Picea

Fichte, Kieferngewächs, Pinaceae

Gattung:

Picea umfasst etwa 37 Arten (Kew 2023) und ist über die gesamte Nordhalbkugel verbreitet.
 

Picea pungens

Stech-Fichte,
Picea pungens,
Kieferngewächs, Pinaceae

 

Steckbrief:

Bis 30 m hoher, einhäusiger Baum mit graubrauner, in kleinen Platten abblätternder Borke und viereckigen, stechenden, harten, allseitig am Zweig stehenden, ober- und unterseits mit Spaltöffnungen versehenen Nadeln. Kulturformen meist blaugrau, andere auch grün. Männliche Blüten gelblich, weibliche Blüten rötlich. Reife Zapfen hängend, 6–12 cm lang, mit welligen, gezähnten, papierdünnen Schuppenblättern. Samen geflügelt. Blütezeit Mai.
 

Heimat:

Rocky Mountains in den USA.
 

Nutzung:

Zier- und Weihnachtsbaum, in zahlreichen Sorten von alphabetisch `Adam Tuczynski´ bis `Wendy´ in Kultur, besonders in blaunadeligen Sorten wie `Glauca´ oder `Koster´ (1885), selten als Forstgehölz. Die Art ist stadtklimafest und anfällig auf die Sitka-Röhrenlaus (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Seit 1862 in Europa als Forst- und Parkbaum kultiviert mit geringer Tendenz zur Naturverjüngung.
DEUTSCHLAND:
Selten subspontan, so bei Michelsreuth, im Kropfbachtal und zwischen Bad Berneck und Micheldorf in Oberfranken Bayerns (Breitfeld & al. 2017), in Berlin (Hand & Thieme 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024), im Großen Moor bei Deimern in Niedersachsen (Mertens & Kaiser 2009), Saarland (Hand & Thieme 2024), im westlichen Erzgebirge und 2019 am ehemaligen Ostbahnhof Freiberg in Sachsen (Breitfeld 2021, Golde & Olias 2019), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte nach 1980 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
In Salzburg (Pflugbeil & Pilsl 2013), 2022 am Debantbach bei Lienz in Osttirol (Stöhr 2022) und in Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2008 (Glaser & al. 2025). Die Wiener Angabe ist kritisch zu sehen und wird hier nicht berücksichtigt.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).

 
 
 
Weitere Arten:

Picea glauca

Im nördlichen Nordamerika ist die Kanadische Fichte, Picea glauca (Syn.: P. laxa) beheimatet. Sie kam um das Jahr 1700 nach Europa (Bärtels & Schmidt 2014) und wird in zahlreichen Sorten von alphabetisch `Achat´ bis `Zuckerhut´ (1987) als Zierbaum kultiviert. 
Subspontan für Bayern (Hand & Thieme 2024), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024) und Osttirol (Pagitz & al. 2023) angegeben. Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) als unsicher angegeben, möglicherweise handelt es sich auch um namentliche Verwechslungen mit blaunadeligen Sorten etwa von Picea pungens.
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), seit 1987 in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1976 in Litauen (Seebens & al. 2017), seit 1992 in Estland (Seebens & al. 2017), seit 2007 in Island (Seebens & al. 2017) und seit spätestens 1968 in Großbritannien (Clement & Foster 1994, Seebens & al. 2017).
 

Picea jezoensis

In Nordost-Asien ist die Ajan-Fichte, Picea jezoensis, beheimatet. Sie ist seit 1861 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014) und findet sich in wenigen Sorten wie `Aurea´ (vor 1891) und `Marianske Lazne´ im Pflanzenhandel, spielt aber in der heimischen Garten- und Landschaftsgestaltung keine Rolle. 2002 fand sich die Art in der Lederwaschgasse der Stadt Salzburg subspontan (Pilsl & al. 2008, Glaser & al. 2025).  
 

Picea mariana

Im nördlichen Nordamerika ist die Schwarz-Fichte, Picea mariana, beheimatet. Sie wird seit etwa dem Jahr 1700 sehr selten als Zierbaum in Sorten wie `Aurea´ (1891) oder `Beissneri´ (1915) gehandelt (Bärtels & Schmidt 2014), früher versuchsweise auch als Forstbaum kultiviert. Naturverjüngt im Gebiet angegeben für das südwestliche Erzgebirge in Sachsen (Müller & al. 2021).
 

