Pisum

Erbse, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Molekularphylogenetische Untersuchungen zeigten, dass die Erbsen innerhalb der Gattung Lathyrus geführt werden sollten (Schäfer & al. 2012). Gleichfalls nächstverwandt mit Pisum ist die Gattung Vavilovia, weshalb auch diese von Taxonomen in neuerer Zeit meist in Lathyrus eingeschlossen wird. Will man die Gattung Pisum aufrechterhalten, umfasst sie nur drei (zwei) genetisch klar getrennte Arten, die untereinander nicht voll fruchtbar kreuzbar sind. Neben P. sativum ist das P. fulvum aus Vorderasien und P. abyssinicum aus Äthiopien und Jemen, welches aber möglicherweise einen Hybrid aus Psativum × fulvum darstellt (Jing & al. 2010). Hier wird Pisum aus eher traditionellen Gründen vorerst noch als eigenständige Gattung geführt.
 

Pisum sativum

Erbse,
Pisum sativum
(= Lathyrus oleraceus
Hülsenfrüchtler, Fabaceae
 

Steckbrief: 

30–150 cm lange, niederliegende oder kletternde, kahle, bläulich-grüne Einjährige mit Ranken anstelle der oberen Blätter. Untere Blätter paarig gefiedert, mit 2–3 Fiederpaaren, Blattspindel in eine verzweigte Ranke auslaufend. Blättchen eiförmig, 2–6 cm lang, 1–3 cm breit, ganzrandig oder vorne schwach gezähnt. Nebenblätter größer als die unteren Teilblätter, den Stängel mit großen Zipfeln umfassend. Blüten weiß oder purpurn, ein- oder zweifarbig, wohlriechend, 1,5–3 cm lang, zu 1–3 in gestielten Trauben. Frucht 5–10 cm lang. Blütezeit Mai bis Juli.
 

Nutzung: 

In mehreren Varietäten und vielen Sorten wie `Alaska´ oder `Wando´ als Gemüse-, Futter- und Gründüngungspflanze und als Zwischenfrucht. Die Samen enthalten alle essenziellen Aminosäuren und sind so ein wertvoller Bestandteil der Ernährung. Die Weltjahresernte liegt bei grünen Erbsen bei etwa 22 Mio. t, bei Trockenerbsen bei etwa 15 Mio. t.
 
Anmerkung: Gregor Mendel entdeckte bei Kreuzungsversuchen mit der Erbse in den Jahren 1856 bis 1863 die Mendelschen Regeln, die den Vererbungsvorgang bei Merkmalen beschreiben.
 

Ausbreitung:

Ursprünglich wahrscheinlich im „Fruchtbaren Halbmond“ Vorderasiens. Ab etwa 8000 v.Chr. ist der Anbau von Erbsen durch archäologische Funde belegt, damit gehört sie mit zu den ältesten Kulturpflanzen. Im Gebiet seit etwa 5000 v. Chr. kultiviert (Körber-Grohne 1995). In Mitteleuropa war die Erbse, gemeinsam mit Linse und Getreide, das Grundnahrungsmittel der ältesten Ackerbauern, den Bandkeramikern. Gegenwärtig im Gebiet vielfach unbeständig auftretend.
 
DEUTSCHLAND: 
Unbeständig, so Waghäusel, Eichbühl nahe Erlenmoos und Roßberg bei Bergatreute in Baden-Württemberg (Hassler 2021, Dörr & Lippert 2004), Harburg, Ködnitz, Oberlaitsch, Lindenhof, bei Bamberg, Schweinfurt, Haßfurt, Lindau, Oberrieden, Sontheim, Mindelheim und Kaufbeuren in Bayern (Adler & al. 2017, Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008), mehrfach in Berlin (Seitz & al. 2012), Brandenburg (Hand & Thieme 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024), um Osnabrück und in Watenbüttel bei Braunschweig in Niedersachsen (Weber 1995, Brandes 2003), Kamen, Bochum-Querenburg, Geistingen, Eudenbach, Bochum-Dahlhausen in Nordrhein-Westfalen (Loos 1997, Jagel 2021, Gorissen 2015, BBV 2009), 1995 in Oggersheim in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 1995, Hand & Thieme 2024), in Markkleeberg, Leipzig-Rosental, bei Dresden, Sörnewitz, Hühndorf und Freiberg in Sachsen (Gutte 2006, Hardtke & al. 2013) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH: 
Unbeständig in allen Bundesländern (Glaser & al. 2025 sub Lathyrus oleraceus), so im Mittelburgenland (Gilli & al. 2022 sub Lathyrus oleraceus), Villach in Kärnten (Pehr 1932, Glaser & al. 2025 sub Lathyrus oleraceus), Zistersdorfer Wald bei Drösing, Prellenkirchen, Tribuswinkel und Wienersdorf in Niederösterreich (Thomas 2018, Nadler & Haug 2021, Sauberer & al. 2025), Simbach und Senftenbach in Oberösterreich (Hohla 2004), in Salzburg-Liefering nördlich vom Salzachsee und in den Walser Wiesen bei Wals-Siezenheim in Salzburg (Pilsl & al. 2002, Schröck & al. 2004), Graz in der Steiermark (Hamburger 1948, Glaser & al. 2025 sub Lathyrus oleraceus), Alpbach, Kitzbühel und Nauders in Nordtirol (Polatschek 2000), Debant, Nörsach und Innervillgraten in Osttirol (Polatschek 2000), Bregenz, Geißau und Rankweil in Vorarlberg (Polatschek 2000, Dörr & Lippert 2004) und Bahnhof Aspang und Stadlau in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte um 1700 (Neilreich 1846, Glaser & al. 2025 sub Lathyrus esculentus). Ebenso mehrfach in Südtirol (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
Vielfach, aber unbeständig, vor allem im Mittelland, so im Aargau (Infoflora 2024), 1956 und 1957 im Rheinhafen Basel-Kleinhüningen (Baumgartner 1973), bei Pleigne im Kanton Jura, Alt-St. Johann im Kanton St. Gallen, Tessin, bei Aubonne und Orbe im Kanton Waadt, im Wallis und Altstetten, Heuried und Zürichberg in Zürich (Infoflora 2024, Landolt 2001).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen:

