Jacobaea

Greiskraut, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Jacobaea umfasst etwa 65 Arten (Kew 2023) in Eurasien. Früher wurde Jacobaea innerhalb von Senecio geführt, neuere molekulare Untersuchungen bestätigen die Eigenständigkeit der Gattung. Die Abtrennung der Gattung Jacobaea von Senecio geht auf die Arbeiten von Pelser & al. (2002, 2006) zurück. Der generische Status wird durch das Hybridisierungsverhalten unterstützt: Es gibt mehrere Hybriden innerhalb von Jacobaea, während keine zwischen Jacobaea und Senecio bekannt sind (Verloove 2021). Morphologisch sind beide Gattungen jedoch schlecht unterschieden (Stace 2010). Bei Jacobaea sind die Anzahl der (inneren) Hüllblätter und die Anzahl der Zungenblüten etwa gleich, bei Senecio s. str. ist dagegen das Verhältnis Anzahl (innere) Hüllblätter/Anzahl der Zungenblüten ca. 1,5–2 (Verloove & Lambinon 2011).
Wie etwa 6000 andere Pflanzenarten (weltweit) schützen sich Jacobaea-Arten vor Fressfeinden durch Pyrrolizidinalkaloide (PA), die vor allem für Weidetiere gefährlich sein können. Pyrollizidinalkaloide sind zum großen Teil leberschädigend und krebserregend, außerdem mutagen. Die Vergiftungssymptome treten meist erst spät auf, nach Wochen oder Monaten, weil sie kumuliert wirken. Vergiftungen können auch über Honig und Kuhmilch erfolgen. Vergifteter Honig schmeckt bitter und hält gewöhnlich von weiterem Verzehr ab. Das Vieh meidet Jacobaea-Arten auf der Weide, jedoch nicht im Heu, wo das Gift erhalten bleibt. Hohe Greiskraut-Anteile können deshalb schwere Schäden beim Vieh verursachen. Sehr hohe Dosen führen auch zu sofortigen, zum Teil tödlichen Vergiftungen, besonders bei Kleinsäugern, Pferden und Rindern. Obwohl die PA gewöhnlich auch für Insekten giftig sind, gibt es einige Arten, die ihren gesamten Lebenszyklus auf Greiskräutern verbringen, so der Jakobskrautbär, Tyria jacobaeae. Die Raupen nehmen die Giftstoffe unbeschadet auf und speichern sie, wodurch sie vor Fressfeinden geschützt sind. Einige Blattlaus-Arten sind ebenfalls an Greiskräuter angepasst. Der von ihnen abgegebene Honigtau lockt Ameisen an, die die Pflanze von Raupen des Jakobskrautbärs freihalten.

 
 

Jacobaea maritima

Weißfilziges Greiskraut,
Jacobaea maritima
(Syn.: Senecio cineraria, Senecio bicolor,
Senecio gibbosus
)  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

Bis 50 cm hoher Halbstrauch mit nichtblühenden Rosetten und weißgraufilzigen Stängeln und Blättern. Blätter fiederschnittig bis gelappt, oberseits verkahlend, unterseits dicht weißfilzig bleibend. Körbchen mit 10–12 goldgelben Zungenblüten und dunkleren Röhrenblüten. Hülle weißfilzig. Blütezeit Juli bis August.
 
 

Heimat:

Mittelmeergebiet.
 

Nutzung:

Zierpflanze, vor allem auf Friedhöfen, in Blumenrabatten, als Strukturpflanze im Beet und in Pflanzgefäßen, in Sorten wie `Silberzwerg´ oder `New Look´. Der an sich ausdauernde Halbstrauch wird in Mitteleuropa meist einjährig kultiviert.
 
