Petasites

Pestwurz, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Petasites umfasst etwa 18 Arten (Kew 2023), die hauptsächlich in Eurasien beheimatet sind. Eine Art ist in Nordamerika ursprünglich (Verloove 2021). Das in Pestwurz-Arten enthaltene Petasin und Isopetasin wird für die Behandlung von Migräne getestet bzw. eingesetzt (Sutherland & Sweet 2010).
 

Petasites japonicus 

Asiatische Pestwurz,
Petasites japonicus 
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief: 

15–70 cm hohe Staude mit kriechendem Rhizom. Blätter nach der Blüte erscheinend, bis 1 m lang und 0,8 m breit, Spreite kreisrund, am Grund gebuchtet, am Rand gezähnt. Blütenstände aus traubenartigen, einfachen, durchgehenden Blütenachsen mit gestielten Seitenblüten zusammengesetzt, grünlich weiß mit bis 8 cm langen Hochblättern. Männliche Blütenstände mit 20–30 Blütenkörbchen, die eine terminale Scheindolde bilden, weibliche Blütenstände größer, anfänglich bis 20 cm hoch, nach der Blüte bis 70 cm. Früchte mit Pappus. Blütezeit Februar bis April.
 

Nutzung: 

Zierstaude. Die Sorte `Giganteus´ mit bis zu 1 m breiten Blättern (Jelitto & al. 1990). Die Blütenknospen und Blattstiele in Ostasien auch als Gemüse (Mansfeld 1986). Aufgrund der enthaltenen Pyrollizidinalkaloide ist von einer Nutzung als Gemüse abzuraten.
 

Ausbreitung: 

Ostasiatische Art, in Europa seit 1897 in Gartenkultur (Jäger & al. 2008) und ganz vereinzelt daraus verwildernd, in Nordrhein-Westfalen und Sachsen lokal mit Etablierungstendenzen (Hand & Thieme 2023). In Europa bisher nur männliche Pflanzen (Weber 1995).
DEUTSCHLAND:
Unbeständig angegeben für Bayern (Hassler & Muer 2022), Hessen (Hand & Thieme 2024), Niedersachsen (Garve 2005), unterhalb des Botanischen Gartens in Bochum-Querenburg, Bachaue beim Gut Halstenberg bei Schwerte-Engste und Waldwegböschung bei Lieselühr im Sauerland Nordrhein-Westfalens (Jagel 2021, Mieders 2006), seit 2004 im Verschlossenen Holz bei Leutzsch in Sachsen (Gutte & al. 2010) und 2018 in Husum und 2021 in Bredstedt in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023). Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht angegeben.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1989 auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und seit etwa 1900 in Tschechien (Pyšek & al. 2012). In Großbritannien wurde auch die spontan entstandene Hybride aus P. japonicus × P. pyrenaicus gefunden (Desjardins & al. 2016).

 
 
Weitere Art:

Petasites pyrenaicus

Die nach Vanille riechende Duftende Pestwurz, Petasites pyrenaicus (Syn.: P. fragrans), ist im nördlichen Algerien, Tunesien, Libyen und Italien einschließlich Sardinien und Sizilien beheimatet und fehlt ursprünglich den Pyrenäen. Sie wurde 1806 in Großbritannien eingeführt, wo die männlichen Pflanzen zu Zierzwecken kultiviert werden und mittlerweile lokal etabliert auftreten. 
Im Gebiet tritt sie selten verwildert auf, so angegeben 1893 im Hafen von Mannheim in Baden-Württemberg (Höck 1910, Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2024), München-Thalkirchen in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und 2009 verwildert im Botanischen Garten Braunschweig in Niedersachsen (Brandes & Nitzsche 2013). Der Fund für Niedersachsen wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) als fraglich geführt. In Südtirol früher in Bozen und eingebürgert am Meraner Küchelberg in Südtirol (Naturmuseum Südtirol 2018, Wagenitz 1987). In der Schweiz ehemals in den Kantonen Genf und Solothurn, bei Locarno, Castagnola und Lugano im Tessin und im Kanton Waadt (Wagenitz 1987, Infoflora 2024). Im Tessin früher lokal eingebürgert, so zwischen Casserate und Castagnola von 1873 bis zumindest 1964 (Wagenitz 1987). Subspontan u.a. seit 1867 auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Quellen

Brandes D. & Nitzsche J. (2013): Verwilderungen von kultivierten Arten im Freiland des Botanischen Gartens Braunschweig – Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 10: 1–27.

Desjardins S.D., Hoare A.G. & Stace C.A. (2016): A new natural hybrid in the genus Petasites: P. japonicus × P. pyrenaicus (Asteraceae). New Journal of Botany 6(2-3): 64-70.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Garve E. (2005): Erhalt der Biodiversität von Kormophyten in Niedersachsen und Bremen – Dissertation, Fakultät für Architektur und Landschaft der Universität Hannover. 232 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Gutte P., Fischer J. & M. Krusche (2010): Floristische Neufunde von 2008 bis 2010 aus Nordwest-Sachsen – Sächsische Floristische Mitteilungen 13: 82–92.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Spektrum, 874 S.



Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Mieders G. (2006): Flora des nördlichen Sauerlandes – Der Sauerländische Naturbeobachter Nr. 30, 608 Seiten, Lüdenscheid.

Naturmuseum Südtirol (2018): http://www.florafauna.it/index.jsp?project=florafauna&view=BOT&locale=de

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Sutherland A. & Sweet B. (2010): Butterbur: An alternative therapy for migraine prevention - American Journal of Health-System Pharmacy. 67 (9): 705–711.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wagenitz G. (1987): in Gustav Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, Teil 4, 2.Auflage. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg. 863 S.

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.