Adler B., Adler J. & Kunzmann G. (2017): Flora von Nordschwaben – Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben e. V. – Deiningen, 813 S.

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Baumgartner W. (1973): Die Adventivflora des Rheinhafens Basel-Kleinhüningen in den Jahren 1950-1971 - Bauhinia 5: 21-27.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2009): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen im Bochum-Herner Raum (Nordrhein-Westfalen) im Jahr 2009 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.1: 164–176.

Brandes D. (2003): Die aktuelle Situation der Neophyten in Braunschweig. — Braunschw. Naturk. Schr. 6: 705–760.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Buttler K.P. & Thieme M. (2017): Florenliste von Deutschland - http://www.kp-buttler.de/florenliste/index.ht

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

Flora Österreich (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Hamburger I. (1948): Zur Adventivflora von Graz. – Unveröff. Diss., Univ. Graz.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hassler M. (2021): Flora des Landkreises Karlsruhe. Bildatlas und Datenbank. Version 4.16; Stand 13.7.2021

Hohla M. (2004): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100090832

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.



Jing R., A. Vershinin, J. Grzebyta, P. Shaw, P. Smýkal, D. Marshall, M. J. Ambrose, T.H.N. Ellis, A.J. Flavell (2010): The genetic diversity and evolution of field pea (Pisum) studied by high throughput retrotransposon based insertion polymorphism (RBIP) marker analysis. BMC Evolutionary Biology 10: 44.

Körber-Grohne U. (1995): Nutzpflanzen in Deutschland – von der Vorgeschichte bis heute – Nikol, Hamburg, 490 S.

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 2 – Springer Verlag Basel. 706 S.

Loos G. H. (1997): Neophytische Kulturflüchtlinge im Stadtzentrum von Kamen/Westfalen – Decheniana 150: 5-26.

Mazomeit J. (1995): Zur Adventivflora (seit 1850) von Ludwigshafen am Rhein – mit besonderer Berücksichtigung der Einbürgerungsgeschichte der Neophyten – Mitt. Pollichia 82: 157–246.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Nadler K. & Haug G. (2021):  Dorf-Flora Prellenkirchen (Niederösterreich) nebst Ergänzungen zur Scherrasenflora 2019 – Stapfia 112: 147-206.  

Naturmuseum Südtirol (2018): http://www.florafauna.it/index.jsp?project=florafauna&view=BOT&locale=de

Neilreich A. (1846): Flora von Wien, Aufzählung der in den Umgebungen Wiens wild wachsenden oder im grossen gebauten Gefässpflanzen, 706 S.

Pehr F. (1932): Die Ruderalflora von Villach. Carinthia II 121–122/41–42: 12–17.

Pilsl P., Wittmann H. & Nowotny G. (2002): Beiträge zur Flora des Bundeslandes Salzburg III – Linzer biol. Beitr. 34/1: 5–165.

Polatschek A. (2000): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Bd. 3. — Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck. 1354 S.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Schaefer H., P. Hechenleitner, A. Santos-Guerra, M. Menezes de Sequeira, R. T. Pennington, G. Kenicer & M. A. Carine (2012): Systematics, biogeography, and character evolution of the legume tribe Fabeae with special focus on the middle-Atlantic island lineages - BMC Evolutionary Biology 12: 250 S. 1–19.

Schröck C., Stöhr O., Gewolf S., Eichberger C,. Nowotny G., Mayr A. & Pilsl P. (2004): Beiträge zur Adventivflora von Salzburg I. — Sauteria 13: 221–237.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Thomas K.-Z. (2018): Schmetterlingsblütler in Verladungszone - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=4&t=1215&p=4799&hilit=pisum#p4799

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.