Ligularia

Goldkolben, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Ligularia umfasst etwa 147 eurasiatische Arten (Kew 2023). Zwei davon sind in Europa heimisch, während die größte Vielfalt im östlichen gemäßigten Asien mit 123 Arten in China gegeben ist, 89 davon sind in China endemisch (Liu & Illarionova 2011). Mehrere Arten werden bei uns als Gartenzierpflanzen gezogen.
 

Ligularia dentata

Japanischer Goldkolben,
Ligularia dentata
(Syn.: Senecio clivorum)  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

40–120 cm hohe Staude mit rundlichen Grundblattspreiten, die meist breiter als lang sind. Blattrand gekerbt-gezähnt. Stängel 3–10-körbig, Korbstand schirmförmig. Hüllblätter 11–13, Zungen orangegelb, 25–40 mm lang, Außenhülle fehlend. Frucht 8–10 mm lang, Pappus so lang oder wenig kürzer als die eigentliche Frucht. Blütezeit Juli bis September.
 

 

Nutzung: 

Zierpflanze, in Sorten wie `Desemona´ (1940), `Moorblut´, `Sommergold´ (1973) und `Othello´ (um 1915).  
 

Ausbreitung:

Ostasiatische Art, 1861 vom russischen Botaniker Carl Johann Maximowicz in Nordjapan entdeckt, aber erst 1901 durch Ernest Henry Wilson nach Europa gekommen und fortan in mehreren Sorten als Zierstaude kultiviert (Krausch 2003). Findet sich nur ganz vereinzelt im Gebiet verwildert, dort aber meist beständig.
 
DEUTSCHLAND: 
1918 auf Schutt bei Oftersheim in Baden-Württemberg (Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2023), 2015 auf einem Waldweg zwischen Unterunsbach und Artlkofen im Landkreis Landshut und 2014 in Neufahrn bei Freising in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Breitfeld & al. 2021, Meierott & al. 2024) und Thüringen (Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
Ganz vereinzelt verwildert bis eingebürgert, so in Hoheneich in Niederösterreich und westlich des Pulverstampf-Tores und in der Großen Bischofswiese im Lainzer Tiergarten in Wien (Essl & Rabitsch 2002, Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2010 auch in Belgien (Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Großbritannien (Stace 2010).

 
Weitere Arten:

Ligularia fischeri

Aus Sibirien, der Mongolei, Japan und Ostchina stammt der Fischer-Goldkolben, Ligularia fischeri, der selten kultiviert wird und noch viel seltener verwildert auftritt, wie in Krimml im Salzburger Pinzgau am Rand der Gerlospassstraße auf etwa 1270 m Seehöhe (Stöhr & al. 2007). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2005 (Glaser & al. 2025). Die Art ist nach dem deutschen Botaniker Friedrich Ernst Ludwig von Fischer (1782−1854) benannt. Von Fischer wurde 1823 durch Zar Alexander zum Direktor des Botanischen Gartens in Sankt Petersburg berufen, dessen Direktor er von 1823 bis 1850 war. In seinen letzten Jahren arbeitete er für das Innenministerium als medizinischer Berater. Neben mehreren Pflanzenarten ist auch die Gattung Fischera aus der Familie der Doldenblütler nach ihm benannt. Ligularia fischeri wird in der koreanischen Küche als Gemüse genutzt.
 

 

Ligularia przewalskii

Aus Nordchina und der Mongolei stammt der 1866 nach Europa gekommene Kerzen-Goldkolben, Ligularia przewalskii, der gerne als Gartenzierstaude kultiviert wird. `Weihenstephan´ ist eine mannshohe Auslese mit großen Blütenkörben. `The Rocket´ ist eine Hybride mit L. stenocephala und ebenfalls mannshoch (Jelitto & al. 1990). Die Art tritt gelegentlich auch den Weg über den Gartenzaun an, so etwa 1997 an einem Waldweg bei Hinter Bühel bei Grainau nahe Garmisch-Partenkirchen in Bayern (Schuhwerk 2005, Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024), in Kärnten (Stöhr & al. 2007), Felseralm bei Obertauern im Salzburger Pongau (Wittmann & Pflugbeil 2017), 2014 an einem Ruderalplatz im Wald an der Straße zwischen Buch und der Leber südlich des Kreuzkogels in Graz-Stattegg in der Steiermark (Kniely 2014) und südlich von Lienz in Osttirol (Polatschek 1997, Pagitz & al. 2023, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1997 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. seit 1941 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1982 in Großbritannien (Seebens & al. 2017) und seit 1951 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017).
 
