Graubünden, Luzern, Schwyz, St. Gallen, Tessin (Infoflora 2024), so in der Tassino-Schlucht und bei Lugano im Tessin (Voigt 1926), Thurgau, Waadt, Wallis und Zug (Infoflora 2024). In Kanton Zürich seit 1990 mehrfach, so in Seenähe am Zürichsee, Werdhölzli, Albisrieden und Nebelbachtobel (Landolt 2001), im Sihltal, im Glatttal und in Schlieren (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Art:

Pseudosasa humilis

In Japan ist der Niedere Pfeilbambus, Pseudosasa humilis (Syn.: Pleioblastus humilis), beheimatet. Er wird als Ziergras kultiviert und konnte 2014 am Schafberg Schwarzenberg bei Höchstadt in Bayern, vermutlich als etablierter Gartenauswurf (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024 sub Pleioblastus humilis) gefunden werden.
 

Quellen

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Englmaier P. & Münch M. (2019): Potenziell verwilderungsfähige Gräserarten aus dem Zierpflanzen- und Saatguthandel: Steht die nächste Invasionswelle vor der Türe? – Neilreichia 10: 97−125.

Fischer M., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gausmann P. (2012): Ökologie, Floristik, Phytosoziologie und Altersstruktur von Industriewäldern des Ruhrgebietes. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) an der Fakultät XVII Geowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum. — Internet: http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/ GausmannPeter/diss.pdf

Griebl N. (2024): Pseudosasa japonica in der Steiermark - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Gutte P. (2014): Virtual Herbaria JACQ – Pseudosasa japonica – https://herbarium.univie.ac.at

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hohla M. (2011): Cardamine corymbosa (Brassicaceae) und Bromopsis (Bromus) riparia (Poaceae) – neu für Österreich sowie weitere Beiträge zur Adventivflora von Oberösterreich, Niederösterreich und Salzburg – Neilreichia 6: 55–79.

Hohla M. (2018): Artemisia gilvescens, Oenothera macrocarpa und Pseudosasa japonica- neu für Österreich, sowie weitere Beiträge zur Adventivflora von Oberösterreich und der Steiermark – Neilreichia 9: 143–159.

Hohla M., Diewald W. & Kiraly G. (2015): Limonium gmelini - eine Steppenpflanze an österreichischen Autobahnen sowie weitere Neuigkeiten zur Flora Österreichs – Stapfia 103: 127–150.

 



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 1 – Springer Verlag Basel. 711 S.

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Naturmuseum Südtirol (2018): http://www.florafauna.it/index.jsp?project=florafauna&view=BOT&locale=de

Niklfeld H. (2002): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (1) – Gredleriana 2: 271−294.

Rüttnauer M.M. & A. Reif (2023): Verwilderung von Bambus-Arten (Poaceae, Bambusoideae) in Baden-Württemberg – Mitt. Bad. Landesverein Naturkunde u. Naturschutz 25: 61-82.

Smettan H. (2025) in: Pachschwöll C., Gilli C. & H. Niklfeld (2025): Floristische Neufunde (509–620) – Neilreichia 15: 127–248.


Sumser H., Falk G., Wieland J., Jagel A. & Bomble W. (2015): Atlas einer zweijährigen Erhebung zur Flora von Köln (2013-2015) - Bund für Umwelt und Naturschutz Köln, 206 S.

Vaupel F. (2012): Pseudosasa japonica – Das Bambus-Lexikon Bambus-Lexikon: Pseudosasa japonica

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.beVoigt A. (1926): Neue Beiträge zur Kenntnis der Tessinerflora – Vierteljahrsschrift d. Naturf. Gesell. in Zürich 71: 160–161.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.