Phlomis

Brandkraut, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Phlomis umfasst, exkl. Phlomoides, etwa 93 Arten (Kew 2023), die hauptsächlich vom Mittelmeergebiet bis Zentralasien verbreitet sind. Von Phlomis abgetrennt wurden mehrere Arten wie P. hybrida und P. tuberosa, die jetzt unter Phlomoides geführt werden.
Friedrich Zimmermann (1913) gibt für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz für 1909 bzw. 1910 Phlomis cashmeriana, P. crinita, P. herba-venti und P. lychnitis an, was völlig unglaubwürdig ist.

 

Phlomis russeliana 

Russel-Brandkraut,
Phlomis russeliana 
Lippenblütler, Lamiaceae

 

Steckbrief: 

50–100 cm hohe, drüsig-sternhaarige Staude. Spreiten der grundständigen Blätter eiförmig bis lanzettlich, am Grund herz- bis pfeilförmig. Blütenquirle 2–5, mit bis zu 25 gelben Blüten. Tragblätter pfriemenförmig. Blütezeit Mai bis Juli.
 

Name: 

Die Art ist zu Ehren des schottischen Naturforschers und Arztes Alexander Russell (1715–1768) benannt, der die Pflanze erstmals in seinem Werk „Die natürliche Geschichte von Aleppo“ im Jahr 1756 als Zeichnung darstellt, wenngleich die Art in Syrien nicht ursprünglich ist. John Sims verwechselte sie mit P. pungens, die in Syrien gesammelt und von G.D. Ehret in Alexander Russells „The Natural History of Aleppo“ (1786) illustriert wurde. Die Art wird gärtnerisch oft Syrisches Brandkraut benannt, was irreführend ist.
 

Nutzung: 

Zierstaude.
 

Ausbreitung: 

Nordanatolische Art. Vermehrt sich sowohl vegetativ über Rhizome, als auch generativ durch Samen. Im Gebiet selten subspontan auftretend.
DEUTSCHLAND:  
Angegeben 1910 adventiv für den Hafen von Mannheim in Baden-Württemberg (Zimmermann 1913, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 2013 bei Ebersdorf nahe Coburg, 2016 bei Würzburg, 2016 geschotterte Brache in Neubrunn, 2017 Altdeponie Nonnberg, 2022 Böschungsrand am Leuchtenbergring München und 2010 Pflasterfugen in Bamberg in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und Köln in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
ÖSTERREICH:
2018 in Kirchheim im Innkreis in Oberösterreich in einer Schottergrube (Hohla & al. 2019).
SCHWEIZ: 
Ehemals bei Vaumarcus im Kanton Neuenburg (Thellung 1919).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 2007 in Belgien (Verloove 2021, Seebens & al. 2017) und 1949 in England (Seebens & al. 2017).

 
Weitere Arten:

Phlomis armeniaca

In Armenien und Anatolien ist das Armenische Brandkraut, Phlomis armeniaca, beheimatet, das synanthrop für Baden-Württemberg angegeben wird (Hand & Thieme 2024). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
 

Phlomis cashmeriana

In Afghanistan, Kaschmir und im West-Himalaya ist das Kaschmir-Brandkraut, Phlomis cashmeriana, beheimatet, das seit spätestens 1842 als Zierstaude genutzt wird (Jäger & al. 2008). 
 
1910 wird es subspontan für den Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Hegi 1975) angegeben.
 

Phlomis crinita

Das Langhaarige Brandkraut, Phlomis crinita, ist in Spanien, Marokko, Algerien und Tunesien beheimatet und wird im Gebiet 1909 für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2024).
 

Phlomis fruticosa

Von Sardinien bis zum Kaukasusgebiet ist das Strauchige Brandkraut, Phlomis fruticosa, beheimatet. Die Art ist seit etwa 1596 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014) und wird in Mitteleuropa sehr selten als Zierpflanze genutzt. 
Subspontan in den Ibergen bei Hameln in Niedersachsen. Genauer bei der Paschenburg von 1861, wo sie ausgesät wurde, bis zumindest 1885 (Soltmann 1885). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) nicht geführt. In England lokal eingebürgert.
 

Phlomis herba-venti

Im weiten Mittelmeergebiet und in Südwest-Asien von Marokko bis Turkmenistan und Kasachstan ist das Wind-Brandkraut, Phlomis herba-venti, beheimatet. Die Art wurde bereits 1650 in deutschen Gärten kultiviert. Adventiv wird sie 1910 für den Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024).
 

Phlomis lychnitis

In Südfrankreich, Spanien und Portugal ist das Mehlige Brandkraut, Phlomis lychnitis, heimisch. 
Es wird 1909 bis 1910 für den Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2024).
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 4). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg.

Hohla M., Kellerer S. & Király G. (2019): Carex morrowii, Heuchera micrantha, Oxalis tetraphylla, Persicaria weyrichii und Phlomis russeliana neu für Österreich sowie weitere Beiträge zur Adventivflora – Stapfia 111: 97-110.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.



Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 5: Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Soltmann G. (1885): Floristische Notizen aus der Gegend von Hameln – Deutsche Botanische Monatsschrift 3: 73-74.

Sumser H., Falk G., Wieland J., Jagel A. & Bomble W. (2015): Atlas einer zweijährigen Erhebung zur Flora von Köln (2013-2015) - Bund für Umwelt und Naturschutz Köln, 206 S.

Thellung A. (1919): Beiträge zur Adventivflora der Schweiz (III) – Mitteilungen aus dem botanischen Museum der Universität Zürich.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.