Kitaibelia

Kitaibelie, Malvengewächs, Malvaceae

Gattung:

Kitaibelia umfasst 2 Arten auf der Balkanhalbinsel und in Südwest-Asien. Neben K. vitifolia noch K. balansae in Anatolien und Syrien.  
 

Kitaibelia vitifolia 

Weinblättrige Kitaibelie, Balkanmalve,
Kitaibelia vitifolia  
Malvengewächs, Malvaceae

 

Steckbrief:

Bis 1,5 m hohe, sommergrüne Staude mit lang gestielten Blättern und gelappten, ahornartigen Spreiten. Blüten zu 1–4 in den Blattachseln mit weißen, gezähnten bis leicht ausgerandeten Kronblättern, die sich am Grund nicht überlappen, wodurch die Kelchblätter sichtbar bleiben. Blütezeit Juni bis September.
 

Name:

Benannt zu Ehren des österreichisch-ungarischen Arztes und Naturwissenschaftlers Paul Kitaibel (1757−1817). Kitaibel kam in Mattersdorf (heute Mattersburg im Burgenland) als Bauernsohn zur Welt. Kitaibels Lebensaufgabe war die Erforschung des innerkarpatischen Beckens, die er auf zahlreichen Reisen, zum überwiegenden Teil in staatlichem Auftrag, durchführte. Seine offizielle Aufgabe war die Erforschung der Heilquellen und Bäder, im Vordergrund seines eigenen Interesses stand jedoch die floristische Erforschung, der er sich mit Hingabe widmete. Kitaibel war sehr vielseitig, so beschäftigte er sich wissenschaftlich mit der Mischung der Farben, Bergbau, Bienen- und Seidenraupenzucht, Hefereinkultur, Zuckererzeugung aus Rüben, Mais und Trauben usw. Er fand ein neues Element, allerdings ohne es zu benennen, so dass die Priorität für die Auffindung des Tellurs an H. M. Klaproth überging. Er entwickelte Apparate wie einen Küchensparherd und einen Vakuum-Destillierapparat. Kitaibel war Professor der Chemie, Botanik und Leiter des Botanischen Gartens in Budapest (Burkhardt 2018).
 

Heimat:

Südost-Kroatien, Vojvodina, Nordmakedonien und Albanien.
 

Nutzung:

Selten als Zierpflanze.
 

Ausbreitung:

Seit spätestens 1803 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008), gelegentlich verschleppt oder verwildert.
 
DEUTSCHLAND:
1909 auf einem Spargelacker bei Schwetzingen in Baden-Württemberg angegeben (Zimmermann 1914, Hand & Thieme 2023), 1998 auf einem Deponiegelände bei Himmelstadt nahe Würzburg in Bayern (Lippert & Meierott 2014) und Bochum-Querenburg und Bonn in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2014, Schmitz 2017).
ÖSTERREICH:
Im Nordburgenland (Gilli & al. 2022), 1946 bei der Keplerbrücke in Graz in der Steiermark (Hamburger 1948, Melzer 1954, Glaser & al. 2025) und ehemals Breitenlee in Wien (Metlesics 1968, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1946.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1984 auch in Rumänien (Seebens & al. 2017), seit 1949 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).

 

Quellen

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hamburger I. (1948): Zur Adventivflora von Graz. – Institut für systematische Botanik der Universität Graz.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Jagel A. (2014): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen - http://jagel.nrw/FloraBochum.html



Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Melzer H. (1954): Zur Adventivflora der Steiermark I – Mitt. Nat. Ver. Stmk. 84: 103–120.

Metlesics H. (1968): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100301650

Schmitz J. (2017): Beobachtungen zu neuen und sich ausbreitenden Pflanzenarten in Nordrhein-Westfalen – www.schmitzens-botanikseite.de

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Zimmermann F. (1914): Neue Adventivpflanzen der badischen Pfalz - Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz 294: 341-343.