Poa

Rispe, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Poa umfasst, exklusive Bellardiochloa, etwa 575 Arten (Kew 2023) mit fast weltweiter Verbreitung und einem Verbreitungsschwerpunkt in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel.
 
 

Poa infirma

Frühlings-Rispe,
Poa infirma,
Süßgras, Poaceae
 

Steckbrief:

Bis 20 cm hohe, lockere Horste bildende Einjährige mit oft geknieten Halmen und 2−7 cm langen und 0,1−0,3 cm breiten Blattspreiten mit kahnförmiger Spitze. Blütenstand rispig mit rhombischen bis eiförmigen Umriss. Ährchen 2,5−4 mm lang. Blütezeit in England ganzjährig.
 

Heimat:

Westeuropa und Mittelmeergebiet bis Ostchina.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

Die viel weiter verbreitete Einjährige Rispe, Poa annua, ist eine allotetraploide Art, die aus den diploiden Arten Frühlings-Rispe, Poa infirma, und Läger-Rispe, Poa supina, entstanden ist, wie genetische Untersuchungen von Thomas Gaskell Tutin aus dem Jahr 1957 zeigten.
DEUTSCHLAND:
Unbeständig in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2026). Uwe Raabe entdeckte Poa infirma bis 2024 auf sechs Cam­pingplätzen in Nordrhein-Westfalen. Aus Süd­westdeutschland liegen keine Funde vor (Vogt & al. 2026).


ÖSTERREICH:
Eingeschleppt ehemals in Lainz, 1998 bis 2003 am Reithofferplatz und 2011 in der Donaufelderstraße in Wien (Forstner & Hübl 1971, Conert 1998, Diran 2016). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Unbeständig in Derendingen im Kanton Solothurn (Conert 1998).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1957 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021). Dort oft auf Campingplätzen vorkommend (Hassler & Muer 2022). Nach Verloove & al. (2020) wurde Poa infir­ma seit 2016 auf Campingplätzen, Friedhöfen und an anderen Standorten in Belgien und den Niederlanden an mindestens 179 Stellen gefun­den. Die Poa annua ähnelnde Art tritt dort oft in großer Zahl auf und wird von Verloove & al. (2020) als eingebürgert betrachtet.


 
 
Weitere Arten:

Poa bigelovii

In den südwestlichen USA und im nördlichen Mexiko ist die Bigelow-Rispe, Poa bigelovii, beheimatet. Sie konnte 2008 auf einer Schotterfläche am Fuß des Hochwasserschutzdammes in Mühlheim am Inn in Oberösterreich unbeständig gefunden werden und dürfte hier durch eine Begrünungsansaat eingebracht worden sein (Hohla 2009). Benannt ist sie nach dem US-amerikanischen Arzt und Botaniker Jacob Bigelow (1787−1879). Bigelow war Professor der Medizin an der Harvard Universität in Boston/Massachusetts. Er praktizierte auch als Arzt und befasste sich u.a. mit nutzlosen medizinischen Behandlungen und Medikamenten (Burkhardt 2018).
 

Poa flabellata

Im südlichen Südamerika ist die Fächer-Rispe, Poa flabellata, heimisch. 1844 wurde die Art in Schottland eingeführt, um auf den Shetland-Inseln für einen besseren Bewuchs zu sorgen. Seit etwa 1900 tritt sie dort subspontan auf (Seebens & al. 2017). Im Gebiet nur vorübergehend eingeschleppt angegeben, so 1938 für Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Hegi 1998, Hand & Thieme 2024) und für die Spinnerei Coßmannsdorf in Sachsen (Conert 1998, Hassler & Muer 2022).
 

Poa persica

In Südwest-Asien von Anatolien und Ägypten bis Afghanistan und Pakistan ist die Persische Rispe, Poa persica (Syn.: Eremopoa persica) beheimatet. Sie wird für das Gebiet unbeständig in Berlin (Hand & Thieme 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024), 1965 im Hafen Leipzig in Sachsen (Gutte 2006) und 1909 in Schleswig-Holstein (Hassler & Muer 2022) angegeben. Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und 1953 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017).
 

Poa poiformis

In Südaustralien und Tasmanien ist die Australische Rispe, Poa poiformis, beheimatet. Sie trat vorübergehend im Filstal Salach in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1998, Hand & Thieme 2024) und 1991 in Frankfurt am Main in Hessen (Hand & Thieme 2024) auf.
 

 

Poa scaberula

Im westlichen Südamerika ist die Schmalblättrige Rispe, Poa scaberula, beheimatet. Aus dem Gebiet wird sie 1898 und 1899 für die Wollkämmerei am Reiherstieg in Hamburg (Höck 1904) genannt. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt.
 

Poa sterilis

Von Griechenland und der Ukraine bis in den westlichen Himalaya ist die Taube Rispe, Poa sterilis, ursprünglich. Sie wird ehemals vorübergehend für den Bahnhof München in Bayern angegeben (Kreuzpointer 1877, Lippert & Meierott 2018). Die Angabe ist möglicherweise zweifelhaft (Meierott & al. 2024).
 

Quellen

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Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
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Conert H.J. (Hrsg.) (1998): in Hegi Gustav., Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 1 (Teil 3, Poaceae), 3. Neubearbeitete Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg.

Diran R. (2016): Beiträge zur Adventivflora von Wien und Niederösterreich - Neilreichia 8: 27–39.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.



Höck F. (1904): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, IX - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 17: 195-204.

Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.

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Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kreuzpointer J. B. (1877): Notizen zur Flora Münchens – Flora oder Allgemeine Botanische Zeitung 60: 286-288.

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

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Vogt D., S. Abrahamczyk, A. Rosenbauer & M. Hassler (2026):  Ausbreitung von Neophyten und anderen Gefäßpflanzen auf Campingplätzen in Deutschland ‒ ein Zwischenstand – Kochia 19: 29-57.