Odontarrhena

Steinkraut, Kreuzblütler, Brassicaceae

Gattung:

Odontarrhena umfasst etwa 88 Arten (Kew 2023) in Eurasien und dem nordwestlichen Nordamerika, die von manchen Taxonomen innerhalb der Gattung Alyssum geführt werden. Etwa die Hälfte der Arten sind in der Lage, als Nickel-Hyperakkumulatoren genutzt zu werden. Diese Fähigkeit wurde 1948 von den Italienern Minguzzi und Vergnano bei der in Italien endemischen O. bertolonii festgestellt.
 

Odontarrhena muralis

Mauer-Steinkraut,
Odontarrhena muralis
(Syn.: Alyssum murale
Kreuzblütler, Brassicaceae

 

Steckbrief:

25–60 cm hohe Staude mit lanzettlichen bis schmal eiförmigen, 1–5 cm langen, ganzrandigen oder entfernt gezähnten, unterseits graufilzigen Stängelblättern. Blütenstand schirmförmig-doppeltraubig, Blüten goldgelb, Kronblätter abgerundet. Früchte rund, behaart, abgeflacht, mit einer Samenanlage je Fach. Blütezeit April bis Mai.
 

Steckbrief:

25–60 cm hohe Staude mit lanzettlichen bis schmal eiförmigen, 1–5 cm langen, ganzrandigen oder entfernt gezähnten, unterseits graufilzigen Stängelblättern. Blütenstand schirmförmig-doppeltraubig, Blüten goldgelb, Kronblätter abgerundet. Früchte rund, behaart, abgeflacht, mit einer Samenanlage je Fach. Blütezeit April bis Mai.
 

Nutzung: 

Steingartenpflanze, auch zur Bodendekontamination und zur Nickelgewinnung eingesetzt. Das Mauer-Steinkraut wächst bevorzugt auf Serpentinböden. Diese sind durchwegs mit dem für Pflanzen giftigen Schwermetall Nickel angereichert, woran sich die Art angepasst hat. Dabei ist das Vermögen der Pflanze vorteilhaft, Nickel auch auf anderen Böden als Serpentinböden selektiv aufzunehmen und anzureichern. So wird die Art am Ufer des albanischen Ohridsees, wo die Böden mit Schwermetallen belastet sind, zur Bodensanierung genutzt. Das Mauer-Steinkraut wird hier kultiviert und verbrennt, denn die Asche besteht zu einem Fünftel aus Nickel.
 

Ausbreitung:

Beheimatet im östlichen Mittelmeergebiet, auf der Balkanhalbinsel und im Kaukasus-Gebiet. Früher häufiger in gärtnerischer Kultur, heute selten und dann meist unter dem falschen Namen Alyssum argenteum im Pflanzenhandel. Gegenwärtig im Gebiet sehr vereinzelt subspontan auftretend, vor allem auf Felsen oder in Mauern.
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so in Enzberg, 1954 Altbach, 1950 Echterdingen, 1982 Hohentwiel, 1977 Breitenstein, Friedhof Botnang in Stuttgart und Dietingen in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1990, Böcker & al. 2017), Ruderatshofen, München, Eichelsdorf, Herlheim und Bamberg in Bayern (Bauer 2013, Meierott 2008, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), Potsdam-Waldstadt in Brandenburg (Kummer & Buhr 2006), Hessen (Hand & Thieme 2023 sub Alyssum murale), Zerrenthin bei Pasewalk und Neukloster in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Niedersachsen (Hand & Thieme 2023 sub Alyssum murale), 1991 bis 1994 in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen (Kulbrock & al. 2006), ehemals zwischen Lambsheim und Frankenthal in Rheinland-Pfalz (Vollmann 1914), Rachlau, Reichenbach, Hirschfeld, Bischofswerda, Röhrenbach, Plaun, Rückmarsdorf, Radebeul und Reudnitz in Sachsen (Gutte & al. 2013, Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), bei Wormsleben in Sachsen-Anhalt (John & Stolle 2006) und Mühlhausen, Auerstedt, Zwätzen, Bürgel, Langenberg und Wernburg in Thüringen (Zündorf & al. 2006, Peterlein 2024 sub Alyssum murale).
ÖSTERREICH: 
Vereinzelt, so im Burgenland (Walter & al. 2002, Fischer & al. 2008 [In Walter & al. (2002) aufgrund eines Herbarbelegs von H. Melzer für das Burgenland genannt, Fundort unbekannt (Gilli & al. 2022)]), in Kärnten (Hartl & al. 1992, Walter & al. 2002), Burg Krumau am Kamp, bei Klosterneuburg, Mödling, Pfaffstättner Kogel, Anninger, Pottschach und 1984 bei Klamm-Schottwien im Semmeringgebiet in Niederösterreich (Hehenberger 2020, Janchen 1977, Karrer 1991), Großtraberg, Bad Leonfelden, beim Böhmertor in Freistadt, Königswiesen, Hinterreith und um die Burg Rannariedl in Oberösterreich (Hohla 2018, Hehenberger 2020, Grims 2008), Grazer Schlossberg in der Steiermark (Leonhartsberger 2013) und 1904 auf der Tiergartenmauer des Lainzer Tiergartens in Wien (Arbesser 1904 sub Alyssum murale, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1904. In Südtirol u.a. in Ritten und bei Laatsch (Wilhalm & al. 2004).
SCHWEIZ:
Vereinzelt, so in den Kantonen Glarus, Graubünden, Schaffhausen, ehemals im nördlichen Tessin, in der Waadt, bei Siders und mehreren weiteren Orten im Wallis (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich in der Stadt Zürich, Weisslingen und Trüllikon (Wohlgemuth & al. 2020 sub Alyssum murale).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch 1867 in Belgien (Verloove 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und 1941 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012, sub Alyssum murale). In Nordamerika lokal eingebürgert.

