Lotus

Hornklee, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Lotus umfasst etwa 125 Arten (Kew 2023) in Eurasien, Afrika und Australien mit Mannigfaltigkeitszentrum im Mittelmeergebiet.
 

Lotus ornithopodioides 

Vogelfuß-Hornklee,
Lotus ornithopodioides 
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

5–30 cm hohe Einjährige mit niederliegenden bis aufsteigenden, flaumig behaarten Stängeln. Blätter dreiteilig, Blättchen 8–20 mm lang, 4–10 mm breit, behaart. Blütenstand 2–5-blütig. Krone gelb, 7–9 mm lang, Kelch 5–7 mm lang, Kelchzähne etwa 1,5× so lang wie die Kelchröhre. Hülse 30–45 mm lang, 2–3 mm breit, leicht gekrümmt, kahl. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

Beheimatet im weiten Mittelmeergebiet. Im Gebiet ehemals gelegentlich unbeständig verschleppt, so etwa als „Verunreinigung“ von Alexandriner-Klee-Saatgut.
 
DEUTSCHLAND:
Unbeständig für den Hafen von Mannheim und 1941 für den Güterbahnhof Ulm in Baden-Württemberg (Müller 1948, Müller 1950, Hand & Thieme 2023) und ehemals für Leipzig und Dresden in Sachsen (Fiedler 1936, Wobst 1881, Hand & Thieme 2023) angegeben.
ÖSTERREICH:
Heiligenbrunn im Burgenland (Traxler 1980, Gilli & al. 2022). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1980 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Ehemals Baseler Rheinhalde und 1916 und 1917 als Südfruchtbegleiter am Güterbahnhof Zürich (Thellung 1919, Scheuermann 1930). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. 1996 auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 
Weitere Arten:

Lotus angustissimus

Der Zierliche Hornklee, Lotus angustissimus, ist in Westeuropa und im Mittelmeergebiet beheimatet. Östlich reicht die natürliche Verbreitung bis Westsibirien und Westchina. 
Im Gebiet subspontan mit durchwegs alten Funden, so 1894 angegeben für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), Berlin (Hand & Thieme 2023), 1894 für Rüdersdorf in Brandenburg (Behrendsen 1896), Hamburg-Kuhwärder (Schmidt 1890, Hand & Thieme 2023), Nordrhein-Westfalen (Hassler & Muer 2022), 1937 für die Großmarkthalle Leipzig in Sachsen (Fiedler 1944) und mehrfach für Solothurn (Hegi 1975). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht geführt. Subspontan u.a. 1809 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), 1897 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Lotus conimbricensis

Im weiten Mittelmeergebiet von Madeira bis Syrien ist der Portugiesische Hornklee, Lotus conimbricensis, beheimatet. Im Gebiet 1890 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023) und ehemals für Dortmund in Nordrhein-Westfalen (Fiedler 1944, Hassler & Muer 2022) angegeben. Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht geführt. Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Lotus creticus

Der Kreta-Hornklee, Lotus creticus, ist im Mittelmeergebiet beheimatet, fehlt aber auf Kreta. Er wird in Trockengebieten als Gründünger und zur Begrünung genutzt. Subspontan wird er im Gebiet 1933 für Dortmund in Nordrhein-Westfalen (Fiedler 1944) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Lotus edulis

Im Mittelmeergebiet weit verbreitet ist der Essbare Hornklee, Lotus edulis
Im Gebiet wird er vorübergehend eingeschleppt für die Großmarkthalle Leipzig in Sachsen (Fiedler 1944) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Lotus parviflorus

In Westeuropa und im Mittelmeergebiet ist der Kleinblütige Hornklee, Lotus parviflorus (Syn.: L. hispidus) beheimatet. Im Gebiet 1881 und 1901 unbeständig angegeben für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023). Subspontan u.a. ehemals auch für Belgien (Verloove 2021) angegeben.
 

Lotus tetragonolobus

Als Gemüsepflanze wird die mediterrane Rote Spargelerbse, Lotus tetragonolobus (= Tetragonolobus purpureus) gelegentlich im Gebiet gezogen. Die jungen Hülsen werden wie Bohnen genutzt oder als Salat zubereitet. 
Der etwas irreführende Name Spargelerbse kommt daher, dass früher alle essbaren Sprosse „Spargel“ genannt wurden. Der Anbau reicht in Deutschland bis mindestens 1670 zurück, wurde allerdings nirgends großflächig durchgeführt. Der Gebrauch als Zierpflanze ist bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt (Hegi 1975)
Alefeld (1866) nimmt als Stammform Lotus biflorus an, die sich nur in der Blütenfarbe und den behaarten Hülsen unterscheidet und die wie Lotus tetragonolobus essbar ist. Die Pflanze wurde aber weder im klassischen Altertum, noch in den alten Kräuterbüchern beschrieben. Auch liegen keine archäologischen Funde vor. Erstmalig beschreiben sie Clusius 1583 und Camerarius 1586 (Körber-Grohne 1995).
 
Subspontane Vorkommen sind aus dem Gebiet u.a. 1940 aus Ulm-Söflingen in Baden-Württemberg (Müller 1948, Hand & Thieme 2023), Hessen (Hand & Thieme 2023), 1926 am Güterbahnhof Dortmund-Süd in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1937), 1960 Leipzig-Rosental und 2002 Leipzig-Mockau in Sachsen (Gutte 2006), 1916 und 1917 vom Güterbahnhof Zürich und 1917 bei der Steigmühle Töss im Kanton Zürich (Thellung 1919, Scheuermann 1930) bekannt. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt. Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Quellen

Alefeld F. (1866): Landwirtschaftliche Flora. Verlag Wiegand und Hempel, Berlin.

Behrendsen W. (1896): Zur Kenntnis der Berliner Adventivflora – Verhandlungen des Botanischen Vereins für die Provinz Bradenburg 38: 76-100.

Bonte L. (1937): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes 1930-1934 – Decheniana 94: 107-142.

Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 4 (Teil 3). 2.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 1114–1750.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

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Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

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Zündorf H.J., Günther K.F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena: 764 S.