Inula

Alant, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Inula umfasst, exklusive Dittrichia, Limbarda und Pentanema, etwa 78 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Afrika. Die generischen Grenzen von Inula und seine Beziehung zu anderen Gattungen sind noch nicht klar erforscht. Einerseits wurden Gattungen wie Dittrichia und Limbarda von Inula abgetrennt, andererseits zeigen molekulare Studien, dass der "Inula-Komplex" eine monophyletische Gruppe ist, die auch Gattungen wie etwa Telekia umfasst (Englund & al. 2009).
 

Inula helenium 

Echter Alant,
Inula helenium  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

Bis 220 cm hohe Staude mit kräftigen, oft mehr als 1 cm dicken Stängeln. Blattspreiten lanzettlich bis eiförmig, bis 100 cm lang, unterseits graufilzig, Spreite der Grundblätter und der unteren Stängelblätter keilig in den geflügelten Blattstiel verschmälert, obere Stängelblätter mit herzförmigem Grund halbstängelumfassend. Blütenstand schirmtraubig. Blütenkörbe 6–8 cm im Ø, > 3 cm lang gestielt. Äußere Hüllblätter eiförmig, 8–10 mm breit. Blütezeit Juni bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Der Trauben-Alant, Inula racemosa, hat einen traubigen Blütenstand und Blütenkörbe, die kurz gestielt oder fast sitzend sind. Inula helenium-Pflanzen mit traubigem Blütenstand werden nicht selten mit I. racemosum verwechselt. Der Pracht-Alant, Inula magnifica, hat elliptische bis eiförmige Blattspreiten, die am Stängel sitzen und größere Blütenkörbe mit 7−12 cm Durchmesser. I. magnifica ähnelt stark Telekia speciosa, doch hat I. magnifica elliptische bis eiförmige Grundblattspreiten, die keilig in den Blattstiel verschmälert sind (bei T. speciosa breit eiförmig mit herzförmigem Grund). Inula magnifica unterscheidet sich vom sehr ähnlichen Inula helenium durch eine Wuchshöhe von 100 bis 150 cm (bei I. helenium 120 bis 220 cm), einen violettbraun gezeichneten Stängel (bei I. helenium grün), 30 bis 60 cm lange Grundblätter (bei I. helenium 50 bis 100 cm), 5 bis 10 cm lange Grundblattstiele (bei I. helenium 15 bis 30 cm), fein gezähnte bis fein gebuchtete Blattränder (bei I. helenium gröber gezähnt bzw. gebuchtet) und Blütenkörbe mit 7 bis 12 cm Durchmesser (bei I. helenium 6 bis 8 cm).
 

Nutzung:

Zier-, Volksarznei-, Gewürz- und Färbepflanze. Neben den dekorativen Blüten wurde Alant wegen seiner essbaren Wurzeln angebaut, die unter anderem bei Erkrankungen der Atemwege Einsatz fanden (Wohlgemuth & al. 2020). Das Wurzelöl wird zur Parfümherstellung genutzt (Mansfeld 1986). Inulin wurde 1804 erstmals aus dem Alant isoliert. Inulin ist, als Ersatz für Stärke, Bestandteil von Diabetikernährmitteln (Düll & Kutzelnigg 2022). Inulin wird heute noch in der Lebensmittelindustrie genutzt (Wohlgemuth & al. 2020).
 

Ausbreitung:

Die Heimat der Art ist aufgrund ihrer langen Kultur nicht genau bekannt (Wagenitz 1979). Alant wurde bereits bei den Römern als Heil- und Gewürzpflanze angebaut. Im Mittelalter war besonders der daraus hergestellte Alantwein ein beliebtes Universalmittel (Wagenitz 1979). Auch bei der Herstellung von Absinth kam Alant zum Einsatz (Chisholm 1911). Aus dieser reichlichen Kultur verstehen sich auch Ausbreitung und Einbürgerung im Gebiet.
 