Die Art ist zu Ehren des russischen Militäroffiziers und Naturforschers Nikolai Michailovich Przewalski (1839−1888) benannt. Przewalski war u.a. Botaniker, Geograph und Reisender, aber auch Lehrer für Geographie in Warschau, erforschte 1870 bis 1885 auf fünf beschwerlichen und gefährlichen Reisen die Mandschurei und Zentralasien einschließlich der Wüste Gobi, sammelte reichlich zu Botanik, Zoologie und Ethnologie, außerdem Wetterdaten und entdeckte wilde Kamele, Gazellen und Pferde. Neben zahlreichen Pflanzenarten trägt auch das Przewalski-Pferd, Equus przewalskii seinen Namen (Burkhardt 2018).
 

Ligularia sibirica

Ob der dem Fischer-Goldkolben sehr ähnliche Sibirische Goldkolben, Ligularia sibirica, der von Osteuropa bis Ostasien beheimatet ist, im Gebiet neophytisch oder ein Glazialrelikt ist, bleibt ungewiss, wenngleich vieles für einen lokal etablierten Neophyt spricht (Fischer 1991)
Der Sibirische Goldkolben ist ein subarktisch-sibirisches Florenelement, das aus dem Gebiet nur von einem einzigen Fundort in Niederösterreich, einem Flachmoor im Grillenberger Tal bei Berndorf, bekannt ist. Dort hat ihn Alfred Neumann (1916−1973) 1957 entdeckt (Fischer 1991).
Der Standort zeichnet sich durch ein Nebeneinander verschiedener Vegetationseinheiten der Feuchtserie, vom Schwarzerlen- und Strauchweiden-Bruchwald über grabenbegleitende Großseggen- und Hochstauden-Fluren bis hin zum verschilften Großseggensumpf, zu Bachkressen-Sümpfen und Feuchtwiesenresten aus. Die Erhaltung dieses hochwertigen Feuchtbiotopkomplexes und der Population des Sibirischen Goldkolbens ist ein vorrangiges Naturschutzziel. Handlungsbedarf resultiert aus der voranschreitenden Verschilfung des Gebietes infolge von Nutzungsaufgabe dieser ehemaligen Streuwiesen. Seit mehreren Jahren wird daher im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung Niederösterreich auf einer ausgewählten Fläche ein jährlicher Schilfschnitt erprobt. Zusätzlich werden Ansaatversuche auf Probeflächen im Gebiet durch Einbringen von Saatgut aus angrenzenden Beständen von Ligularia sibirica zum Zeitpunkt der Fruchtreife durchgeführt. Ein begleitendes Monitoring findet seit dem Jahr 2018 statt, die Ergebnisse sollen einer Konkretisierung der Artenschutzmaßnahmen dienen (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022). Ein zweiter Fundort bestand am Fuße des Lindenberges bei Hirtenberg, wo F. Hanauska 1965 einige Stöcke aus dem Grillenberger Tal hin verpflanzte, die sich in den folgenden Jahren vermehrten und bis zu 75 Blühsprosse zeigten (Fischer 1991). Aktuell gilt die Art in Österreich als vom Aussterben bedroht (CR) (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022).
Subspontan seit 2001 auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017).

 
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Breitfeld M., Hertel E. & A. Baumann (2021): Flora Adventiva, eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden. 677 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien; 432 S.

Fischer R. (1991): Der Sibirische Goldkolben, Ligularia sibirica, doch kein Relikt aus grauer Vorzeit? – Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Bergwelt 56: 183–192.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kniely G. (2014): Virtual Herbaria JACQ – Ligularia przewalskii – https://herbarium.univie.ac.at

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.



Liu S. und Illarionova I.D. (2011): Ligularia. In: Wu Z.U., Raven P.H. & Hong D.Y. (Hrsg.), Flora of China, Bd. 20-21. Science Press, Peking, Missouri Botanical.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Polatschek A. (1997): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Bd. 1. — Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck.

Schratt-Ehrendorfer L., H. Niklfeld, Ch. Schröck & O. Stöhr (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.

Schuhwerk F. (2005): Floristische Kurzmitteilungen – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 75: 187–189.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stace C. (2010) New flora of the British Isles, 3th ed.: XXXII + 1232 p. Cambridge University Press.

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Hohla M. & Schröck C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wagenitz G. (1987): in Gustav Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, Teil 4, 2.Auflage. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg. 863 S.

Wittmann H. & Pflugbeil G. (2017): Beiträge zur Flora des Bundeslandes Salzburg IV - Mitt. Haus der Natur 24 : 75–99.

Zündorf H. J., Günther K. F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen – Weißdorn-Verlag Jena, 764 S.