Minuartia

Miere, Nelkengewächs, Caryophyllaceae

Gattung:

Minuartia ist eine Gattung von etwa 175 Arten bei traditioneller Sichtweise. Das Mannigfaltigkeitszentrum liegt in Eurasien (Europa, Türkei, ehemalige UdSSR), aber einige Arten erstrecken sich weiter südlich bis Mexiko, Chile, Äthiopien, zum Himalaya usw. Moore & al. (2017) überstellten 17 Arten davon in die reaktivierte Gattung Cherleria, Dillenberger & al. (2014) transferieren mehrere Arten in die reaktivierte Gattung Facchinia, etwa 68 Arten wurden in die Gattung Sabulina gestellt und 11 Arten durch Dillenberger & al. (2014) zur neu aufgestellten Gattung Pseudocherleria. Eine Art (M. geniculata) in die Gattung Rhodalsine. Bei dieser Auffassung verbleiben etwa 67 Arten bei Minuartia (Kew 2023). Hier wird die Gattung vorerst noch in ihrem traditionellen Umfang behandelt.
 

Minuartia funkii 

Funk-Miere,
Minuartia funkii  
Nelkengewächs, Caryophyllaceae

 

Steckbrief:

Bis 20 cm hohe, niederliegende bis aufsteigende, drüsig behaarte Zweijährige mit oft zickzackartigen Stängeln und nadelartigen, spitzen Blättern. Blüten unscheinbar, zu mehreren knäuelartig vereint am Triebende und an den oberen Stängelknoten. Blütezeit Mai bis Juli.
 

Name:

Die Gattung wurde zu Ehren des spanischen Botanikers und Apothekers Juan Minuart (1693−1768) benannt. Minuart war Mitbegründer des Botanischen Gartens in Madrid 1755 und Freund und Befürworter der binären Nomenklatur Linnés.
Der Artbeiname ist wahrscheinlich zu Ehren des deutschen Botanikers und Apothekers Heinrich Christian Funck (1771−1839) benannt, der sich vor allem um die Erforschung der Flora des Fichtelgebirges große Verdienste erwarb. Funck übernahm 1803 die Apotheke seiner Mutter in Gefrees im Fichtelgebirge, widmete sich ab 1834 ganz der Forschung und befasste sich speziell mit den Moosen. Er lehnte das Angebot einer Professur in Berlin aus Heimatverbundenheit ab und war Mitbegründer der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft (Burkhardt 2018).

 

Heimat:

Südfrankreich, Ostspanien, Marokko.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
Am 4. Juli 1896 in zwei Exemplaren im Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg verschleppt (Zimmermann 1910, Hand & Thieme 2023) angegeben.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
Weitere Arten:

Minuartia geniculata

Im weiten Mittelmeergebiet, südwestlich bis Westsahara, südöstlich bis Somalia reicht das Heimatgebiet der Geknieten Miere, Minuartia geniculata (= Rhodalsine geniculata). Sie wird für 1901 eingeschleppt im Ludwigshafener Hafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Höck 1910). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Minuartia mediterranea

Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet verrät die Mittelmeer-Miere, Minuartia mediterranea (= Sabulina mediterranea) bereits im Namen. Subspontan tritt sie in den Küstendünen der Normandie Frankreichs auf. In Belgien in Pflasterfugen in Gent (Verloove 2006), im Gebiet bei Schutterwald in der Oberrheinischen Tiefebene in Baden-Württemberg (Uhl 2007), 2025 am Campingplatz Mariengrund in Bernau am Chiemsee und ebenfalls 2025 am Campingplatz Rödlgries in Chiemsee-Übersee in Bayern (Hohla 2025) und bei Heppenheim in Hessen (Hassler & Muer 2022). In Österreich 2024 ein kleiner Bestand auf einem Stellplatz auf dem Campingplatz Podersdorf im Burgenland, dort auch 2025 in etwas größerer Zahl (Raabe 2025 sub Sabulina mediterranea) und auf vielen Stellplätzen und sehr zahlreich 2025 auf dem Campingplatz Neue Donau in Wien (Raabe 2025 sub Sabulina mediterranea). In der Schweiz im Kanton Bern (Infoflora 2024) und in Lausanne in der Waadt auf einem Flughafengelände (Hoffer-Massard 2002).
 

 

Minuartia montana

Im westlichen Mittelmeergebiet von den Kanarischen Inseln bis Spanien und Libyen ist die Berg-Miere, Minuartia montana, beheimatet. In der subsp. wiesneri auch auf der Krim, in Südwest-Bulgarien und in Südwest-Asien (Jalas & Suominen 1983). Sie wird für den Münchner Südbahnhof in Bayern angegeben (Prantl 1884, Ascherson & Graebner 1919, Hand & Thieme 2023, Meierott & al. 2024), in Vollmann (1914) aber nicht aufgenommen.
 

Quellen

Ascherson P. & P. Graebner (1896-1939): Synopsis der mitteleuropäischen Flora. 12 Bände Leipzig, Gebr. Bornträger.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Dillenberger M.S & J. Kadereit (2014): Maximum polyphyly: Multiple origins and delimitation with plesiomorphic characters require a new circumscription of Minuartia (Caryophyllaceae). In: Taxon, Volume 63, Issue 1: 64–88.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

Hoffer-Massard F. (2002): Découvertes interessantes en 2001. – Bull. Cercle Vaud. Bot. 31: 119–122.

Hohla M. (2025): Campingplätze als überraschender Lebensraum für heimische und eingeschleppte Pflanzen – ein erster Bericht über Beobachtungen in Oberösterreich, Salzburg und Südostbayern – Stapfia 119: 25−64.


Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/
 



Jalas J. & Suominen J. (1983): Atlas Florae Europaea 6 – Caryophyllaceae (Alsinoideae and Paronychioideae). Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 176 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Moore A.J. & M.S. Dillenberger (2017): A conspectus of the genus Cherleria (Minuartia s.l., Caryophyllaceae). In: Willdenowia, Volume 47, Issue 1, Februar 2017, S. 5–14.

Prantl K. (1884): Exkursionslfora für das Königreich Bayern – XVI + 568 Seiten, Stuttgart.

Raabe U. (2025): Botanische Reisemitbringsel („Campsite-Pflanzen“) auf Camping- und Wohnmobilstellplätzen im Osten Österreichs – Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich BCBEA 9/1 BCBEA_9-1_gesamt.pdf


Uhl A. (2007): Erstnachweis von Minuartia mediterranea in Deutschland -Kochia 2: 21–24.  

Verloove F. (2006): Minuartia mediterranea – en nieuwe urbane neofyt in Belgie. – Dumortiera 90: 15–18.

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Zimmermann F. (1910): Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen und der Pfalz nebst den selteneren einheimischen Blütenpflanzen und den Gefäßkryptogamen – Pollichia 26: 11−171.