Phaseolus

Bohne, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Phaseolus umfasst etwa 86 amerikanische Arten (Kew 2023). Zuvor umfasste die Gattung an die 200 Arten. 1970 wurde ein großer Teil dieser Arten zur Gattung Vigna gestellt.
 

Phaseolus coccineus  

Feuer-Bohne,

Phaseolus coccineus  
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief: 

Bis 5 m lange, linkswindende Ein- bis Mehrjährige mit bis 2,5 cm dicken, spindelförmigen Wurzeln. Blätter aus 3 großen, breit-eiförmigen, ziemlich rauen Blättchen bestehend, oberseits dunkelgrün, unterseits heller. Blütenstände 10–35 cm lang. Blüten scharlachrot bis weiß, Fahne kurz und zurückgeschlagen, Schiffchen spiralig eingerollt. Hülsen hängend, anfangs dicht behaart, teilweise rot oder violett gefleckt. Samen nierenförmig, groß, 1,3 bis 2,5 cm lang, violett bis rotbraun, mit dunklerer Marmorierung und Scheckung. Blütezeit Mai bis September.
 

Nutzung: 

Gemüse- und Zierpflanze. Die Samen haben einen hohen Eiweißgehalt. Sie enthalten alle essenziellen Aminosäuren und können damit Fleischkost ersetzen.
 

Ausbreitung: 

Beheimatet in Bergtälern des tropischen Amerikas. 1635 durch den holländischen Admiral Hains nach Europa gekommen, nach anderen Angaben schon 1597 in England kultiviert. In Königsberg waren 1654 bereits drei Varietäten bekannt. Die Pflanze wurde anfänglich lediglich als Zierpflanze genutzt (Körber-Grohne 1995). Gegenwärtig im Gebiet vereinzelt und unbeständig verwildert oder verschleppt.
 
DEUTSCHLAND:
Sehr selten verwildert oder verschleppt, so ehemals auf Schutt in Nürnberg am Zentralfriedhof und 1996 auf der Deponie Gaustadt in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024), in Hessen (Hand & Thieme 2024), Nordrhein-Westfalen (Hassler & Muer 2022), Insel Niederwerth im Rhein bei Vallendar und auf einem Schuttplatz in Dresden-Kaitz in Sachsen (Botanica 2020, Hardtke & al. 2013).
ÖSTERREICH:
Häufig kultiviert, selten und unbeständig verwildert oder verschleppt, so in Niederösterreich (Glaser & al. 2025), Oberösterreich (Rauscher 1871, Fischer & al. 2008), der Moosstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008), Steiermark (Fischer & al. 2008), Vorarlberg (Fischer & al. 2008) und Süßenbrunn, Breitenlee und Liesing in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1871.
SCHWEIZ:
Vereinzelt, so ehemals bei Solothurn und im Tessin (Infoflora 2024).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1919 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Art:
Nur aus Kultur ist die Garten-Bohne, Phaseolus vulgaris, bekannt. Sie dürfte der südamerikanischen Phaseolus aborigineus entstammen. In der Guitarrero-Höhle in Peru fanden sich Reste von Kulturformen aus der Zeit 8600 bis 8000 v.Chr. (Mansfeld 1986)
Die Art ist vor 1543 ins Gebiet gekommen und wird von Leonhart Fuchs in seinem Kräuterbuch 1543 als „Welsch Bonen“ bezeichnet. Die Garten-Bohne wird häufig als Gemüsepflanze kultiviert, die Weltjahresernte bei Grünen Bohnen beträgt gegenwärtig etwa 23 Mio. t und bei Trockenbohnen 27 Mio. t.
 
Im Gebiet findet sie sich nur sehr selten verwildert oder verschleppt, so bei Altstädten in den Allgäuer Alpen (Dörr & Lippert 2004), in Ober- und Unterfranken Bayerns (Hetzel & Meierott 1998, Hand & Thieme 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Hessen (Hand & Thieme 2024), Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2024), Erlbach, Leipzig und Radebeul in Sachsen (Breitfeld 2021, Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), bei Jois, Neusiedl und Marz im Burgenland (Janchen 1977, Gilli & al. 2022), Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), Niederösterreich (Glaser & al. 2025), unteres Mühlviertel in Oberösterreich (Sailer 1844, Glaser & al. 2025), Schmiedingerstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & Pflugbeil 2012), Steiermark (Glaser & al. 2025), Nord- und Osttirol (Pagitz & al. 2023), ehemals Tosters in Vorarlberg (Murr 1923-1926, Amann 2016, Glaser & al. 2025), Laaerberg, Klein-Schwechat und Breitenlee in Wien (Adler & Mrkvicka 2003), im Aargau (Infoflora 2024), 1956 und 1965 im Rheinhafen Basel-Kleinhüningen (Baumgartner 1973), in den Kantonen Bern, Genf, Luzern, St. Gallen, Tessin, Waadt (Infoflora 2024) und im Kanton Zürich 1904 in Zürich-Stadt, 1900 bei Hombrechtikon, 1928 in Horgen und 2003 bei Adlikon (Landolt 2001, Wohlgemuth & al. 2020).
 
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1920 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Amann G. (2016): Aktualisierte Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Vorarlbergs – Bucher-Verlag, 256 S.

Baumgartner W. (1973): Die Adventivflora des Rheinhafens Basel-Kleinhüningen in den Jahren 1950-1971 - Bauhinia 5: 21-27.

Botanica (2020): unbekannter Schmetterlingsblütler – Phaseolus coccineus - https://forum.pflanzenbestimmung.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=43032

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Buttler K.P. & Thieme M. (2017): Florenliste von Deutschland - http://www.kp-buttler.de/florenliste/index.ht

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hartl H., Kniely G., Leute G.H., Niklfeld H. & M. Perko (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.

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Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 1, 578 Seiten, Springer-Verlag.

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Pilsl P., Schröck Ch., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich) – Sauteria-Schriftenreihe f. systematische Botanik, Floristik u. Geobotanik 17: 1–596.

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