Phyllostachys

Bambus, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Phyllostachys ist mit etwa 63 Arten (Kew 2023) in Ostasien beheimatet mit Mannigfaltigkeitszentrum in China. Für den Garten sind die Rhizome von Phyllostachys nicht so gefährlich wie die von Sasa und Sasaella (Jelitto & al. 1990), was den Ausbreitungsdrang betrifft. Die Pflanzen brauchen etwa 15 Jahre, um die maximale Triebhöhe ausbilden zu können (Jelitto & al. 1990).
 
Allgemein: Der Blührhythmus von Bambus allgemein ist bis heute großteils unverstanden geblieben. Viele Arten blühen in sehr großen, aber artspezifisch ziemlich genau festgelegten Abständen von 30, 60, 80 oder 120 Jahren. Nach der Blüte und einem überreichen Samenansatz sterben die meisten Arten ab (Bruns 2009). In der heimischen Gartengestaltung werden etliche Bambus-Arten und -Sorten als Zierpflanzen verwendet. Sie können langlebige Dickichte bilden. Ab und zu werden verwilderte Kolonien beobachtet, die z.B. über Gartenabfälle verschleppt wurden (oder verschwemmt an Ufergehölzen von Flüssen). Die korrekte Bestimmung ist meist schwierig und die gärtnerisch verwendeten Namen entsprechen meist nicht mehr der modernen Taxonomie. Alle im Anschluss stehenden Nennungen sind aus diesen Gründen unsicher.
 
 

Phyllostachys nigra

Schwarzrohr-Bambus,
Phyllostachys nigra,
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

Bis 5 m hohe, kurze Ausläufer bildende, immergrüne Art mit grünen, später schwarzpurpurnen, bis zu 4 cm starken Halmen und 20−30 cm langen Internodien. Blätter lanzettlich, spitz, dunkelgrün, kahl, dünn und mit 3−6 Nervenpaaren versehen.
 

Heimat:

China.
 

Nutzung:

Die Art ist um 1823 nach Europa gebracht worden und ist damit eine der ersten eingeführten Bambus-Arten (Crouzet & Colin 2003). Sie wird in wenigen Sorten wie `Henonis´ (etwa 1890, wahrscheinlich eine natürliche Varietät) und `Punctata´ kultiviert. `Boryana´ ist 1912 in Japan in Kultur als Selektion von `Henonis´ entstanden. Die Art ist bis etwa -23°C frosthart (Bruns 2009). In tropischen und subtropischen Gebieten auch als Heckenpflanze und der Schösslinge wegen kultiviert (Mansfeld 1986).
 

Ausbreitung:

Es dürfte kaum zu klären sein, welcher der Klone als Stammart gelten kann, sicher nicht die Klone, die als Phyllostachys nigra verbreitet sind. Es scheint davon mehrere zu geben (Jelitto & al. 1990).
DEUTSCHLAND:
Für Karlsruhe-Neureut in Baden-Württemberg angegeben, wo die Art aus ökonomischen Gründen um die Jahrtausendwende gepflanzt wurde und mittlerweile mit Naturverjüngung verwildert auftritt (Rüttnauer & Reif 2023).   
ÖSTERREICH:
2010 Blankenbach bei Braunau und 2015 Obernberg am Inn in Oberösterreich (Hohla 2015), mit Fragezeichen von den Findern versehen aus den Donau-Auen östlich von Wien (Drescher & Magnes 2001).
SCHWEIZ:
Tessin und Villeneuve in der Waadt (Infoflora 2024). Der Status in der Schweiz ist fraglich. Er wird bei Infoflora (2024) mit: „Kultivierter Neophyt, nach dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten“ angegeben und lässt somit alles offen.

 
Weitere Arten:

Phyllostachys aurea

Der Goldrohr-Bambus, Phyllostachys aurea, ist in Südost-China und Vietnam beheimatet und seit spätestens 1870 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014), auch in Sorten wie `Albovariegata´ mit weiß gestreiften Blättern oder `Holochrysa´ mit orangegelben Halmen. Die Art veträgt Temperaturen von je nach Angabe -8° bis -18°C und ist formschnittverträglich (Jäger & al. 2008, Bruns 2009). Die letzte Blüte fand von 1985 bis 1995 statt. Im Gebiet subspontan angegeben bei Lahr-Altvater im Schwarzwald in Baden-Württemberg (Rüttnauer & Reif 2023) und Kleinheubach in Bayern (Hassler & Muer 2022). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt, auch nicht in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024). In Österreich 2022 erstmals bei Traiskirchen und Wienersdorf subspontan (Sauberer & al. 2025). Mehrfach mit Fundpunkten in der Schweiz-Karte, so in den Kantonen Aargau, Bern, Genf, Nidwalden, St. Gallen, Tessin, Waadt, Wallis und Zürich (Infoflora 2024) angegeben. Der Status in der Schweiz ist fraglich. Er wird bei Infoflora (2024) mit: „Kultivierter Neophyt, nach dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten“ angegeben und lässt somit alles offen. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
 

Phyllostachys aureosulcata

Aus China stammt der reichlich Ausläufer bildende Grünrillen-Bambus, Phyllostachys aureosulcata. Die Art ist seit etwa 1907 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014), auch in Sorten wie `Alata´ oder `Harbin´.
Sie ist bis etwa -25°C frosthart (Bruns 2009) und wird in Sorten wie `Spectabilis´ kultiviert. 
Vereinzelt subspontan angegeben, so für Karlsruhe-Neureut in Baden-Württemberg, wo die Art aus ökonomischen Gründen um die Jahrtausendwende gepflanzt wurde und zurzeit ein einschichtiges, gedrängtes Bambus-Stangenholz mit Naturverjüngung aus Klonen darstellt (Rüttnauer & Reif 2023), weiters in spontanen Industriewäldern im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen (Gausmann 2012) und in Bad Schallerbach im oberösterreichischen Hausruckviertel (Hohla & al. 2015). Der Fund für NRW wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt.
 