Picea omorika

Als schmalkroniger Zierbaum wird die Serbische Fichte, Picea omorika, kultiviert. Sie ist nur in einem kleinen Gebiet nördlich von Višegrad in Serbien an der Grenze zu Bosnien ursprünglich. 
Die Art ist stadtklimafest, windwurfgefährdet und leidet bei Bodenverdichtung oft unter Magnesiummangel (Bruns 2009). Sie ist weniger empfindlich gegen Luftverschmutzung und trockene Sommer als P. abies, treibt spät aus und entgeht dadurch den Spätfrösten (Düll & Kutzelnigg 2022). Aufgrund ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Rauchgasen wird sie für Anpflanzungen in Industriegebieten und urbanen Bereichen empfohlen. 
Sie wird im Gebiet seit 1877 kultiviert und findet sich in mehreren Sorten von alphabetisch `Alexandra´ bis `Zuckerhut´ (vor 1999) (Bärtels & Schmidt 2014) im Pflanzenhandel. Die Serbische Fichte tritt im Gebiet unbeständig naturverjüngt auf, so bei Erlangen-Stieglitzhof, Bubenreuth, Zirndorf, 2020 Behringsdorf und bei Schwaig in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Saarland (Hand & Thieme 2024), Sachsen (Müller & al. 2021), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024), in der Hinterbrühl in Niederösterreich (Stöhr & al. 2009) und Gamsgebirg bei Stainz in der Steiermark (Griebl 2023)
Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2008 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch seit 2010 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1959 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

Picea sitchensis

Im westlichen Nordamerika ist die Sitka-Fichte, Picea sitchensis, beheimatet. Sie ist offizieller Staatsbaum Alaskas und kam 1831 durch David Douglas nach Europa, wo sie in Sorten wie `Compacta´ (1949) oder `Silberzwerg´ (1990) kultiviert wird, aber weder als Zierbaum noch als Forstgehölz eine größere Rolle spielt. Ein einzigartiges Exemplar mit gelben Nadeln wuchs früher auf Haida Gwaii im nordwestlichen Kanada. Der Baum mit dem Namen „Kiidk´yaas“ war den Haida, den dortigen Indigenen, heilig und wurde vom Kanadier Grant Hadwin 1997 illegal gefällt. Hadwin erklärte, dass er den Baum aus Protest gegen die Holzindustrie gefällt habe. Während er wegen der Tat strafrechtlich verfolgt wurde, verschwand er auf dem Weg zu seinem Prozess. Der Fall sorgte damals für großes Aufsehen.
Sehr selten im Gebiet naturverjüngt angegeben, so in einem Wäldchen am Pinsenhof in Oberfranken Bayerns (Breitfeld & al. 2017), in Hamburg (Poppendieck & al. 2011), 2011 bei Oberursel in Hessen (Gregor 2018), Revier Goldenbaum im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Saarland (Hande & Thieme 2024), Zeughaus im westlichen Erzgebirge in Sachsen (Breitfeld 2021) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2024). Nach Meierott & al. (2024) tritt die Art in Bayern lediglich kultiviert, nicht naturverjüngt auf. Subspontan u.a. in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), Finnland (Seebens & al. 2017), Polen (Seebens & al. 2017) und Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

 
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Golde A. & Olias M. (2019): Floristische Neufunde und Fundortbestätigungen im Freiberger Gebiet (9. Beitrag). – Mitt. Naturschutzinst. Freiberg 10: 73 – 103.

Gregor T. (2018): Floristische Meldungen. Neufunde-Bestätigungen-Verluste – Botanik und Naturschutz Hessen 30: 123-128.

Griebl N. (2023): Picea omorica mit Naturverjüngung in der Steiermark - Picea omorica mit Naturverjüngung in der Steiermark - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

 



Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Mertens D. & Kaiser T. (2009): Vierter Nachtrag zur Florenliste für das Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ – Flor. Notizen aus der Lüneburger Heide 17: 21–30.

Müller F., Ch. M. Ritz, E. Welk & K. Wesche (2021): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland, Gefäßpflanzen Grundband, 22. Auflage.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596. [sehr ausführlich und genau]

Poppendieck H.H., Bertram H., Brandt I., Engelschall B. & Prondzinski J. (2011): Der Hamburger Pflanzenatlas - Dölling und Galitz Verlag München · Hamburg, 568 S.

Radler D. & Punz W. (1999): Gewerbe- und Industriebrachen in Wien – Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 136: 249 – 263.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O. (2022): Picea pungens verwildert am Debantbach - Picea pungens verwildert am Debantbach

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Wittmann H. & Hohla M. (2009): Beiträge zur Flora von Österreich, III – Linzer biol. Beitr. 41/2: 1677–1755.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be