Onopordum

Eselsdistel, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Onopordum umfasst etwa 60 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Nordafrika mit Mannigfaltigkeitsgebieten in Südwest-Asien und Nordwest-Afrika.
 

Onopordum tauricum

Taurische Eselsdistel,
Onopordum tauricum
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

Bis 150 cm hohe Zweijährige mit drüsenhaarig-klebrigen Blättern und Stängeln und bis zu 15 mm breit geflügelten, grünen Stängeln. Stängelblätter gelappt, oberseits grün. Blütenkorb 5–6 cm im Durchmesser, Blüten purpurviolett, Hüllblätter wenig kürzer als die Blüten, kahl, in einen langen Dorn verschmälert. Blütezeit Juni bis Juli.
 

Heimat:

Nördliches Mittelmeergebiet, nördlich bis Rumänien und in die Ukraine.
 

Nutzung:

Sehr selten als Zierpflanze kultiviert.
 

Ausbreitung:

Unter anderem mit Esparsette eingeschleppt (Wagenitz 1987).
DEUTSCHLAND:
Unbeständig verschleppt in Brandenburg (Hand & Thieme 2023), im Seehafen Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Sachsen-Anhalt (Hassler & Muer 2022) und 1987 in Gera-Untitz in Thüringen (Falkenberg & Zündorf 1990, Wagenitz 1987, Hassler & Muer 2022, Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
1948 unbeständig in Graz in der Steiermark (Melzer 1954, Walter & al. 2002).
SCHWEIZ:
1908 bei der Malzfabrik Langendorf in Solothurn (Wagenitz 1987).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Arten:

Onopordum acanthium - Kultivar

In Mitteleuropa treten zwei deutlich zu trennende Sippten von Onopordum acanthium auf. Die Wildform und die Garten-Eselsdistel, Onopordum acanthium-Kultivar, die wahrscheinlich durch gärtnerische Auslese aus der Wildform entstand. Bisher wurden beide Sippen unter Onopordum acanthium (s. lat.) zusammengefasst. Gausmann & Loos (2016) haben für die Gartenform den Namen Onopordum ×hortorum verwendet, aber nicht gültig beschrieben, und mutmaßen eine hybridogene Entstehung unter Beteiligung
von O. acanthium, O. illyricum und einer dritten, unbekannten Art. Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei dieser Sippe um eine gärtnerische Selektion von O. acanthium handelt, die mittlerweile auch verwildert vorkommt (Hassler & Muer 2022, Meierott & al. 2024).
Auf Verwilderungen dieser Gartensippe machte bereits Walter (1989) aufmerksam, der in seinem Untersuchungsgebiet in Oberfranken einen Rückgang der Wildsippe und eine Ausbreitung der Kulturform verzeichnete. In den Niederlanden wird die wohl gleiche Sippe als Onopordum ×beckianum bezeichnet und wurde dort schon vielfach nachgewiesen (FLORON 2025)



 
Die Kultursippe lässt sich von O. acanthium s.str. unterscheiden durch höheren, bis 3 m hohen Wuchs, eine filzig behaarte Hülle und eine gänzlich weißfilzige Behaarung. O. acanthium s.str. wird meist nur 1,5 m hoch, hat keine filzige Blütenhülle und eine eher graue Behaarung. 
Onopordum acanthium-Kultivar
Onopordum acanthium s.str. 
Die Sippe wird oft als O. acanthium kartiert, ihre Verbreitung ist sicher größer als angegeben. Gemeldet wurde sie u.a. von Karlsruhe und Staffort in Baden-Württemberg (Hassler 2021), 2023 in Landsberg in Bayern (Meierott & al. 2024 sub O. acanthium, weißfilzige Kultursippe), Hamme, Harpen, Bergen, Westenfeld, Höntrop, Bochum, Münster, Everswinkel, Bergkamen, Hilden, Dorsten, Selm-Bork, Geseke, Dinslaken-Oberlohberg, Duisburg-Binsheim, Recklinghausen-Hochlarmark, Hattingen-Oberstüter, Witten-Annen, Werne, Lippstadt, Recklinghausen-Suderwich und Gangelt-Stahe in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2021, BBV 2021, BBV 2022, BBV 2023), Muldenberg, Sachsengrund, Breitenfeld, Markneukirchen und Klingenthal in Sachsen (Breitfeld 2021) und 2017 im Klimagarten Gosdorf in der Steiermark (Griebl 2026, in Vorbereitung). Bei einem Bestätigungsbesuch am 7. September 2023 im Klimagarten Gosdorf waren alle Onopordum acanthium-Kultivar-Pflanzen verschwunden, wahrscheinlich wurden sie als Unkraut empfunden und weggesäubert. 
 

Onopordum illyricum

Im nördlichen Mittelmeergebiet, östlich bis in den Westiran, ist die Illyrische Eselsdistel, Onopordum illyricum, in zwei Unterarten beheimatet. im Gebiet trat sie ehemals unbeständig in Wien auf (Forstner & Hübl 1971, Wagenitz 1987, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich und bisher einzige Fund im Gebiet erfolgte 1892 (Glaser & al. 2025).
 
Nach Australien kam die Pflanze im 19. Jahrhundert als Zierpflanze. Sie bildet dort Hybriden mit der ebenfalls neophytischen Echten Eselsdistel, O. acanthium, und galt in Teilen Südost-Australiens als eines der schlimmsten Weideunkräuter. Die befallenen Bestände wurden auf etwa eine Million Hektar geschätzt. Zahlreiche Tierarten wurden zur biologischen Bekämpfung eingesetzt, wobei sich die Rüsselkäferarten Larinus latus und Lixus cardui am besten bewährt haben. Die Bestände gingen dadurch stark zurück.

Quellen

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2021): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2020 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 12: 199-278.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2022): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2021 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13: 131–190.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2023): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2022 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 14: 167-231.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Falkenberg H. & Zündorf H.-J. (1987): Die Farn- und Blütenpflanzen des Mittleren Elstergebietes um Gera. – Veröff. Mus. Stadt Gera, Naturwiss. Reihe 14. 208 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl  https://www.verspreidingsatlas.nl/2081

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gausmann P. & Loos G. H. (2016): Zur Problematik von wildwachsend auftretenden Eselsdisteln (Onopordum spec.) in Deutschland. Teil 1. – Florist. Rundbr. 50: 159 – 174.



Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.

Griebl N. (in Vorbereitung): Floristische Neufunde (621-645) - Neilreichia (2026)

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2021): Flora des Landkreises Karlsruhe. Bildatlas und Datenbank. Version 4.16; Stand 13.7.2021

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Melzer H. (1954): Zur Adventivflora der Steiermark I. — Mitt. naturwiss. Ver. Steiermark 84: 103–120.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be


Walter E. (1989): Zur Situation der Gewöhnlichen Eselsdistel – Onopordum acanthium L. – in Oberfranken.
– Ber. Naturf. Ges. Bamberg 64: 19–37.