Heliotropium

Sonnenwende, Raublattgewächs, Boraginaceae

Gattung:

Heliotropium umfasst etwa 240 Arten (Kew 2023) und ist in den tropischen bis gemäßigten Teilen der Erde fast kosmopolitisch verbreitet.
 

Heliotropium suaveolens

Duftende Sonnenwende,
Heliotropium suaveolens
(inkl. H. bocconei)  
Raublattgewächs, Boraginaceae

 

Steckbrief:

Bis 30 cm hohe Einjährige mit eiförmigen, graugrünen Blättern und skorpionsschwanzartigen Blütenständen. Blüten 3−5 mm breit, weiß, in der Mitte gelb, leicht duftend. Reife Frucht hellbraun, 1,5−2 mm lang, behaart. Blütezeit April bis Juni.
 

Heimat:

In 2 Unterarten in Ost- und Südosteuropa und Südwest-Asien von Italien (subsp. bocconei) bis in den Iran.
 

Nutzung:

Keine. Die Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide und ist für Tiere giftig.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
1899 adventiv im Hafen von Mannheim und 1931 bis 1935 auf einem Müllplatz in Wangen in Baden-Württemberg (Hegi 1975, Sebald & al. 1996, Böcker & al. 2017), 1938 auf einem Kehrichtplatz in Bochum in Nordrhein-Westfalen wahrscheinlich mit Südfrüchten eingeschleppt (Jagel 2021) und 1935 bei der Kläranlage Leipzig-Rosental und 1938 in Leipzig-Probstheida in Sachsen (Gutte 2006).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
1917 adventiv für den Güterbahnhof Zürich angegeben (Hegi 1975). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan 1880 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021).
 

 
Weitere Arten:

Heliotropium arborescens

Im nordwestlichen Südamerika ist die Garten-Sonnenwende, Heliotropium arborescens (Syn.: H. corymbosum, H. peruvianum) beheimatet. Sie wurde 1740 von Jussieu nach Europa gebracht und wird in zahlreichen Sorten wie `Mary Fox´ oder `Florence Nightingale´ als Zierpflanze für Blumenkästen, Tröge und Rabatten genutzt. Außerdem findet sie in der Parfümindustrie Anwendung. 
Vereinzelt subspontan, so ehemals in einem Weinberg bei Bietigheim in Baden-Württemberg (Martens & Kemmler 1865, Hand & Thieme 2023), Kamen in Nordrhein-Westfalen (Loos 1997, Hand & Thieme 2023) und Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023)
Subspontan 1933 auch in der Slowakei (Medvecká & al. 2012 sub H. peruvianum). In Australien in South Australia und Victoria lokal invasiv. Die Garten-Sonnenwende zählt in Australien zu den schädlichsten Neophyten, deren Schaden für die Landwirtschaft von 1960 bis 2021 auf eine halbe Milliarde australischer Dollar geschätzt wird (Khan 2021). Durch den Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden ist die Pflanze besonders für Pferde gefährlich.
 

Heliotropium bovei

Im östlichen Mittelmeergebiet von Anatolien bis in den Irak und zur Halbinsel Sinai ist die Bove-Sonnenwende, Heliotropium bovei, beheimatet. Adventiv konnte sie im Gebiet 2018 in Offenburg in Baden-Württemberg (Amarell 2020) gefunden werden. Die Art ist wahrscheinlich zu Ehren des Luxemburger Botaniker und Forschungsreisenden Nicolas Bové (1802−1842) benannt. Bové arbeitete in den 1820er-Jahren am Jardin des plantes in Paris und kam durch Oscar Leclerc-Thouin nach Ägypten in die Gärten von Ibrahim Pascha. Er unternahm Reisen im Vorderen Orient, in Arabien und in Algerien, war ab 1834 an einem Akklimatisationsgarten in Algier und starb dort an Malaria (Burkhardt 2018).
 
 

Heliotropium curassavicum

Auf salzhaltigen Böden von Kanada bis Argentinien ist die Curaçao-Sonnenwende, Heliotropium curassavicum, in 5 Varietäten beheimatet. Sie tritt in großen Teilen der Erde verschleppt bis eingebürgert auf, lokal auch invasiv. In Europa vor allem im Mittelmeergebiet, im Gebiet 1910 eingeschleppt für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023). Subspontan u.a. 1976 auch in Albanien (Seebens & al. 2017) und 1881 in Rumänien (Seebens & al. 2017).
 

Heliotropium dolosum

Die Großfrüchtige Sonnenwende, Heliotropium dolosum, ist von Südost-Europa bis in den Iran beheimatet und wird im Gebiet 1953 adventiv mit Baumwolle eingeschleppt für Atzenbach in Baden-Württemberg (Baumgartner 1975) angegeben. Die Art ist in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angeführt und fehlt auch den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996).
 

 

Heliotropium lasiocarpum

Die Behaartfrüchtige Sonnenwende, Heliotropium lasiocarpum, ist von Südost-Russland und Ägypten bis Nordchina beheimatet und wird im Gebiet 1952 adventiv mit Baumwolle eingeschleppt für Atzenbach in Baden-Württemberg (Baumgartner 1975) angegeben. Die Art ist in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angeführt und fehlt auch den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996).
 

Heliotropium supinum

Vom Mittelmeergebiet bis Indien ist die Niedrige Sonnenwende, Heliotropium supinum, beheimatet. 
Sie wird im Gebiet unbeständig verschleppt 1899 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg angegeben (Höck 1910, Hand & Thieme 2023). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) nicht geführt.
 

Quellen

Amarell U. (2020): Bemerkenswerte Neophytenfunde aus Baden-Württemberg und Nachbargebieten (2012 – 2019). – Ber. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 9: 41-66.

Baumgartner W. (1975): Die Baumwolladventivflora von Atzenbach (Baden BRD) und Issenheim (Elsass Frankreich) – Bauhinia 5/3: 119-129.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018
_teil_1.pdf

Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica  Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 1). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 678 S.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

Jagel A. (2021): Flora von Bochum, eine Zusammenstellung der bisher im Stadtgebiet Bochum heimischen und verwilderten Pflanzen-Sippen. – jagel.nrw/Flora_Bochum_Jagel.pdf.



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Khan J. (2021): Invasive species have cost Australia $390 billion in the past 60 years, study shows - ABC News. Australian Broadcasting Corporation.

Loos G. H. (1997): Neophytische Kulturflüchtlinge im Stadtzentrum von Kamen/Westfalen – Decheniana 150: 5-26.

Martens G. & C.A. Kemmler (1865): Flora von Württemberg und Hohenzollern. 2.Auflage., Tübingen. 844 Seiten.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 5: Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.