Phacelia

Büschelschön, Raublattgewächs, Boraginaceae

Gattung:

Phacelia umfasst etwa 208 amerikanische Arten (Walden & al. 2014, Kew 2023). Sie ist hauptsächlich im Westen der Vereinigten Staaten beheimatet mit Mannigfaltigkeitszentrum in Kalifornien, während sich einige Arten bis nach Südamerika erstrecken. 
 

Phacelia tanacetifolia  

Rainfarn-Büschelschön,
Phacelia tanacetifolia  
Raublattgewächs, Boraginaceae

 

Steckbrief: 

20–70 cm hohe, rauhaarige, oben ästige Einjährige mit röhrigem Stängel und wechselständigen, doppelt fiederschnittigen Blättern. Blütenstände an den Haupt- und Seitensprossen endständig, einseitswendig, vor dem Aufblühen spiralig eingerollt. Blütenkrone hell-blauviolett, glockenförmig, mit 5 breit abgerundeten Zipfeln, 7–10 mm lang, von den 5 Staubblättern deutlich überragt. Blütezeit Mai bis Oktober.
 

Nutzung: 

Als Gründüngung, Zierpflanze, Zwischenfrucht, Hangfestigung und Bienenweide. Regelmäßig auch in Blühstreifen-Saatgutmischungen enthalten. Phacelien sind gute Bodenvorbereiter. Mit ihrem dichten Wurzelsystem nutzen sie die Nährstoffvorräte im Boden aus und überlassen diese nach ihrem winterlichen Zerfall der Nachfolgekultur. Die reichlich gebildeten Blätter führen zu einer Bodenbeschattung und wirksamen Beikrautminderung. Die große Menge an organischem Material, die im Boden verbleibt, erhöht den Humusgehalt, hinterlässt eine gare Bodenkrume und steigert damit die Ertragfähigkeit des Bodens. Aufgrund der kurzen Kulturzeit in Verbindung mit großem Zuwachs an organischem Material ist die Art als Gründünger und Zwischenfrucht geeignet (Wohlgemuth & al. 2020).
Blühendes Büschelschön lockt Schwebfliegen, Laufkäfer und andere Insekten an, die sich gerne von Blattläusen ernähren. Büschelschön wirkt wie ein natürlicher Blattlausbekämpfer. Auch als Bienenweide nützlich. Sie kann zur Anlockung von Insekten dienen, um benachbarte Kulturpflanzen zu bestäuben oder aber aufgrund ihres hohen Nektargehaltes zur Gewinnung eines aromatisch hochwertigen Honigs genutzt werden.
Andererseits kann die Pflanze Kontaktallergien auslösen. Die dafür verantwortlichen Phacelioide konnten in Nordamerika nachgewiesen werden, bei untersuchten mitteleuropäischen Pflanzen fehlten diese Allergene weitestgehend.

 

Ausbreitung: 

Beheimatet im südwestlichen Nordamerika. Der schottische Gärtner und Pflanzensammler David Douglas schickte 1832 die Pflanze, zusammen mit rund 670 anderen Arten aus Kalifornien nach England. Seit 1843 ist sie aus dem Gebiet bekannt und bereits Ascherson und Graebner schreiben 1898, dass „diese Zierpflanze neuerdings auch als Bienenfutter gezogen werde“ (Krausch 2003).
 
DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH, SCHWEIZ:
Häufig kultiviert und oft vorübergehend verwildert oder verschleppt. Der subspontane Erstnachweis für Österreich erfolgte 1923 (Glaser & al. 2025). Im Kanton Zürich 1898 in Dübendorf erstmals erwähnt, Landolt notierte sie 1984 bis 1998 aus 18 Flächen (Wohlgemuth & al. 2020). Die Vorkommen sind unbeständig und hängen stark von der Häufigkeit der Einsaaten ab (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1884 in Belgien (Verloove 2021), seit 1891 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1931 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
 
Weitere Arten:

Phacelia bipinnatifida

Das Farnblatt-Büschelschön, Phacelia bipinnatifida, ist in Alabama, Illinois, Kentucky und Tennessee beheimatet und wird im Gebiet 1909 adventiv für Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2024) angegeben. Subspontan in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Phacelia campanularia

