Mummenhoffia

Hellerkraut, Kreuzblütler, Brassicaceae

Gattung:

2018 stellten Esmailbegi et al. nach molekulargenetischen Untersuchungen der Tribus Thlaspideae zwei Arten aus der Gattung Thlaspi, T. alliaceum und T. oliveri, in die neu aufgestellte Gattung Mummenhoffia.
 

Mummenhoffia alliacea

Lauch-Hellerkraut,
Mummenhoffia alliacea,
Syn.: Thlaspi alliaceum  
Kreuzblütler, Brassicaceae

 

Steckbrief:

Bis 100 cm hohe, unverzweigte oder verzweigte, in der Jugend behaarte, nach Lauch riechende Einjährige mit kantigem Stängel und breit-lanzettlichen, ganzrandigen oder wenig gezähnten Blattspreiten. Untere Blätter gestielt, obere sitzend und mit spitzen Zipfeln den Stängel umfassend. Blüten weiß, Kronblätter 2,5−3 mm lang. Fruchtstand stark verlängert mit fast waagrecht abstehenden Fruchtstielen. Schoten etwas abgeflacht, 6−8 mm lang, wenig ausgerandet, vorne ca. 0,5 mm breit geflügelt. Blütezeit März bis Mai.
 

Name:

Benannt ist die Gattung nach dem zeitgenössischen deutschen Botaniker Klaus Mummenhoff (geb. 1956), Spezialist für Kreuzblütler und Professor an der Universität Osnabrück. Das Lauch-Hellerkraut ist zurzeit noch besser unter dem alten botanischen Namen Thlaspi alliaceum bekannt.
 

Heimat:

Süd- und Südosteuropa, Anatolien.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

Seit etwa zwanzig Jahren lokal massiv in Baumschulen auftretend, wo es vermutlich durch gehandelte Kulturpflanzen verschleppt wird (Hohla 2022). Die Art breitet sich in Süddeutschland an weiteren Stellen aus und scheint oft über Gärtnereien verschleppt zu werden. Große Kolonien finden sich oft auf Lärmschutzwällen und an Straßensäumen (Hassler 2024). Auch mit Weinbergsbegrünung ausgebreitet (Meierott & al. 2024).
DEUTSCHLAND:
Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024 sub Thlaspi alliaceum), u.a. 1995 auf einer Autobahnböschung bei Jechling, in einem Weinberg auf dem Langenberg  bei Abtswind und in Strandrasen am Bodenseeufer bei Wasserburg in Bayern (Meierott & al. 2024 sub Thlaspi alliaceum), Berlin (Hand & Thieme 2024 sub Thlaspi alliaceum), Hamburg (Hand & Thieme 2024 sub Thlaspi alliaceum), Niedersachsen (Hand & Thieme 2024 sub Thlaspi alliaceum), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2024 sub Thlaspi alliaceum) und Sachsen (Hand & Thieme 2024 sub Thlaspi alliaceum). Eine Fundangabe für NRW wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024 sub Thlaspi alliaceum) als fraglich geführt, eine für Schleswig-Holstein als irrig.
ÖSTERREICH:
Bei dieser Art handelt es sich wahrscheinlich um einen vermutlich ursprünglich mit Getreide eingeschleppten Neophyten, der im oberösterreichisch-salzburgischen Grenzgebiet bereits gegen Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Äckern etabliert war und von dort ausgehend ins oberösterreichische Salzkammergut und in den Braunauer Bezirk einwanderte. Heute ist diese Art im Salzburger Flachgau und in der Gegend um Friedburg-Lengau noch immer verbreitet, wobei der Schwerpunkt der Vorkommen in diesem Gebiet entlang der Bahn liegt, nicht mehr in Äckern (Hohla & al. 2009). 2011 konnte die Art im Baumschulgelände der Stadtgärtnerei Linz-Freinberg neu für die Böhmische Masse Oberösterreichs gefunden werden (Kleesadl 2017 sub Thlaspi a.).

Seit dem steirischen Erstfund zwischen Fehring und der burgenländischen Landesgrenze (Bregant & Melzer 1985) sind mehrere Neufunde für die Steiermark gemeldet worden, so etwa bei Hohenbrugg im Raabtal (Melzer & Bregant 1994), Ottendorf (Kniely 2018), Sebersdorfberg (Kniely 2018), Lödersdorf (Kniely 2018) und Leibnitz (Melzer 2005). Die Art scheint im Burgenland und in der Steiermark in Ausbreitung zu sein. Weiters auch in Niederösterreich (Glaser & al. 2025), Nordtirol (Pagitz & al. 2023, Glaser & al. 2025) und Wien (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1830 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Vor allem in den Kantonen Aargau, Genf, Schaffhausen und Waadt (Infoflora 2024 sub Thlaspi alliaceum), aber u.a. auch in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Glarus, Graubünden, Luzern, St. Gallen, Thurgau, Wallis, Zug und Zürich (Infoflora 2024 sub Thlaspi alliaceum). Im Kanton Zürich in den 1990er-Jahren zum ersten Mal nachgewiesen. Dort aus der Region Zürich-Nord und im Oberen Glatttal bekannt (Wohlgemuth & al. 2020 sub Thlaspi alliaceum).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1927 auch in Polen (Seebens & al. 2017 sub Thlaspi alliaceum), seit 1923 in Großbritannien (Seebens & al. 2017 sub Thlaspi alliaceum) und seit 1907 in der Slowakei (Seebens & al. 2017 sub Thlaspi alliaceum). In Teilen Nordamerikas gilt das Lauch-Hellerkraut als sich schnell ausbreitendes, potentiell invasives Unkraut (Cusick 2015).
 

 

Quellen

Bregant E. & Melzer H. (1985): Ein Fund des Lauch-Taschelkrauts (Thlaspi alliaceum L.) in der Steiermark - Notizen Flora Steiermark 7: 11-14.

Cusick A.W. (2015): Thlaspi alliaceum L. (Brassicaceae): An Exotic, Invasive Annual Rapidly Spreading in Pennsylvania, Together with the First Collections of This Species in North America. Castanea 80(1): 43-44.

Esmailbegi S., I. A. Al-Shehbaz, M. Pouch, T. Mandáková, K. Mummenhoff, M. R. Rahiminejad, M. Mirtadzadini & M. A. Lysak (2018): Phylogeny and systematics of the tribe Thlaspideae (Brassicaceae) and the recognition of two new genera - Taxon, Volume 67/2: 324–340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2024): Nachträge und Korrekturen zu Flora Germanica Band 1 und 2 Online-Version [Ver. 83], Stand 5.3.2024 - 1713 NACHTRAG.indd (flora-germanica.de) 

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.

 



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Kleesadl G. (2017): Floristische Neu- und Wiederfunde aus Ober- und Niederösterreich. – Stapfia 107: 29 – 50.

Kniely G. (2018): in Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 6, Kurt Zernig, Christian Berg, Rainer Burkard, Peter Englmaier, Gerwin Heber, Michael Hohla, Gerhard Kniely, Günther Nowotny, Martina Pöltl & Ilse Wendelin - Joannea Botanik 15: 215–245.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Melzer H. (2005): Neues zur Flora der Steiermark, XLI. – Mitt. Naturwiss. Ver. Steiermark 134: 153–188.

Melzer H. & Bregant E. (1994): Bemerkenswerte Funde von Gefäßpflanzen in der Steiermark II – Mitt. naturwiss. Ver. Steiermark 124: 135–149.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Schratt-Ehrendorfer L., H. Niklfeld, Ch. Schröck & O. Stöhr (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.

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