Kerria

Ranunkelstrauch, Rosengewächs, Rosaceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Kerria japonica 

Ranunkelstrauch, Goldröschen,
Kerria japonica 
Rosengewächs, Rosaceae

 

Steckbrief:

1,5–3 m hoher, sommergrüner, buschiger, vieltriebiger, dickichartig wachsender Strauch mit unterirdischen Ausläufern und grünen, rutenartigen Zweigen. Blätter wechselständig, Spreite 3–9 cm lang, eiförmig bis elliptisch, doppelt gesägt, zugespitzt. Blüten leuchtend gelb, einzeln oder zu wenigen am Ende von Kurztrieben, 5-zählig, etwa 3 cm im Ø. Früchte glänzend schwarzbraun, kugelig-eiförmig, im Gebiet nur selten ausgebildet. Blütezeit April bis Mai.
 

Name:

Benannt zu Ehren des schottischen Gärtners William Kerr (1779−1814), der in China, Java und auf den Philippinen Pflanzen sammelte und 238 neue Arten nach Europa brachte. Die meisten dieser Arten sammelte er auf Handelsplätzen wie Gärtnereien in Kanton, Macao und Manila. Kerr leitete ab 1812 den Botanischen Garten in Colombo/Ceylon und starb dort vermutlich durch übermäßigen Opium-Konsum (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Ziergehölz. Häufiger als die einfach-blühende Wildform wird die gefüllt-blühende Auslese `Pleniflora´ (1804) kultiviert. Diese ist stärkerwüchsig als die Nominatform und tritt auch öfters als diese subspontan auf. Selten werden andere Sorten wie `Picta´ (1844) mit weiß panaschierten Blättern kultiviert. Die Art ist schattenverträglich. in nährstoffreichen Böden bildet sie Dickichte mit nur wenig Blüten (Bruns 2009). Seit 2014 ist eine Pilzinfektion namens Blumeriella kerriae bekannt, die speziell den Ranunkelstrauch befällt und u.a. zu frühzeitigem Blattverlust führt (RHS 2021).
 

 

Ausbreitung:

Beheimatet in China, die Vorkommen in Japan dürften eingebürgerter Natur sein (Ehrhardt & al. 2008). Die ersten lebenden Pflanzen kamen durch William Kerr 1805 nach Europa. Kerr war im Auftrag seines Förderers Joseph Banks in Ostasien und brachte die gefüllt blühende Form in den Botanischen Garten nach London. Die einfachblühende Naturform traf erst nach der Zierform ein. John Russel Reeves sandte 1835 Wildformen aus China an die Royal Horticultural Society nach London (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet gelegentlich subspontan. 
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014), Neuenmarkt, Trebgast, Hettersreuth, Goldmühl, Marktl, Wittibreut und mehrfach um Bamberg und Schweinfurt in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Hohla 2018, Meierott 2008), Berlin (Hand & Thieme 2023), Hamburg (Müller & al. 2021), Frankfurt in Hessen (Buttler 2009), Lamme bei Braunschweig und bei Ehrhorn in Niedersachen (Brandes 2003, Mertens & Kaiser 2006), Köln, Schwarzbachtal und Urdenbacher Kämpe bei Mettmann in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015, Adolphi 2013), Kylltal in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016), Meißen, Dresden, Prohlis, Tharandt und im Weidaer Wäldchen in Sachsen (Hardtke & al. 2013), Sachsen-Anhalt (Müller & al. 2021) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023). Fundmeldungen für Niedersachsen werden in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) als fraglich geführt.
ÖSTERREICH:
Vereinzelt, so etwa 2021 in Neumarkt an der Raab im Südburgenland (Gilli & al. 2022, Gilli & Raabe in: Pachschwöll & al. 2025), in Niederösterreich (Glaser & al. 2025), Taiskirchen, St. Florian am Inn und in einem Gebüschsaum in Hochburg/Ach in Oberösterreich (Hohla 2006), Seekirchen am Wallersee und Oberndorf im Land Salzburg und mehrfach in der Stadt Salzburg (Schröck & al. 2004, Pilsl & al. 2008), mehrfach in Graz in der Steiermark (Leonhartsberger 2018), Steigental in Nordtirol (Smettan 2012), Iseltal in Osttirol (Brandes 2011, Stöhr 2011), Vorarlberg (Janchen 1958, Glaser & al. 2025) und Wien (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1911 (Glaser & al. 2025). In Südtirol u.a. in Prissian (Wilhalm & al. 2013).
SCHWEIZ: 
Mehrfach, so etwa im Aargau (Infoflora 2024), im Zeglinger Unterdorf im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018), in den Kantonen Bern, Genf, Luzern und Neuenburg (Infoflora 2024) in Bellach im Kanton Solothurn (Thellung 1919) und in den Kantonen Tessin, Waadt und Zürich (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich bis 1999 nur in einer Fläche in der Stadt Zürich festgestellt. Gegenwärtig aus 6 % der Quadranten dokumentiert (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 2000 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

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Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

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