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so am Bahnhof Karlsruhe-Durlach in Baden-Württemberg (Breunig 2008), 2002 am Friedhof Litzendorf, 2017 in Pflasterfugen in Markt Einersheim, 2018 Mauerabsatz in Würzburg und Bamberg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), 1992 in Hamburg-Billbrook (Brandt & Mang 1995), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2016), Herne-Eickel, Bochum-Weitmar und Nachrodt-Wilbingwerde in Nordrhein-Westfalen (BBV 2016, BBV 2021), Rheinland-Pfalz (Hassler & Muer 2022), Leipzig-Leutzsch und 2008 in Bautzen in Sachsen (Gutte & al. 2013, Otto 2012), auf Helgoland, in Niebüll und 2022 beim Bahnhof Lunden in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022, Hebbel 2015, Hebbel 2023) und 2016 auf einer Straßenböschung in Jena-Winzerla in Thüringen (Schönfelder in: Breitfeld & al. 2021).
ÖSTERREICH:
2025 am Kirchenplatz in Kroatisch-Minihof im Burgenland (Hohla & al. 2025), in Prellenkirchen, 2024 Möllersdorf und Traiskirchen in Niederösterreich (Nadler & Haug 2021, Sauberer & al. 2025 sub Senecio cineraria), am Friedhof Utzenaich und Friedburg in Oberösterreich (Hohla 2009), 2025 in der Schwarzparkstraße in Salzburg-Stadt (Hohla & al. 2025) und am Friedhof Rodaun, in der Stolberggasse und am Friedhof Inzersdorf in Wien (Vitek & al. 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2003 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Am Güterbahnhof Zürich (Landolt 2001). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.


 
 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1892 auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
Weitere Arten:

Jacobaea adonidifolia

Das westeuropäische Adonis-Greiskraut, Jacobaea adonidifolia (Syn.: Senecio adonidifolius) wird selten als Zierstaude genutzt und findet sich im Gebiet sehr selten subspontan, so 1882 angegeben für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hassler & Muer 2022) und im südwestlichen Hessen (Hemm 2008, Hand & Thieme 2023). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
 

 

Jacobaea ×albescens

Das Weißliche Greiskraut, Jacobaea ×albescens (Syn.: Senecio ×albescens), ist eine Hybride aus dem Weißfilzigen Greiskraut, Jacobaea maritima, und dem Jakobs-Greiskraut, Jacobaea vulgaris. Die Hybride wurde aus Irland erstbeschrieben und ist mittlerweile auch aus Großbritannien, Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und Frankreich bekannt. Im Gebiet in Aachen, Herne-Süd, Bochum-Wattenscheid-Westenfeld, Essen-Horst, Bochum-Weitmar, Witten-Annen, Nachrodt-Wiblingwerde und am Friedhof Drolshagen in Nordrhein-Westfalen (Bomble 2023), 2014 am Bahngelände in Baruth bei Bautzen in Sachsen (Otto & al. 2015) und 2014 in Niebüll in Schleswig-Holstein (Hebbel 2015). Auf Helgoland in Schleswig-Holstein im Mittelland, am Geröllstrand Aade und am Kringelhang, sich lokal etablierend (Theisinger & Hebbel 2022). Außerdem 2019 auf Helgoland im Nordost-Land (Hebbel 2023) und 2020 im Neuen Friedhof von Amrum-Nebel in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023).
 

Jacobaea cannabifolia

Das ostasiatische Hanfblatt-Greiskraut, Jacobaea cannabifolia (Syn.: Senecio cannabifolius), wird selten als Solitärstaude kultiviert und verwildert daraus sehr selten, so 2003 im Verschlossenen Holz und 2004 beim Cottaweg Leipzig in Sachsen (Gutte & Jäger 2004, sub Senecio cannabifolius)
Subspontan u.a. auch in Finnland (Seebens & al. 2017 sub Senecio cannabifolius).

Jacobaea grandidentata

Das Sand-Greiskraut, Jacobaea grandidentata (Syn.: Senecio grandidentatus, J. erucifolia subsp. arenaria) ist in Osteuropa und Westasien beheimatet und findet sich im Gebiet beim Uni-Campus Bayreuth in Bayern lokal etabliert (Hassler & Muer 2022, Hand & Thieme 2023, Meierott & al. 2024 sub J. erucifolia subsp. arenaria).
 

Jacobaea ×thuretii

Das Thuret-Greiskraut, Jacobaea ×thuretii (Syn.: Senecio ×thuretii) ist eine Hybride aus Jacobaea erucifolia × Jacobaea maritima (Syn.: Senecio cineraria × Senecio erucifolius). Die Hybride wurde aus Südfrankreich beschrieben (Burnat 1916) und später in England nochmals als Senecio ×patersonianus beschrieben (Burton 1979). Aus dem Gebiet wird sie für Baden-Württemberg angegeben (Hand & Thieme 2023). Benannt ist sie nach dem französischen Botaniker Gustave Thuret (1817−1875), dem Gründer des Botanischen Gartens der Villa Thuret in Antibes. 1858 ließ er sein Haus auf einem fünf Hektar großen Grundstück am Cap d'Antibes errichten, einer mediterranen Zweigstelle des Jardin des Plantes in Paris. Thuret gilt als Wegbereiter der Akklimatisierung exotischer Pflanzen im südöstlichen Mittelmeerraum.
 