 
Weitere Arten:

Odontarrhena argentea

Das Silber-Steinkraut, Odontarrhena argentea (Syn.: Alyssum argenteum) ist in den italienischen Südwestalpen endemisch und wird sehr selten als Zierstaude kultiviert. Im Pflanzenhandel findet sich meist O. muralis unter dem Namen „Alyssum argenteum“. Meldungen von Verwilderungen liegen u.a. vor von Baden-Württemberg, Hessen und Sörnewitz in Sachsen (Hardtke & al 2013). Für Bayern explizit als O. argentea 2001 für den Friedhof Bamberg und 2010 für Hallstadt angegeben (Meierott & al. 2024). Aufgrund ihrer oftmaligen namentlichen Verwechslung mit Odontarrhena muralis ist nicht immer klar, welche dieser Funde sich tatsächlich auf O. argentea beziehen. Möglicherweise beziehen sich auch alle Funde von O. argentea tatsächlich auf O. muralis. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) für Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen angegeben.
 

Odontarrhena corsica

Das Anatolische Steinkraut, Odontarrhena corsica (Syn.: Alyssum corsicum), ist entgegen seinem botanischen Namen in Anatolien beheimatet, tritt aber auf Korsika subspontan auf. Im Gebiet ehemals für Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2023 sub Alyssum corsicum).
 

Quellen

Arbesser (1904): Virtual Herbaria JACQ –Alyssum murale – JACQ - Virtual Herbaria

Bauer J. (2013): Notizen zur Flora des Allgäus aus dem Jahr 2012. – Mitt. Naturwiss. Arbeitskreises Kempten/Allgäu 48: 3 – 18.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Fischer M. A., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Grims F. (2008): Flora und Vegetation des Sauwaldes und der umgrenzenden Täler von Pram, Inn und Donau – 40 Jahre später - Stapfia 87, 262 S.

Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Gutte P., Hardtke H.-J. & Schmidt P.A. (Hrsg. 2013): Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete. Ein pflanzenkundlicher Exkursionsführer. – 983 S. Wiebelsheim (Quelle & Meyer).

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hartl H., Kniely G., Leute G.H., Niklfeld H. & M. Perko (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.

Hehenberger R. (2020): Alyssum murale: in Floristische Neufunde (376−429): Neilreichia 11: 165−227.

Hohla M. (2018): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100470339

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Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kulbrock P., Lienenbecker H. & G. Kulbrock (2006): Beiträge zu einer Neuauflage der Flora von Bielefeld-Gütersloh - Teil 7 - Ber. Naturwiss. Verein für Bielefeld u. Umgegend 46: 143-288.

Kummer V. & C. Buhr (2006): Beitrag zur Flora des Potsdamer Stadtgebietes II - Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg 139: 79-133.

Leonhartsberger S. (2013): Virtual Herbaria JACQ –Alyssum murale– https://herbarium.univie.ac.at

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Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

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Sebald O., Seybold S. & G. Philippi (1990): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 2: Hypericaceae bis Primulaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

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Wilhalm T., Zemmer F., Beck R., Stockner W. & Tratter W. (2004): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (3): Ergebnisse der floristischen Kartierung, vornehmlich aus den Jahren 2002–2004 – Gredleriana Vol.4: 381–412.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zündorf H.J., Günther K.F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena: 764 S.