Helichrysum

Strohblume, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Helichrysum umfasst, inklusive Laphangium, exklusive Xerochrysum und Anaphalis, etwa 558 Arten (Kew 2023) in Eurasien, Afrika und Australien. Mannigfaltigkeitszentren sind Südafrika und Madagaskar. Die generischen Grenzen der Gattung haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Mehrere Arten sind heute getrennten Gattungen wie Xerochrysum zugeordnet. Andererseits haben molekulare Daten gezeigt, dass verwandte Gattungen wie Anaphalis und Laphangium möglicherweise mit Helichrysum vereint werden sollten (Galbany-Casals & al. 2014, Nie & al. 2016).
 

Helichrysum italicum 

Italienische Strohblume, Currykraut,
Helichrysum italicum  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

Bis 50 cm hoher, reich verzweigter, graufilziger, nach Curry riechender Halbstrauch mit linealischen, am Rand umgerollten Blattspreiten. Blütenstände aus körbchenförmigen Teilblütenbeständen zusammengesetzt. Diese aus gelben Röhrenblüten ohne Zungenblüten bestehend. Blütezeit Juni bis August.
 

Heimat:

In 6 Unterarten im Mittelmeergebiet von Marokko bis Zypern.
 

Nutzung:

Zier- und Duftpflanze, vor allem in Sorten wie `Silbernadel´ oder `Silvery White´ als „Herbstzauber“ für herbstliche Arrangements und als „Currykraut“ für den Gewürzgarten. Aus den Blüten wird ein ätherisches Öl gewonnen, das der Parfümherstellung dient (Mansfeld 1986). Die jungen Laubblätter und Sprossachsen eignen sich zum Würzen von Reis, Saucen und Fleischgerichten.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
Unbeständig, so 1900 angegeben für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hand & Thieme 2023), 2016 in einer Einzelpflanze zwischen den Gleisen am Hauptbahnhof Nürnberg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und angegeben 1910 für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023). Die Fundmeldung für Schleswig-Holstein auf Helgoland (Theisinger & Hebbel 2022) betrifft wahrscheinlich Verwilderungen in Gärten und wird hier deshalb nicht berücksichtigt.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
In der Karte bei Infoflora (2024) für die Kantone Genf und Zürich angegeben, im Text allerdings: „Kommt in der Region nicht vor, wurde jedenfalls bis 2009 nie erwähnt“. Die Art wird in der „Flora des Kantons Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht geführt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

 
Weitere Arten:

Helichrysum indicum

Im tropischen Afrika ist die Cremeweiße Strohblume, Helichrysum indicum (Syn.: Gnaphalium indicum) beheimatet, die mancherorts eingeschleppt auftritt, so etwa in Großbritannien, Indien, im südlichen Afrika, Madagaskar, Haiti und in der Dominikanischen Republik. Im Gebiet wahrscheinlich mit Ölfrüchten eingeschleppt: 1913 für Ürdingen und ebenfalls 1913 für Emmerich in Nordrhein-Westfalen angegeben (Bonte 1930, Hegi 1979, Hand & Thieme 2023). Die Fundmeldungen von 1888 und 1901 aus Mannheim in Baden-Württemberg sind nach Hand & Thieme (2023) falsch. Subspontan u.a. 2008 auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Helichrysum nudiflorum

Die Wegerichblättrige Strohblume, Helichrysum nudiflorum, ist in Afrika weit verbreitet und reicht östlich bis Jemen. Im Gebiet wird sie 1900 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

 

Helichrysum petiolare

Die Lakritz-Strohblume, Helichrysum petiolare, ist ein Halbstrauch aus Südafrika, der seit spätestens 1719 in gärtnerischer Kultur ist und meist einjährig als Blumenkistenzierde oder Ampelpflanze in mehreren Sorten wie `Micro Silver´ oder `Variegata´ kultiviert wird. 
Im Gebiet konnte sie 2007 in der Stadt Salzburg in einem Schotterstreifen am Straßenrand der Gärtnerstraße in Maxglan (Pilsl 2008, Hohla & al. in: Pachschwöll & al. 2025) und 2022 von Michael Hohla in Oberösterreich (Hohla & al. in: Pachschwöll & al. 2025, Glaser & al. 2025) gefunden werden. Nachdem die Art aktuell vermehrt als Zierpflanze genutzt wird, ist auch mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen. Lokal eingebürgert ist sie u.a. seit 1985 in Großbritannien (Stace 2010, Seebens & al. 2017), subspontan seit 1997 in Irland (Seebens & al. 2017), seit 1887 auf Korsika (Seebens & al. 2017) und seit 2008 in Belgien (Verloove 2021).
 

Helichrysum stoechas.

Aus dem Mittelmeergebiet stammt die Glänzende Strohblume, Helichrysum stoechas. Sie wird in der Parfümerie und Aromatherapie als Fixiermittel genutzt, selten auch als Zierpflanze, etwa in der Sorte `White Barn´, kultiviert. 
Subspontan wird sie 1884 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Höck 1910, Hand & Thieme 2023), für Hessen (Hassler & Muer 2022) und für die Waadt (Infoflora 2024) angegeben.
Eine Fundangabe für Bayern wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) als irrig geführt, der Fund für Hessen als fraglich.
 

Helichrysum thianschanicum

Die Tian Shan-Strohblume, Helichrysum thianschanicum, stammt aus den zentralasiatischen Steppengebieten von Kasachstan bis in den äußersten Westen Chinas und wird als Zierstaude vor allem in Steingärten in Sorten wie `Goldkind´ kultiviert. 
Sehr selten tritt sie subspontan auf, so bei Karlsruhe in Baden-Württemberg (Hassler 2021) und 2004 bei Memmelsdorf-Lichteneiche in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024).
Die Pflanze duftet besonders bei Regen nach Suppenwürze (Jelitto & al. 1990). Subspontan 1941 auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Quellen:

Bonte L. (1930): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Verh. D. naturh. Ver. D. preuß. Rheinlande und Westfalens 86: 141−255.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galbany-Casals M., Unwin M., Garcia-Jacas N., Smissen R.D., Susanna A. & Bayer R.J. (2014) Phylogenetic relationships in Helichrysum (Compositae: Gnaphalieae) and related genera: Incongruence implications for generic delimitation. Taxon 63: 608–624.  

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2021): Flora des Landkreises Karlsruhe. Bildatlas und Datenbank. Version 4.16; Stand 13.7.2021

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (1979): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 3). 2.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 366 S.

Höck F. (1910): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, XXVI - Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 26: 391-433.

Hohla M., N. Griebl & P. Pilsl (2025) in: Pachschwöll C., Gilli C. & H. Niklfeld (2025): Floristische Neufunde (509–620) – Neilreichia 15: 127–248.


Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.



Mabberley D.J. (2008): Mabberley's plant-book (3. Auflage). Cambridge University Press, Cambridge: XVIII + 1021 S.

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 3, 569 Seiten, Springer-Verlag.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Nie Z. L., Funk V. A., Meng Y., Deng T., Sun H. & Wen J. (2016) Recent assembly of the global herbaceous flora: evidence from the paper daisies (Asteraceae: Gnaphalieae). New Phytol. 209: 1795–1806.

Pilsl P. (2007): JACQ - Virtual Herbaria

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stace C. (2010) New flora of the British Isles, 3th ed.: XXXII + 1232 p. Cambridge University Press.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.