Leonurus

Herzgespann, Lippenblütler, Lamiaceae

Gattung:

Leonurus umfasst etwa 24 Arten (Kew 2023) in Eurasien mit Verbreitungsschwerpunkt in Zentralasien.
 

Leonurus sibiricus 

Sibirisches Herzgespann,
Leonurus sibiricus 
Lippenblütler, Lamiaceae

 
Anmerkung: Laut CABI (2021) handelt es sich bei den Angaben von subspontanem L. sibiricus tatsächlich um Leonurus japonicus. L. sibiricus würde demzufolge nicht oder nur sehr selten verwildern.
 

Steckbrief:

20–100 cm hohe Ein- bis Zweijährige mit gegenständigen, lang gestielten Blättern und kantigen, behaarten Stängeln. Blattspreiten bis 5 cm lang und 4 cm breit, doppelt fiederteilig, oberseits borstig behaart, unterseits drüsig. Hochblätter fiederteilig. Blüten in Scheinquirlen. Kelch behaart. Krone 8–12 mm lang, rosa bis purpurn, außen behaart. Blütezeit Juli bis September.
 

Name:

Herzgespann geht auf die Verwendung der Auszüge verschiedener Leonurus-Arten zur Unterstützung der Herzfunktion zurück, die wiederum nach der Signaturlehre mit der herzförmigen Blattform zusammenhängt. „Gespann“ ist ein altes Wort für Krampf und Herzklopfen (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Nutzung:

Arznei-, Zier- und psychoaktive Pflanze.
 
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Ostasien. Besonders in jüngerer Zeit als Aufputschkraut mit dem Namen „Marihuanilla“ in Kultur. Im Gebiet vereinzelt, vorübergehend und durchwegs ehemals subspontan aufgetreten.
DEUTSCHLAND:
Sehr vereinzelt, so 1906 angegeben für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1907, Hand & Thieme 2023), 1961 für Berlin-Grunewald (Scholz & Sukopp 1965, Seitz & al. 2012) und mehrfach vorübergehend für den Hafen von Osnabrück in Niedersachsen (Koch 1936, Weber 1995). Die Art wird in den Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs (Sebald & al. 1996) nicht geführt

ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: 
1876 angegeben für eine Zementfabrik in Aarau im Kanton Aargau (Thellung 1919).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Art:

Leonurus quinquelobatus

Das Zottige Herzgespann, Leonurus quinquelobatus (Syn.: Leonurus cardiaca subsp. villosus), wurde lange Zeit unter Leonurus cardiaca subsp. villosus als Unterart zum Echten Herzgespann betrachtet, bis molekulargenetische Untersuchungen (Marciniuk & al. 2014) zeigten, dass es sich um eine eigene Art handelt. 
Als Art akzeptiert wird die Sippe u.a. von Plants of the World (Kew 2023) und Flora Germanica (Hassler & Muer 2022). Leonurus quinquelobatus ist im Gebiet ein Neophyt, der sich u.a. als Bienenfutterpflanze oder durch „Wildblumenansaaten“ ausbreitet, während Leonurus cardiaca s.str. im Gebiet zu den Archäophyten zu rechnen ist. 
Unterscheiden lassen sich die beiden vor allem über die Stängelbehaarung, die bei L. quinquelobatus ringsum dicht und weich ist mit 1−2 mm langen Haaren, während sie bei L. cardiaca nur an den Kanten mit angedrückten, etwa 0,5 mm langen Haaren vorhanden ist. Die Stängelblätter sind bei L. quinquelobatus meist über die Hälfte geteilt, bei L. cardiaca nur bis zur Hälfte. Die Stängel- und Tragblätter sind bei L. quinquelobatus dicht weichhaarig bis zottig, bei L. cardiaca angedrückt flaumhaarig. Der Kelch ist bei L. quinquelobatus 6−9 mm lang und zottig behaart, bei L. cardiaca 5−7 mm lang, kahl oder höchstens kurz angedrückt behaart (Holub 1993, Müller & al. 2021, Krumbiegel & Weiss 2024)
Die Unterscheidung dieser beiden Arten macht keine Schwierigkeiten, sehr wohl aber die der Hybriden Leonurus ×intermedius, die in ihren Eigenschaften zwischen denen der Eltern vermitteln.
 
L. quinquelobatus ist in Deutschland weit verbreitet, fehlt lediglich in Sachsen-Anhalt (Hand & Thieme 2023 sub L. cardiaca subsp. villosus), in Österreich in allen Bundesländern (Glaser & al. 2025 sub L. cardiaca subsp. villosus), so etwa bei Möllersdorf, Traiskirchen, Tribuswinkel und Wienersdorf in Niederösterreich (Sauberer & al. 2025), ebenso in Südtirol (Fischer & al. 2008). In der Schweiz wahrscheinlich ebenfalls weit verbreitet, aber in Arbeiten wie Infoflora (2024) oder Wohlgemuth & al. (2023) nicht von L. cardiaca getrennt.
 

Quellen

CABI (2021): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Fischer M. A., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.


FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Alle Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands in Text und Bild. Bd. 1 u. 2. – Verl. Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, 1712 S.

Holub J. (1993): Leonurus intermedius, species nova – with additional notes on some other Leonurus taxa. – Preslia (Praha): 65: 97–115.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/


Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Koch K. (1936): Nachtrag zur „Flora des Regierungsbezirkes Osnabrück und der benachbarten Gebiete“ – Veröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Osnabrück 23: 185-205.



Krumbiegel A. & V. Weiss (2024): (PDF) Massenvorkommen des Neophyten Leonurus quinquelobatus Gilib. in den ehemaligen Absetzbecken des Klärwerkes Rosental in Leipzig

Marciniuk P., Gawrońska B., Marciniuk J. & Joachimiak A. J. (2014): Taxonomic individuality of Leonurus cardiaca and Leonurus quinquelobatus in view of morphological and molecular studies. – Plant Syst. Evol. 300: 255–261, DOI 10.1007/s00606-013-0878.

Müller F., C. Ritz, E. Welk & K. Wesche (Hrsg.) (2021): Rothmaler – Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. 22. Aufl. – Springer Spektrum, Berlin, 944 S.


Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.

Scholz H. & H. Sukopp (1965): Drittes Verzeichnis von Neufunden höherer Pflanzen aus der Mark Brandenburg und angrenzenden Gebieten – Verhandlungen des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 102: 3-40.

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 5: Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.


Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Thellung A. (1919): Beiträge zur Adventivflora der Schweiz (III) – Mitteilungen aus dem botanischen Museum der Universität Zürich.

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.


Zimmermann F. (1907): Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen und der Pfalz nebst den selteneren einheimischen Blütenpflanzen und den Gefäßkryptogamen – Mannheim, 171 S.