Hibiscus

Straucheibisch, Malvengewächs, Malvaceae

Gattung:

Hibsicus umfasst etwa 432 Arten (Kew 2023), die hauptsächlich in den Tropen und Subtropen beheimatet sind.
 

Hibiscus syriacus 

Straucheibisch,
Hibiscus syriacus 
Malvengewächs, Malvaceae

 

Steckbrief:

1–3 m hoher, sommergrüner, reich verzweigter, trichterförmiger Strauch mit straff aufrechten Zweigen. Blattspreiten rhombisch, dreilappig, grob gezähnt, 5–10 cm lang. Blüten einzeln, kurz gestielt, Außenkelchblätter 7–9, Kronblätter 4–7 cm lang, lila, bei Gartenzierformen auch blau, violett, rosa oder weiß, am Grunde purpurn. Samen einseitig behaart. Blütezeit Juni bis August.
 

Nutzung:

Häufig und in vielen Sorten von alphabetisch `Admiral Dewey´ (vor 1900) über `Blue Bird´ (vor 1958, = `Oiseau Blue´), und `Red Heart´ (1973) bis `Woodbridge´ (1928) als Ziergehölz kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014). Blätter und Blüten können roh oder gegart gegessen werden. Die Art ist stadtklimafest, wärmeliebend und reagiert auf längere Trockenheit mit Knospenabwurf (Bruns 2009). Die Blüten werden am einjährigen Holz gebildet, weshalb ein Rückschnitt im Frühjahr zu keinem Blühausfall führt. Straucheibisch-Blüten werden gerne von Hummeln, Bienen, Ameisen und Fliegen besucht (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Ausbreitung:

Der entgegen seinem Namen nicht in Syrien, sondern in Südost-Asien beheimatete Straucheibisch gelangte über alte Handelswege früh in den Orient, wo er 1574 vom deutschen Arzt Leonhart Rauwolf bei Tripoli im heutigen Libanon kultiviert gefunden wurde und bald darauf nach Mitteleuropa kam (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet vielerorts verwildert mit steigender Verwilderungstendenz.
 
DEUTSCHLAND: 
Vereinzelt und unbeständig, so 1909 bei Mannheim und 1990 im Wernhaldepark Stuttgart in Baden-Württemberg (Hegi 1975, Sebald & al. 1990, Schäfer 1992, Hand & Thieme 2023), Bayern (Hassler & Muer 2022), 2010 am Tempelhofer Parkfriedhof in Berlin (Breitfeld & al. 2021), 2007 in Frankfurt am Main-Goldstein in Hessen (Ottich 2007), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2016), Leutesdorf am Mittelrhein, Mülheim an der Ruhr-Heißen, 2024 in Pflasterfugen in Münster-Geistviertel und 2024 am Kommunalfriedhof Voerde in Nordrhein-Westfalen (BBV 2012, BBV 2021, BBV 2025), in der Frankenthaler Straße und der Deutschen Straße in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2005), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und 2015 bei der alten Porzellanhalde Kahla in Thüringen (Schönfelder in: Breitfeld & al. 2021)Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht angegeben.
ÖSTERREICH:
Vielfach, so 2010 bei Jois, 2023 Bruckneudorf, 2022 Kobersdorf, 2022 Rechnitz und 2021 Rudersdorf im Burgenland (Gilli & al. 2022, Essl & al. in: Pachschwöll & al. 2025), in Prellenkirchen, Schiltern, Langenlois, Althofer Wald, 2019 Möllersdorf, Oynhausen, Traiskirchen, Tribuswinkel und Wienersdorf in Niederösterreich (Nadler & Haug 2021, Sauberer & al. 2025), Trimmelkam, Ried im Innkreis und St. Pantaleon in Oberösterreich (Stöhr & al. 2009, Hohla 2006), Elsbethen und Oberndorf im Salzburger Flachgau (Schröck & al. 2004), vielfach in der Stadt Salzburg mit 35 Fundorten (Pilsl & al. 2008), Burgfried bei Gnas in der Ost-Steiermark (Eigenfund Griebl 2018, Essl & al. in: Pachschwöll & al. 2025), Nordtirol (Pagitz & al. 2023) und in der Peter Jordan-Straße im 18. Wiener Gemeindebezirk (Stöhr & al. 2009). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2002 (Glaser & al. 2025). In Südtirol bei Bozen und Meran (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
Vielfach, so in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Genf, Graubünden, Solothurn, St. Gallen, Tessin und Waadt (Brodtbeck & al. 1997, Thellung 1919, Landolt 2001, Infoflora 2024). Im Kanton Zürich 1998 erstmals in der Stadt Zürich subspontan aufgetreten, danach an verschiedenen Orten im Kanton (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 2002 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Hibiscus moscheutos

Im südöstlichen Nordamerika ist der Sumpfeibisch, Hibiscus moscheutos (Syn.: H. palustris) beheimatet, der seit 1575 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008) ist und bei uns in zahlreichen Sorten wie `Lady Baltimore´ oder `Sweet Caroline´ in den wärmeren Landstrichen als Zierstaude genutzt wird. 
Sehr selten wird die Pflanze auch subspontan angegeben, so 1921 am Neckar bei Ilvesheim in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1990, Hand & Thieme 2023), in Bayern (Hassler & Muer 2022) und Hessen (Hassler & Muer 2022). Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht angegeben.
 
 

Hibiscus tiliaceus

Der Linden-Eibisch, Hibiscus tiliaceus (Syn.: Talipariti tiliaceum) ist in den Tropen und Subtropen Amerikas, Afrikas und Asiens beheimatet. Die Art wird im Gebiet als Kübel-Ziergehölz genutzt, in seiner Heimat werden die Fasern der jungen Rinde vielfältig verarbeitet, so zu Seilen, den traditionellen tahitianischen Faserröcken oder zu Fischernetzen (Tang & al. 2007). Im Gebiet unbeständig für Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) angegeben.
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV (2012): Exkursion Leutesdorf am Mittelrhein, Rheinufer und NSG Langenbergskopf – Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 3: 159–161.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2021): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2020 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 12: 199-278.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.


Brandes D. (2016): Über einige Neufunde von Neophyten in Braunschweig und Umgebung – Florist. Rundbriefe 50: 37–59.

Brodtbeck T., Zemp M., Frei M., Kienzle U. & D. Knecht (1997): Flora von Basel und Umgebung 1980-96. Band 1. — Sonderdruck    der Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, S. 1-546.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Essl F., U. Raabe, G. Haindrich, M. Hofbauer, C. Gilli & K. Nadler (2025) in: Pachschwöll C., Gilli C. & H. Niklfeld (2025): Floristische Neufunde (509–620) – Neilreichia 15: 127–248.


FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

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Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

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