Hesperis

Nachtviole, Kreuzblütler, Brassicaceae

Gattung:

Hesperis umfasst etwa 48 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Marokko mit Mannigfaltigkeitszentrum in Anatolien.
Die in einem sehr kleinen Gebiet in den französischen Seealpen endemische Duftlose Nachtviole, Hesperis inodora, wird für Deutschland mehrfach als Kleeunkraut eingeschleppt angegeben. Es sind alles sehr alte Fundmeldungen aus dem 19. Jahrhundert, die hier angezweifelt werden.

 

Hesperis matronalis

Garten-Nachtviole,
Hesperis matronalis subsp. matronalis
(inkl. H. pycnotricha)  
Kreuzblütler, Brassicaceae

 

Steckbrief:

40–80 cm hohe, oft verzweigte Zwei- bis Mehrjährige mit purpurnen, lila oder ausnahmsweise auch weißen Blütenkronen. Grundständige Blätter eiförmig bis lanzettlich, kurz gestielt, bis 15 cm lang, fein gezähnt bis fast ganzrandig. Stängelblätter zahlreich, nach oben kleiner werdend und sitzend. Kronblätter 2–3 cm lang. Früchte 3–10 cm lang und 1,5–3 mm breit, auf 1–2 cm langen, aufrecht abstehenden Stielen. Blütezeit Mai bis Juni, oft mit einer Nachblüte im Spätsommer.
Verwechslungsmöglichkeit: Das Garten-Silberblatt, Lunaria annua, hat Blätter mit herzförmiger Spreite und eiförmige Früchte.
 

Nutzung:

Zier- und Duftpflanze, in mehreren Sorten wie `Purpurea Plena´ oder `Nana Candidissima´ (Jelitto & al. 1990). Das ätherische Öl aus den Samen wird in der Parfüm-Industrie genutzt.
 

Ausbreitung:

Hesperis matronalis besteht aus mehreren, bisher unzureichend erforschten Unterarten (Jalas & Suominen 1994), von denen die Unterart nivea auch im Gebiet ursprünglich ist. Jalas & Suominen (1994) geben die Heimat der Nominat-Unterart matronalis für Südeuropa bis Zentralasien an, wobei die europäischen Vorkommen in Südfrankreich, Italien und Ungarn als möglicherweise ursprünglich geführt werden.
Im Gebiet seit spätestens Anfang des 16. Jahrhunderts in Gartenkultur (Jäger & al. 2008). 1542 berichtet Leonhart Fuchs, dass die Art in Gärten des Gebiets bereits weit verbreitet ist. Sie blieb lange Zeit eine beliebte und weit verbreitete Zierpflanze und verlor erst im 19. Jahrhundert an Interesse (Krausch 2003). Durch fehlende Nutzung an Flussufern sowie der Überversorgung mit Nährstoffen wird die Art gefördert (Hand & al. 2016). Aufgrund ihrer leichten Vermehrbarkeit findet sie sich oft in Samenmischungen. Gegenwärtig im Gebiet weit verbreitet und lokal eingebürgert. Im 17. Jahrhundert wurde die Pflanze nach Nordamerika ausgeführt, wo sie gegenwärtig ebenfalls großflächig neophytisch auftritt.

 
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern, lokal eingebürgert.
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern verwildert bis eingebürgert (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1804 (Glaser & al. 2025). In Südtirol lokal eingebürgert.
SCHWEIZ:
Zerstreut in den tieferen Lagen (Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024), so etwa in Reigoldswil, Rothenfluh und Langenbruck im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018). Im Kanton Zürich war die Art um das Jahr 1900 als Gartenflüchtling auf Schutthalden, an Bahndämmen und an Burgruinen vorhanden, ab 2000 ist sie aus 10 % der Quadranten nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020). Auch in Liechtenstein, so Balzers und Schlosshügel Gutenberg (Waldburger & al. 2003).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1820 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1956 in Island (Seebens & al. 2017), seit 1866 in Irland (Seebens & al. 2017), seit 1805 in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1990 in Dänemark (Seebens & al. 2017), seit 1944 in Estland (Seebens & al. 2017), in Litauen (Seebens & al. 2017), Polen (Seebens & al. 2017), im nordeuropäischen Russland (Seebens & al. 2017), seit 1817 in Tschechien (Pyšek & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1821 in Belgien (Verloove 2021) und seit 1913 auf Korsika (Seebens & al. 2017).

 
Weitere Art:

Hesperis laciniata

Die Gelapptblättrige Nachtviole, Hesperis laciniata, ist im Mittelmeergebiet von Marokko bis Bulgarien beheimatet.
Sie findet sich unbeständig verschleppt in Großbritannien und im Gebiet 1911 angegeben für den Ludwigshafener Hafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023).
 

Quellen

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R., Reichert H., Bujnoch W., Kottke U. & Caspari S. (2016): Flora der Region Trier – Verl. Michael Weyland, Trier. 1634 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hohla M. (2012): Bromus sitchensis - neu für Österreich, Plantago coronopus – neu für Oberösterreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels – Beiträge zur Flora des Innviertels Stapfia 97: 180–192.

Hohla M. (2014): Hystrix patula – neu für Österreich, sowie weitere Beiträge zur Flora von Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Vorarlberg – Stapfia 101: 83–100.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Spektrum, 874 S.

Jalas J. & Suominen J. (1994): Atlas Florae Europaea 10 – Cruciferae (Sisymbrium to Aubrieta). Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 224 S.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Lüthi R. (2018): Flora des Oberbaselbiets 2012−2015, Östlicher Teil des Kantons Basel-Landschaft, Schweiz, Verlag Basel-Landschaft, 848 S.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Waldburger E., Pavlovic V. & Lauber K. (2003): Flora des Fürstentums Liechtenstein – Haupt-Verlag Bern, 810 S.

Welten M. & R. Sutter (1982): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz, 2 Bände, Birkhäuser Verlag.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.