Lamprocapnos

Tränendes Herz, Erdrauchgewächs, Fumariaceae

Gattung:

Monotypisch, lange Zeit als Art innerhalb der Gattung Dicentra geführt. Molekulargenetische Untersuchungen durch Lidén & al. (1997) zeigten die Eigenständigkeit der Art und führte zur Abspaltung von Dicentra.
 

Lamprocapnos spectabilis

Tränendes Herz,
Lamprocapnos spectabilis
(Syn.: Dicentra spectabilis
Erdrauchgewächs, Fumariaceae

 

Steckbrief:

30–80 cm hohe, kahle Staude mit unterirdischer Speicherwurzel. Blätter 2–3-fach gefiedert, 20–40 cm lang, Endabschnitte gelappt bis fiederschnittig. Blüten in einseitwendigen, überhängenden Trauben. Äußere Kronblätter meist rosa, ihre Spitzen abstehend bis zurückgebogen. Blütezeit April bis Juni.
 

Nutzung:

Zierpflanze, in wenigen Sorten wie `Alba´ mit weißen Blüten und `Gold Hearth´ mit gelbgrünem Laub.
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Nordchina, Korea und in der Küstenprovinz des südöstlichen Russlands und hier schon lange in Gartenkultur. Als erster Europäer sah sie wohl der in Peking missionierende französische Jesuitenpater Pierre d´Incarville (1706−1757), der Pflanzen nach Frankreich schickte, die aber dort nie ankamen, weil die Schiffe durch Kaperung und Schiffbruch verlorengingen. Nach Europa gelangten sie dann durch den deutschen Naturforscher Johann Georg Gmelin, der 1733 bis 1743 Sibirien bereiste und dabei Exemplare der Pflanze aus China zugeschickt bekam. Über Sankt Petersburg erreichte das Tränende Herz 1769 Deutschland und 1816 England (Krausch 2003). Der schottische Pflanzensammler Robert Fortune schrieb über das Tränende Herz: „Es ist eine dieser Pflanzen, welche die chinesischen Mandarin im Norden Chinas so lieben und die sie mit so viel Stolz in ihren kleinen Feengärten kultivieren.“
 
Die Pflanze bildet keine Ausläufer und auch kaum Samen (Jäger & Werner 2005). Sie wird gärtnerisch über Achselspross-Stecklinge und Wurzelschnittlinge vermehrt, bei einer etwaigen Samenbildung auch durch Kaltkeimung (Jäger & al. 2008). Somit dürften nur gelegentlich Teile des Wurzelstockes mit Gartenauswurf in die freie Natur gelangen. Dies kann insofern leicht passieren, als dass das Tränende Herz im Sommer die oberirdischen Teile komplett oder aber zumindest zum Teil einzieht. Für manche Gartenbesitzer bereits Grund genug für einen Erdaustausch, im Zuge dessen dann der Wurzelstock in die Landschaft gerät und sich ausbreitet.
 
DEUTSCHLAND:
Sehr selten, so 2011 bei Börwang, 2016 im Moorwald Stötten, bei Altenbaindt, Eichig, Bad Berneck, Kropfbachtal, Fleckl, Lebenhan und Waldsachsen in Bayern (Bauer 2017, Bauer 2018, Adler & al. 2017, Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008), 1927 in einer Kiesgrube in Hamburg-Altona (Christiansen 1928), Darmstadt in Hessen (Jung 1992, Hemm 2008), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003), am Kleinen Heckberg bei der Drabenderhöhe, in Allner in der Siegaue und 2022 in Bergkamen-Rünthe in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015, BBV 2023), bei Kell im Hunsrück in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016), bei Muldenberg, Zwota, Tannenbergsthal, Auerbachtal, oberes Klausental, Stötteritzer Wäldchen und Möckern in Leipzig in Sachsen (Breitfeld 2016, Gutte 2006, Breitfeld 2021), Gunsleben bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt (Herdam 1994), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und 2013 am Waldrand in Jena-Cospeda und 2013 am Waldrand in Ruttersdorf in Thüringen (Schönfelder in: Breitfeld & al. 2021).
ÖSTERREICH:
Sehr selten, so 2004 Dürrnstein in der Wachau und 2020 bei St. Veit an der Gölsen in Niederösterreich (Essl 2005, Griebl 2020), 1989 bei Asang/Dietach, 2004 am Hohen Schachen bei Eggerding, 2011 am Waldrand bei Ramerding, Gemeinde Lohnsburg, 2012 auf einem Waldschlag am Steindlberg, Gemeinde Lohnsburg, 2015 im Gebüschsaum eines Bächleins in Schreimoos, Gemeinde Waldzell und 2020 in einer kleinen Schottergrube in Federnberg, Gemeinde Kirchheim im Innkreis in Oberösterreich (Essl 2004 sub Dicentra, Hohla 2006 sub Dicentra, Hohla 2022), Wehrgasse, Leopoldkronstraße und Donnenbergpark in der Stadt Salzburg und St. Veit Richtung Goldegg im Salzburger Pongau (Pilsl & al. 2013, Pflugbeil & Moosbrugger 2016, Pflugbeil & Pilsl 2013), Judendorf-Strassengel und Gnas in der Steiermark (Leonhartsberger 2018, Trummer 2000), 2020 in Leisach-Gries in Osttirol (Stöhr 2020), Feldkirch und Gaschurn in Vorarlberg (Polatschek & Neuer 2013) und in Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2004 (Glaser & al. 2025). Die Fundortsangaben Vomp und Innsbruck in Nordtirol sind nach Pagitz & al. (2023) irrig. Die Fundangabe für Wien ist kritisch zu sehen und wird hier nicht berücksichtigt.
SCHWEIZ: 
Vereinzelt, so Arisdorf und Itingen im Baselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018) und ehemals in Mols im Kanton St. Gallen (Thellung 1919).