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden. 

Phyllostachys bissetii

Der Bisset-Bambus, Phyllostachys bissetii, ist nach dem US-amerikanischen Botaniker David Bisset benannt, der die Art 1941 aus Chengdu in China in die USA brachte. Bisset war viele Jahre Leiter des Barbour Lathrop-Bambusgarten in Savannah, Georgia. Die Art ist in Südost-China beheimatete und durch seine Winterhärte auch in Mitteleuropa als Zierpflanze in Kultur. Im Gebiet 2017 für das Isartal bei Ergolding in Bayern genannt (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024).
 

Phyllostachys flexuosa

In Ostchina ist der Geschlängelte Bambus, Phyllostachys flexuosa, beheimatet. Er wird im Gebiet als Zierbambus, meist unter dem gärtnerischen Namen „Lieblicher Bambus“, seit etwa 1864 genutzt und hat hier ab Mitte der 1990er-Jahre vielerorts geblüht (Bärtels & Schmidt 2014). Subspontan wird er im Gebiet 2011 für Bensheim in Hessen (Gregor & al. 2012, Hassler & Muer 2022) angegeben.
 
 

Phyllostachys glauca

Der Blaugrüne Bambus, Phyllostachys glauca, ist in Zentral- und Ostchina beheimatet und wird vor allem aufgrund seines türkisfarbenen Austriebes bei uns selten als Sichtschutz oder zur Zierde kultiviert. Die Sorte `Yunzhu´ hat schwarz gezeichnete Halme. Subspontan für Karlsruhe-Neureut in Baden-Württemberg angegeben, wo die Art um die Jahrtausendwende gepflanzt wurde und mittlerweile mit Naturverjüngung verwildert auftritt (Rüttnauer & Reif 2023).   
 

Phyllostachys reticulata

In Südost-China ist der Netz-Bambus, Phyllostachys reticulata (Syn.: P. bambusoides) beheimatet. P. reticulata `Castilloni´ hat Ende der 1970er-Jahre an vielen Orten Europas geblüht (Bärtels & Schmidt 2014).
Im Gebiet subspontan angegeben 1956 bei Kleinheubach am Main in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024 sub P. bambusoides) und mehrfach in der Schweiz, so in den Kantonen Aargau, Tessin, Waadt und Zürich (Infoflora 2024, sub Ph. bambusoides). Der Status in der Schweiz ist fraglich. Er wird bei Infoflora (2024) mit: „Kultivierter Neophyt, nach dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten“ angegeben und lässt somit alles offen.
 

Phyllostachys sulphurea

Der Schwefelgelbe Bambus, Phyllostachys sulphurea (Syn.: P. viridis) ist in Ostchina beheimatet. Er wird als Zierbambus seit etwa 1865 genutzt (Bärtels & Schmidt 2014) und findet sich daraus selten verwildert, so im südlichen Tessin (Bellosi & al. 2011).
 

Phyllostachys viridiglaucescens

In Südost-China ist der Meergrüne Bambus, Phyllostachys viridiglaucescens, beheimatet. Er wird als Zierbambus seit 1846 genutzt (Bärtels & Schmidt 2014) und findet sich im Pflanzenhandel nicht selten als P. bambusoides (= P. reticulata) (Jelitto & al. 1990)
Im Gebiet in Baden-Württemberg lokal am Weg zur Etablierung (Hand & Thieme 2024). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich für Rheinland-Pfalz geführt. Ein Fund aus dem Wäldchen Moosanger in München-Moosach in Bayern ist  bezüglich der Bestimmung unsicher (Meierott & al. 2024). Weiters angegeben für Niederösterreich und Wien (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2013 (Glaser & al. 2025). Subspontan seit 2004 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021).
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bellosi B., Selldorf P. & Schönberger N. (2011): Exploring the Flora on Inert Landfill Sites in Southern Ticino (Switzerland) – Bauhinia 23: 1-16.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Crouzet S. & O. Colin (2003): Bambus – Österreichischer Agrarverlag, Wien.

Drescher A. & Magnes M. (2001): Die wildwachsenden Neophyten und Archäophyten im Nationalpark Donau-Auen – aktueller Stand und Möglichkeiten der Bekämpfung. – Unveröffentlichte Studie.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2021): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hohla M. (2015): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100400813



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Rüttnauer M.M. & A. Reif (2023): Verwilderung von Bambus-Arten (Poaceae, Bambusoideae) in Baden-Württemberg – Mitt. Bad. Landesverein Naturkunde u. Naturschutz 25: 61-82.

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.