Muhlenbergia

Tropfensame, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Muhlenbergia umfasst etwa 176 Arten (Kew 2023) in Amerika und Asien mit Mannigfaltigkeitszentrum in Mexiko.
 

Muhlenbergia mexicana 

Mexikanischer Tropfensame, Mexikanische Mühlenbergie,
Muhlenbergia mexicana 
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

30–80 cm hohe, aufrechte, lockerhorstige Staude mit bis 30 cm langen und bis 1,2 cm breiten Blättern. Blatthäutchen 0,4–1 mm lang. Hüllspelzen so lang wie die Deckspelzen, zugespitzt, oft violett, 1,5–4 mm lang. Grannen an Deck- und Hüllspelzen bis 2 mm lang. Blütezeit August bis Oktober.
 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des deutsch/US-amerikanischen Botanikers und Theologen Gotthilf Heinrich Ernst Mühlenberg (1753–1815) benannt, der die Gattung im Südwesten der USA entdeckte. Mühlenberg war Pfarrer an verschiedenen Orten in Pennsylvania und widmete sich intensiv der Botanik, besonders den Gräsern (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Selten in Botanischen Gärten und ähnlichen Parkanlagen, auch als Saatgut in sogenannten „Präriemischungen“ enthalten.
 

 

Ausbreitung:

Nordamerikanische Art, Mexiko wird entgegen dem Artbeinamen kaum besiedelt. In Europa seit dem Jahr 1825 in Kultur aus Verviers in Belgien bekannt, wobei der Art als Zierpflanze kaum eine Rolle zukommt. Die Ausbreitung erfolgt sowohl durch Verwilderungen aus Botanischen Gärten, durch unrichtig etikettiertes Saatgut im Versandhandel, als auch durch Verschleppung von Samen in Pflanzencontainern (Rücker 2006). Tritt vor allem in Gärtnereien, Gärten, auf Schüttungen und Deponien auf und kann in Gärtnereien durch die generative Samenvermehrung als auch die vegetative Ausbreitung durch Ausläufer Probleme verursachen (Rücker 2006). Kommt im Gebiet bisher vereinzelt vor.
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, u.a. in Kehl, Schiltach, 2016 am Schlossplatz Karlsruhe, 2019 in Rastatt und 2018 in Offenburg in Baden-Württemberg (Amarell 2013, Amarell 2020, Hassler 2020), 1999 bei Kleinbardorf, 2013 beim Hauptbahnhof Schweinfurt, 2000 bei Gundelsheim, 2009 in Pflasterfugen in Bayreuth-Laimbach, Prüßberg, Hallstadt, Memmelsdorf-Lichteneiche, Randersacker und in einer Würzburger Gärtnerei in Bayern (Meierott 2008, Breitfeld & al. 2011, Meierott & al. 2024), Brandenburg (Hand & Thieme 2023), Kassel und Darmstadt-Eberstadt in Hessen (Buttler 2009, Krausova 2008), 1970 Überseehafen Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Osnabrück und 2008 Kreuzbergring Göttingen in Niedersachsen (Weber 1995, Dickoré & al. 2009), Botanischer Garten Bonn in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015) und 1955 Wollkämmerei Leipzig und 2014 Medewitz in Sachsen (Gutte 2006, Wünsche & al. 2016).
ÖSTERREICH: 
Vereinzelt, so 2010 in einer Gärtnerei in Burgkirchen und 2012 auf einer Kahlschlagfläche in Schlägl und Hochburg-Ach in Oberösterreich (Hohla 2012, Hohla 2018), Wals-Siezenheim im Salzburger Flachgau (Stöhr & al. 2009), 2020 beim Hauptbahnhof Graz in der Steiermark (Zernig & al. 2020) und Ecke Operngasse/Schaurhofergasse in Wien (Gilli 2016). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2008 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Vereinzelt im Mittelland, so in den Kantonen Bern, Waadt, Zug und Zürich (Infoflora 2024). Das im Handel verwendete Ziergras wurde mehrfach im Mittelland beobachtet und zeigt Tendenz zur lokalen Ausbreitung (entlang Verkehrsachsen?) (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich 2010 erstmals nachgewiesen, dort in Oerlikon und im Seefeld (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

 
Weitere Arten:

Muhlenbergia huegelii

In Zentral- und Ostasien von Afghanistan und Ussuri bis Japan und Papua-Neuguinea ist der Hügel- Tropfensame, Muhlenbergia huegelii, beheimatet. Er ist benannt zu Ehren des österreichischen Botanikers und Diplomaten Karl Alexander Anselm Freiherr von Hügel (1795−1870). Von Hügel war Botschafter in Florenz und Brüssel, reiste 1830 bis 1836 über den Vorderen Orient nach Indien mit Himalaya und Kaschmir, nach Indonesien, Australien und den Philippinen. Seine ethnographische Sammlung befindet sich heute im Museum für Völkerkunde in Wien (Burkhardt 2018). Die Art wird 1933 verschleppt für Hamburg-Harburg angegeben (Conert 1998). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Muhlenbergia racemosa

In Nordamerika weit verbreitet ist der Traubige Tropfensame, Muhlenbergia racemosa, der 1954 für die Wollkämmerei Leipzig in Sachsen verschleppt angegeben wird (Gutte 2006, Hand & Thieme 2023).
 

Muhlenbergia schreberi

Zu Ehren des deutschen Botanikers Johann Daniel Christian von Schreber (1739−1810) ist der im östlichen Nordamerika beheimatete Schreber-Tropfensame, Muhlenbergia schreberi, benannt. Schreber war Arzt und Naturforscher, praktizierte zunächst in Bützow in Mecklenburg und war später Professor der Medizin, Naturgeschichte, Wirtschaft und Politik in Erlangen, 1791 bis 1810 Präsident der Leopoldina und verfasste u.a. eine 'Beschreibung der Gräser'. Die Art wird im Gebiet für Zwentendorf in Niederösterreich angegeben (Bernhardt & al. 2013), in Südtirol (Englmaier & Wilhalm 2018) und 1963 im Tessin bei Figino gefunden worden und tritt mittlerweile im südlichen Tessin beständig auf (Conert 1998, Bellosi & al. 2011). Unbeständig auch in den Kantonen Bern und Waadt (Infoflora 2024). Die Angabe für Niederösterreich ist unsicher und wird hier nicht berücksichtigt. Subspontan u.a. auch seit 1990 in Slowenien (Seebens & al. 2017).
 

Muhlenbergia sylvatica

Im östlichen und zentralen Nordamerika ist der Wald-Tropfensame, Muhlenbergia sylvatica, beheimatet. Er wird im Gebiet 1933 für die Thörlsche Ölfabrik in Hamburg-Harburg (Meyer 1955) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Muhlenbergia vaginata

In Mexiko und Guatemala ist der Scheidige Tropfensame, Muhlenbergia vaginata, beheimatet. Er wird für das Gebiet als Wolladventive 1896 bei der Wollwäscherei Hannover-Döhren in Niedersachsen (Höck 1904) und ehemals für das Elbufer bei der Hautwollfabrik Rodleben in Sachsen-Anhalt (Ascherson & Retzdorf 1904) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

 

Quellen:

Amarell U. (2013): Bemerkenswerte Neophytenfunde aus Baden-Württemberg und Nachbargebieten (2009–2011) - Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland 7: 29–40.

Amarell U. (2020): Bemerkenswerte Neophytenfunde aus Baden-Württemberg und Nachbargebieten (2012 – 2019). – Ber. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 9: 41-66.

Ascherson P. & Retzdorff W. (1904): Übersicht neuer, bez. neu veröffentlichter wichtiger Funde von Gefäßpflanzen des Vereinsgebietes aus den Jahren 1902 und 1903. – Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenbg. 46: 227–243.

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Bernhardt K.G., Naumer-Bernhardt E., Oschat M.-L., Stoeckl N. & Wernisch M. (2013): Floristische Inventarisierung als Beitrag zur Erfassung regionaler Phytodiversität am Beispiel der Gemeinde Zwentendorf an der Donau (Bezirk Tulln, Niederösterreich) - Wiss. Mitt. Niederösterr. Landesmuseum 24: 127-172.

Breitfeld M., Horbach H.-D.& Scholz H. (2011): Bemerkenswerte Funde im Florengebiet Bayreuth und Bad Berneck - Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 81: 148–152.

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Buttler H.P. (2009): Vermischte Notizen zur Benennung hessischer Pflanzen, Achter Nachtrag zum Namensverzeichnis zur Flora der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Botanik und Naturschutz in Hessen 22: 143–163.

Conert H.J. (Hrsg.) (1998): in Hegi Gustav., Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 1 (Teil 3, Poaceae), 3. Neubearbeitete Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg.

Dickoré W. B., Lewejohann K. & Urner R. (2009): Neufunde, Bestätigungen und Verluste in der Flora von Göttingen (Süd-Niedersachsen). – Florist. Rundbr. 42: 5 – 59.

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