Das Glocken-Büschelschön, Phacelia campanularia, stammt aus Kalifornien und Colorado und wird als Einjährige für Sommerblumenbeete seit spätestens 1882 genutzt (Jäger & al. 2008)
Die Art ist in der Mojave- und der Sonora-Wüste endemisch, wird aber fast weltweit als Zierpflanze genutzt. 
Vereinzelt tritt sie subspontan auf, so in Berlin (Hand & Thieme 2024), Niedersachsen (Hassler & Muer 2022), 2020 auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023), Zellerndorf im niederösterreichischen Weinviertel (Hohla & al. 2015), Bad Leonfelden in Oberösterreich (Hohla 2018) und in Nordtirol (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2015 (Glaser & al. 2025)
Subspontan u.a. in Belgien (Verloove 2021), seit 1974 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), Schweden (Karlsson 1997), Großbritannien (Clement & Foster 1994) und Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Phacelia ciliata

Das Bewimperte Büschelschön, Phacelia ciliata, ist in Kalifornien und Nordwest-Mexiko beheimatet und wird ehemals für Solothurn eingeschleppt (Hegi 1975) angegeben. Subspontan in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 

Phacelia congesta

Im südlichen Nordamerika ist das Dichtblütige Büschelschön, Phacelia congesta, beheimatet, das im Gebiet selten gartenflüchtig oder verschleppt auftritt. 
So in Berlin (Seitz & al. 2012), 1907 Priorsberg in Brandenburg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), ehemals Wuppertal-Elberfeld und Dortmund in Nordrhein-Westfalen (Schmidt 1895, Scheuermann 1928, Hand & Thieme 2024), 1907 Forst an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz (Probst 1949, Hassler & Muer 2022) und ehemals Tosters in Vorarlberg (Murr 1923–1926, Amann 2016, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1917 (Glaser & al. 2025). Eine Fundmeldung für das Burgenland ist nach Walter & al. (2002) fraglich. Subspontan u.a. auch seit 1934 in Polen (Seebens & al. 2017) und in Ungarn (Cabi 2024).
 

Phacelia divaricata

In Kalifornien ist das Sparrige Büschelschön, Phacelia divaricata, beheimatet. Es wird selten als Zierpflanze genutzt und findet sich in Schweden subspontan, im Gebiet vorübergehend 1869 für Hamburg-Oevelgönne und 1992 für Hamburg-Billbrook (Christiansen 1928, Brandt & Mang 1995, Hand & Thieme 2024) angegeben.
 

Phacelia grandiflora

In Mexiko und Kalifornien ist das Großblütige Büschelschön, Phacelia grandiflora, ursprünglich. Es wird selten als Zierpflanze genutzt, dann meist in der Sorte 'Summertime Blues'. Im Gebiet sehr selten subspontan, so in Berlin (Hand & Thieme 2024), Brandenburg (Hand & Thieme 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024) und Rheinland-Pfalz (Hassler & Muer 2022).
 

Phacelia minor

In Mexiko und Kalifornien ist das Kleine Büschelschön, Phacelia minor (Syn.: P. whitlavia) beheimatet. In Europa seit spätestens 1854 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008), auch in wenigen Sorten. Es tritt im Osten der USA und in Norwegen synanthrop auf, im Gebiet ehemals subspontan in Berlin-Köpenik (Höck 1902, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), Potsdam in Brandenburg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), Hamburg-Eppendorf (Schmidt 1890, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024) und 1910 für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024). Subspontan auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Phacelia parryi

In Kalifornien (USA und Mexiko) ist das Parry-Büschelschön, Phacelia parryi, beheimatet. Adventiv wird es im Gebiet für Niedersachsen angegeben (Hassler & Muer 2022)
Die Art ist zu Ehren des britisch-US-amerikanischen Botanikers Charles Christopher Parry (1823−1890) benannt. Parry führte die ersten barometrischen Höhenmessungen in Colorado durch, bestieg als Erster den Grays Peak (4351 m) und benannte diesen nach seinem Botanikerkollegen Asa Gray. Ihm zu Ehren tragen u.a. der Parry Peak (4082 m), die Gattung Parryella aus der Familie der Hülsenfrüchtler und die Gattung Neoparrya aus der Familie der Doldenblütler ihre Namen.
 

Phacelia pinnatifida

Im westlichen und südlichen Südamerika von Peru bis Argentinien ist das Fiederblättrige Büschelschön, Phacelia pinnatifida, verbreitet. Im Gebiet angegeben für Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024).
 

 

Phacelia viscida

In Kalifornien und Nordwest-Mexiko ist das Klebrige Büschelschön, Phacelia viscida, ursprünglich. Es wird selten als Zierpflanze für Einjährigenbeete genutzt und 1901 eingeschleppt für den Hafen von Mannheim in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2024), 1982 am Obersee in Bielefeld-Schildesche in Nordrhein-Westfalen (Lienenbecker 1984, Kulbrock & al. 2005) und 1903 für Schwarzenbek in Schleswig-Holstein (Höck 1903, Hand & Thieme 2024) angegeben.
 

Quellen

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