Quellen

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2016): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2016 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 8: 174–189.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2021): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2020 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 12: 199-278.

Bomble W. (2023): Jacobaea ×albescens s. str. (= Senecio ×albescens s.str., Weißliches Greiskraut) inzwischen regelmäßig in Nordrhein-Westfalen. – Veröff. Bochumer Bot. Ver. 15(1): 1 – 36.

Brandes D. (2016): Über einige Neufunde von Neophyten in Braunschweig und Umgebung – Florist. Rundbriefe 50: 37–59.

Brandt I. & F.W.C.Mang (1995): Über eine Ruderalfläche in Hamburg-Billbrook – Berichte des Botanischen Vereins zu Hamburg 15: 89-92.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Breunig T. (2008): Neue Fundorte-Bestätigungen-Verluste (533-663) – Ber. d. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 5: 131–154.

Burnat É. (1916): Flore des Alpes maritimes VI (1). Georg & Cie, Genève & Bale: 345 S.

Burton R. M. (1979): Senecio cineraria DC. × S. erucifolius L. in Kent. Watsonia 12: 333– 334.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P., Hardtke H.-J. & Schmidt P.A. (Hrsg. 2013): Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete. Ein pflanzenkundlicher Exkursionsführer. – 983 S. Wiebelsheim (Quelle & Meyer).

Gutte P. & E. J. Jäger: Senecio cannabifolius Less. – eine für Deutschland neue Art - Hercynia N. F. 37 (2004): 169–173.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hebbel J. (2015):  Ein Fund der Kreuzkraut-Hybride Jacobaea × albescens (Senecio × albescens) in Schleswig-Holstein -  Kieler Notizen zur Pflanzenkunde (Kiel. Not. Pflanzenkd.) 41: 58–65.

Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.

Hemm K. (2008): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz. 186 S.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

Hohla M. (2009): Bromus pumpellianus, Mimulus ringens und Poa bigelovii – neu für Österreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels.

Hohla M., G. Pflugbeil & G. Kiraly (2025): Aronia ×prunifolia, Narcissus ×medioluteus, Patrinia scabiosifolia und Thunbergia alata neu für Österreich und weitere floristische Beiträge – Stapfia 119: 15−24.

 



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 2 – Springer Verlag Basel. 706 S.

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Nadler K. & Haug G. (2021):  Dorf-Flora Prellenkirchen (Niederösterreich) nebst Ergänzungen zur Scherrasenflora 2019 – Stapfia 112: 147-206.  

Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg (2013): Flora von Helgoland, Stand 2013 - http://www.nhg-nuernberg.de/main.php?section=Botan&lige=&page=exk_helgolandliste2013.php

Otto H.-W. (2012): Die Farn- und Samenpflanzen der Oberlausitz. Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Supplement zu Band 20, Görlitz.

Otto H.-W., Gebauer P., Hardtke H.-J. & Wünsche A. (2015): Floristische Beobachtungen 2014 in Oberlausitz und Elbhügelland – Ber. der naturforsch. Gesell. der Oberlausitz Band 23: 109–122.

Pelser P. B., Gravendeel B. & van der Meijden R. (2002): Tackling speciose genera: species composition and phylogenetic position of Senecio sect. Jacobaea (Asteraceae) based on plastid and nrDNA sequences. American Journal of Botany 89 (6): 929–939.

Pelser P. B., Veldkamp J.-F. & van der Meijden, R. (2006): New combinations in Jacobaea Mill. (Asteraceae – Senecioneae). Compositae Newsletter 44: 1–11.

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 6: Valerianaceae bis Asteraceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Stace C. (2010) New flora of the British Isles, 3th ed.: XXXII + 1232 p. Cambridge University Press.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Verloove F. & Lambinon J. (2011): The non-native vascular flora of Belgium: new combinations and a new variety. – New Journal of Botany 1(1): 38 – 42.

Vitek E., W. Adler & A. Mrkvicka (2021): Neues von der Flora Wiens – Neilreichia 12: 219-290.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.