Monarda

Indianernessel, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Monarda umfasst etwa 22 nordamerikanische Arten (Kew 2023).
 

Monarda didyma 

Echte Indianernessel,
Monarda didyma 
Lippenblütler, Lamiaceae

 

Steckbrief:

50–120 cm hohe, aromatisch duftende Mehrjährige mit vierkantigem Stängel und gegenständigen, kurz gestielten Blättern. Blattspreiten eiförmig, zugespitzt, 4–12 cm lang, Blattrand gesägt. Blütenstand 10–40-blütig, mit großen Hochblättern. Krone scharlachrot, 30–45 mm lang, Kelch 10–15 mm lang. Blütezeit Juni bis August.
 

Name:

Benannt nach dem spanischen Arzt und Botaniker Nicolas Monardes (1493−1578), der zur Verbreitung von Pflanzen aus der neuen Welt wie Ananas, Erdnuss, Mais, Coca und Tabak maßgeblich beigetragen hat. Monardes praktizierte als Arzt in seiner Heimatstadt Sevilla, zog Pflanzen aus der 'Neuen Welt' in seinem Garten und untersuchte ihre Heilwirkung (Burkhardt 2018). So war Monardes der Überzeugung, dass Tabak eine der wichtigsten Heilpflanzen sei und gut 20 Krankheiten von der Erkältung bis ironischerweise den Krebs heilen könne. Erst als bei den Langzeitkonsumenten des Krautes eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes erkennbar wurde, kam die Einsicht um die schädliche Wirkung des Tabak-Konsums.
 

Nutzung:

Zier-, Gewürz-, Tee- und Arzneipflanze, auch als Bienenweide. Die zahlreichen Sorten wie `Squaw´, `Präriebrand´ (1955) oder `Gardenview Scarlet´ sind entweder Abkömmlinge von Monarda didyma oder Hybriden mit Monarda fistulosa. Blätter und Blüten können frisch und gegart gegessen oder als Gewürz und zum Aromatisieren genutzt werden. Es kann aus ihnen auch ein Tee aufgegossen werden. Die Oswego-Indianer kannten eine Teezubereitungsart. Ende des 18. Jahrhunderts boykottierten amerikanische Kolonisten den aus England eingeführten Tee und tranken stattdessen Oswego-Tee.
 

 

Ausbreitung:

1737 gelangte die im östlichen Nordamerika beheimatete Art aus Carolina nach Europa, 1765 gehörte sie zum Pflanzenbestand des Berliner Botanischen Gartens. Durch ihre Anspruchslosigkeit und ihre farbenprächtigen Blüten hielt sie bald Einzug in den Gärten und 1809 berichtet Willdenow, dass die Indianernessel zu „der gewöhnlichen Zierde unserer Gärten“ zählt (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet nach wie vor oft kultiviert, selten subspontan auftretend.                             
DEUTSCHLAND:
Selten, so 1901 in Freiburg im Breisgau in Baden-Württemberg (Thellung 1907, Hand & Thieme 2023), 1994 bis 2014 Hauptbahnhof und Güterbahnhof Landshut in Bayern (Meierott & al. 2024), auf einem Kahlschlag bei Bielefeld in Nordrhein-Westfalen (Kulbrock & al. 2005), 1910 Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1914, Hand & Thieme 2023), Saarland (Hand & Thieme 2023) und 1898 durch Gartenauswurf in Thal in Thüringen (Bliedner 1899, Zündorf & al. 2006). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
ÖSTERREICH: 
Selten, so Klagenfurt in Kärnten (Leute 1973, Glaser & al. 2025), Brunnbach bei Großraming in Oberösterreich (Hohla 2011), Graz-Ragnitz in der Steiermark (Walter & al. 2002, Glaser & al. 2025), Nordtirol (Pagitz & al. 2023), Villgratenbachufer in Innervillgraten und in Lavant bei Lienz in Osttirol (Stöhr & al. 2012, Stöhr 2013) und ehemals bei Feldkirch in Vorarlberg (Murr 1913). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1912 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1903 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 2006 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Estland (Seebens & al. 2017).

 
Weitere Arten:

Monarda fistulosa

Nordamerikanischer Herkunft ist auch die Wilde Indianernessel, Monarda fistulosa, die in Europa als Zier-, Arznei- und Teepflanze seit 1635 kultiviert wird (Jäger & al. 2008)
Auch in mehreren Sorten wie `Blaustrumpf´ oder `Beauty of Cobain´. 
Vereinzelt tritt sie subspontan auf, so 1900 im Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), 2015 München-Neuperlach und in einer Brache bei Sand in Bayern (Fleischmann 2018, Meierott & al. sub M. didyma × fistulosa), Niedersachsen (Hassler & Muer 2022) und 1900 Speyer in Rheinland-Pfalz (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2023). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt. In Österreich in Oberösterreich (Sailer 1844, Hohla & al. 2009). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1844 (Glaser & al. 2025). In der Schweiz ehemals Biberist in Solothurn und bei Zürich (Hegi 1975). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt. Subspontan auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Monarda punctata

Als Zierpflanze, zur Gewinnung von Thymol und zur Teeproduktion wird die aus dem östlichen Nordamerika stammende Getüpfelte Indianernessel, Monarda punctata, kultiviert, so etwa um 1920 in den USA zur Thymolgewinnung. Seitdem Thymol synthetisch hergestellt wird, ist der Anbau zu diesem Zweck erloschen (Mansfeld 1986)
In Europa findet sich die Art seit spätestens 1714 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008). Ein unglücklicher geläufiger Name der Pflanze ist Pferdeminze, der leicht mit der Roß-Minze, Mentha longifolia, verwechselt werden kann und daher besser nicht verwendet wird. 
Ganz vereinzelt tritt sie subspontan auf, so ehemals angegeben für Mannheim-Mühlau in Baden-Württemberg (Höck 1902). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt, auch nicht in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996). Früher in Mühlau bei Innsbruck in Nordtirol (Essl & Rabitsch 2002, Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1912 (Glaser & al. 2025).
 

Quellen

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