DEUTSCHLAND:
Zerstreut, in allen Bundesländern (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Selten und meist unbeständig in allen Bundesländern (Fischer & al. 2008, Glaser & al. 2025), in Osttirol bei Virgen noch auf 1194 m Seehöhe (Brandes 2015). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1968 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Selten, so beispielsweise in Hersberg, Wintersingen, Liestal und Bubendorf im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018), bei Bern, im Unterengadin in Graubünden, bei Luzern und im Wallis (Infoflora 2024). Schon Konrad Gessner (1516−1565) erwähnte spontane Vorkommen in der Stadt Zürich (Wohlgemuth & al. 2020). Um das Jahr 1900 wurde die Art im Kanton Zürich in 5, seit 2000 in 8 Quadranten nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), seit spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1819 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1853 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Inula candida

Selten als Zierstaude für Steingärten wird der in Griechenland beheimatete Schneeweiße Alant, Inula candida, verwendet. Er wird 1901 für den Hafen von Mannheim in Baden-Württemberg (Höck 1910, Wagenitz 1979, Hand & Thieme 2023) angegeben. Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
 

 

Inula magnifica

Als Zierstaude in wenigen Sorten wie `Sonnenstrahl´ wird der im östlichen Kaukasus beheimatete Pracht-Alant, Inula magnifica, kultiviert.
Er verwildert daraus wahrscheinlich häufiger als angegeben, weil er oft mit Pracht-Telekie, Telekia speciosa, oder Echtem Alant, Inula helenium, verwechselt wird. 
Verwildert u.a. 2017 bei einer Kompostdeponie nahe Langenbach, 2003 in Hallstadt bei Bamberg, Bayreuth und 2013 im Steinbruch Degmann bei Bad Berneck in Bayern (Breitfeld & Horbach 2017, Lippert & Meierott 2014, Lechner 2010, Meierott & al. 2024), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und in Obertriesting im niederösterreichischen Wienerwald im Schöpflgebiet (Eigenfund Griebl 2015). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2015.
 

Inula racemosa

Im westlichen Himalaya ist der Trauben-Alant, Inula racemosa, beheimatet, der vor allem in der Sorte `Sonnenspeer´ selten als Zierstaude verwendet wird und ganz vereinzelt daraus verwildert oder verschleppt angegeben wird, so 2015 am Gehweg bei Halsheim und 2012 auf einer Deponie bei Waldbrunn in Bayern (Meierott 2008, Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024), Markranstädt und Dornreichenbach in Sachsen (Heyde & Gutte 2015), 2017 bei der Marienmühle Weißenfels in Sachsen-Anhalt (Feder 2022), Jena in Thüringen (Schönfelder 2017) und 2009 Ort im Innkreis in Oberösterreich (Hohla 2011). Subspontan u.a. auch für die Niederlande (FLORON 2021) und seit 2001 für Belgien (Verloove 2021) angegeben. Im Blütenstand kompakte, kurzstielige Formen von I. helenium werden oft für I. racemosa gehalten. Eine Überprüfung der Fundmeldungen wäre wünschenswert. Inula racemosa unterscheidet sich neben den kurzen Blütenkorbstielen durch 20−50 cm lange Blätter (bei I. helenium 50−100 cm lang) und unterseits graufilzig behaarte Blätter (bei I. helenium unterseits nur locker behaart und grün).
 

Inula thapsoides

Südwestasiatisch ist der Kaukasus-Alant, Inula thapsoides, der im Gebiet ganz selten verschleppt auftritt.
 
So in Ausbreitung auf einer Deponie bei Würzburg in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024) und 1910 angegeben für den Ludwigshafener Hafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023).

Quellen

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Feder J. (2022): Der Segen der Einwanderer. Neophyten, unsere pflanzlichen Neubürger und was sie für unser Ökosystem bedeuten. Gräfe und Unzer, München.

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