Hieracium

Habichtskraut, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Die Artenzahl innerhalb der Gattung wird unterschiedlich gesehen und reicht von etwa 800 bis 5000. Kew science (2023) akzeptiert, exklusive Pilosella und Schlagintweitia, 4567 Arten, die in Eurasien, Amerika und Nordwest-Afrika beheimatet sind.
 

Hieracium hirsutum 

Behaartes Habichtskraut,
Hieracium hirsutum  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

30−100 cm hohe, reichlich behaarte Staude mit 8−22 elliptisch-lanzettlichen Blättern, diese breit gerundet am Stängel sitzend bis halbstängelumfassend, grob gezähnt, unterseits und an den Rändern reich behaart, zerstreut sternhaarig, winzigdrüsig, oberseits kahl oder verkahlend. Grundblätter zur Blütezeit abgestorben, auch die untersten Stängelblätter oft schon unansehnlich.
Blütenstand 10−30 cm lang, mit 10−20 Köpfen, im unteren Teil traubig, im oberen rispig. Äste bis 14 cm lang, im Winkel von ca. 20° abstehend, untere einköpfig, obere 2−3-köpfig, daneben oft mit weiteren verkümmerten Köpfen, obere den Endkopf überragend. Kopfstiele mit zahlreichen 1,5-3 mm langen Haaren, zahlreichen Sternhaaren und zerstreuten bis zahlreichen winzigen, bis 0,2 mm langen Drüsenhaaren. Hülle 12−14 mm lang. Hüllblätter mit breiter Basis, spitz, auf der Fläche braun bis hellgrün, am Rand stets hellgrün, Haare zahlreich, lang, hell, mit kurzem dunklem Fuß, Drüsen zahlreich, mit dunklen Stielen und gelben Köpfchen. Blütezeit Juli bis September.

Verwechslungsmöglichkeit: Habituell ähnelt H. hirsutum sehr dem heimischen H. sabaudum. Von diesem unterscheidet es sich vor allem durch die lange und besonders im unteren Teil des Stängels sehr reiche Behaarung, durch die Drüsenbekleidung der gesamten Pflanze und durch die geringere Anzahl der Stängelblätter. Ähnliche Formen gibt es auch bei H. racemosum. H. hirsutum unterscheidet sich von diesem ebenfalls durch die Drüsenbekleidung, durch den etwas stängelumfassenden Spreitengrund und durch die langen Fransen der Grubenränder des Korbbodens.
 

Heimat:

Pyrenäen.
 

Nutzung:

Keine. Früher sehr selten kultiviert, so im Botanischen Garten Jena und im Dessauer Schulgarten (Bräutigam & Rességuier 2001).
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
1994 auf Straßenböschungen am Äußeren Ring in Marktheidenfeld und 2014 auf Straßenböschungen am Nordring in Marktheidenfeld in Bayern, dort lokal eingebürgert (Bräutigam & Rességuier 2001, Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
Weitere Arten:

Hieracium compositum

Das Kopfige Habichtskraut, Hieracium compositum, ist in den Pyrenäen beheimatet und konnte 2007 subspontan als Kulturrelikt beim Schloss Dyck in Jünchen bei Wallrath in Nordrhein-Westfalen (Gottschlich & Raabe 2008) gefunden werden.
 
 

Hieracium mixtum

In den Pyrenäen und in Nordwest-Spanien ist das Gemischte Habichtskraut, Hieracium mixtum, beheimatet. Subspontan konnte es 2012 in den Eschbacher Klippen bei Usingen im Taunus in Hessen (Gottschlich & Daffner 2015) und seit 1995 im Steinbruch am Ebersberg im Deister, oberhalb der Stadt Springe bei Hannover in Niedersachsen (Bräutigam & al. 2007) gefunden werden. Subspontan 2006 auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Hieracium patens

Das Ausgebreitete Habichtskraut, Hieracium patens, ist in den Pyrenäen beheimatet und konnte subspontan in Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005) und in Niedersachsen (Hand & Thieme 2023) gefunden werden.
 

Hieracium virosum

Das Stinkende Habichtskraut, Hieracium virosum, ähnelt dem heimischen Savoyer Habichtskraut, H. sabaudum. Es hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, das von der Balkanhalbinsel bis Ostasien reicht. Im Gebiet konnte es 1929 auf Schutt bei Nymphenburg in Bayern gefunden werden (Meierott & al. 2024).
 

Quellen

Bräutigam S., Gottschlich G. & K. Hänel (2007): Hieracium mixtum Froel., ein für Deutschland neuer Neophyt – Kochia 2: 2-30.

Bräutigam S. & P. Rességuier (2001): Hieracium hirsutum Bernh. ex Froel. - ein für Deutschland neuer Neophyt – Ber. Bayer. Bot. Ges. 71: 29-32.

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gottschlich G. & Daffner H. (2015): Ein Fund von Hieracium mixtum FROEL. imTaunus. – Hessische Floristische Rundbriefe

Gottschlich G. & U. Raabe (2008): Hieracium compositum Lapeyr. subsp. magnolianum (Arv.-Touv.) Zahn, ein Kulturrelikt am Schloss Dyck bei Jüchen am Niederrhein, Nordrhein-Westfalen – Kochia 3: 37-50.



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Harz K. (1927): Weitere neue Hieracien-Funde in Bayern – Mitt. Bayer. Bot. Ges. 4: 135-139.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.