 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. 2001 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), 1998 in Litauen (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021) und 1922 in Großbritannien (Clement & Foster 1994, Seebens & al. 2017).

Quellen

Adler B., Adler J. & Kunzmann G. (2017): Flora von Nordschwaben – Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben e. V. – Deiningen, 813 S.

Bauer J. (2017): Notizen zur Flora des Allgäus aus dem Jahr 2016. – Mitt. Naturwiss. Arbeitskreises Kempten/Allgäu 52: 23 – 32.

Bauer J. (2018): Notizen zur Flora des Allgäus aus dem Jahr 2017. – Mitt. Naturwiss. Arbeitskreises Kempten/Allgäu 53: 21 – 32.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2023): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen aus dem Ruhrgebiet im Jahr 2022 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 14: 155-166.

Brandes D. (2003): Die aktuelle Situation der Neophyten in Braunschweig. — Braunschw. Naturk. Schr. 6: 705–760.

Breitfeld M. (2016): Waldwege als Adventivhabitate - Sächsische Floristische Mitteilungen 18: 9–34.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Christiansen D.N. (1928): Die Adventiv- und Ruderalflora der Altoner Kiesgruben und Schuttplätze – Schriften der Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein 18(2): 350-462.

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Essl F. (2004): Floristische Beobachtungen aus dem östlichen Oberösterreich und dem angrenzenden Niederösterreich, Teil III. – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 13: 131–183.

Essl F. (2005): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil II – Linzer biol. Beitr. 37_2: 1207–1230.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Griebl N. (2020): Lamprocapnos spectabilis in Niederösterreich - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=2248&p=12181&hilit=lamprocapnos#p12181

Grims F. (2008): Flora und Vegetation des Sauwaldes und der umgrenzenden Täler von Pram, Inn und Donau – 40 Jahre später - Stapfia 87, 262 S.

Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R., Reichert H., Bujnoch W., Kottke U. & Caspari S. (2016): Flora der Region Trier – Verlag Michael Weyland, Trier. 1634 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hemm K. (2008): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz. 186 S.

Herdam H. (1994): Neufunde und Nachträge zur „Neuen Flora von Halberstadt“ – 2. Mitteilungen. Abhandlungen und Berichte des Museums Heineanum 2: 1-71.



Hohla M. (2006): Panicum riparium (Poaceae) – neu für Österreich – und weitere Beiträge zur Kenntnis der Adventivflora Oberösterreichs - Neilreichia 4: 9–44.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Jäger E. J. & Werner K. (2005): Exkursionsflora von Deutschland, Bd. 4 Gefäßpflanzen: Kritischer Band. — 10. Aufl., Elsevier, München, 980 S.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Jung K. D. (1992): Flora des Stadtgebietes von Darmstadt. Darmstadt, 572 Seiten.

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Leonhartsberger S. (2018): Einschätzung des Ausbreitungspotenzials einiger Kulturflüchtlinge aus dem Grazer Raum - Joannea Botanik 15: 71–98.

Lidén M., Fukuhara T., Rylander J. & B. Oxelman (1997): Phylogeny and classification of Fumariaceae, with emphasis on Dicentra s. l., based on the plastid gene rps16 intron - Plant Systematics and Evolution 206, Nr. 1–4, S. 411–420.

Lüthi R. (2018): Flora des Oberbaselbiets 2012−2015, Östlicher Teil des Kantons Basel-Landschaft, Schweiz, Verlag Basel-Landschaft, 848 S.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Pflugbeil G. & Moosbrugger K. (2016): Floristische Besonderheiten in der Stadt Salzburg und ihren Umlandgemeinden – Mitt. Haus der Natur 23: 58–71.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596.

Polatschek A. & Neuner W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 7 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 821 S.

Radler D. & Punz W. (1999): Gewerbe- und Industriebrachen in Wien – Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 136: 249 – 263.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O. (2020): Lamprocapnos spectabilis - Lamprocapnos spectabilis in Niederösterreich - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Thellung A. (1919): Beiträge zur Adventivflora der Schweiz (III) – Mitteilungen aus dem botanischen Museum der Universität Zürich.

Trummer E. (2000): Virtual Herbaria JACQ – Dicentra spectabilis – https://herbarium.univie.ac.at

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be