Gymnocladus

Geweihbaum, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Gymnocladus umfasst etwa 6 Arten (Kew 2023) in Nordamerika und Südostasien. Die Gattung ist nahe mit Gleditsia verwandt.
 

Gymnocladus dioicus 

Kanadischer Geweihbaum,
Gymnocladus dioicus  
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

Bis 35 m hoher, stark verzweigter, sommergrüner, zweihäusiger Baum mit doppelt gefiederten Blättern und 5−9 Blattfiederpaaren 1. Ordnung. Blättchen eiförmig bis elliptisch, vorne zugespitzt, an der Basis leicht herzförmig bis keilförmig. Blütenstand pyramidal, 20−50-blütig. Blüten fünfzählig, sternförmig, duftend. Kronblätter verwachsen, innen weiß, außen grünlich. Frucht eine große, derbe, flache, bis 25 cm lange Hülse mit 3−8 sehr harten, bis 2 cm langen Samen. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Heimat:

Östlichen Nordamerika. Von 1976 bis 1994 Staatsbaum von Kentucky, danach wurde wieder der Tulpenbaum Staatsbaum.
 

Nutzung:

Selten als Straßen- oder Parkbaum kultiviert. Die Art ist stadtklimafest und trockenheitsverträglich (Bruns 2009). Die Samen wurden früher als Kaffee-Ersatz genutzt, weshalb der Baum in Nordamerika als „Kentucky Coffeetree“ bezeichnet wird.
 

Ausbreitung:

Der Kanadische Geweihbaum gilt als Beispiel für evolutionären Anachronismus: Die zähen, ledrigen Samenkapseln sind für viele Tiere zu schwer zu durchkauen und sie sind zu schwer für eine Wind- oder Wasserverbreitung. Es wird daher angenommen, dass der Baum von den inzwischen ausgestorbenen Riesensäugetieren verbreitet wurde, welche die Schoten fraßen und die Samen mit ihren großen Zähnen aufrauten, was die Keimung förderte. Dieses Verhalten wird heute noch bei Afrikanischen Elefanten bei verwandten Pflanzenarten beobachtet. Aus diesem Grund könnte sein prähistorisches Verbreitungsgebiet viel größer gewesen sein als in jetziger Zeit. Gegenwärtig wächst der Geweihbaum am Wildstandort nur in Feuchtgebieten gut. Es wird vermutet, dass nur unter solchen nassen Bedingungen die Samenkapseln verrotten können, um die Keimung in Abwesenheit großer Pflanzenfresser zu ermöglichen (Bronaugh 2010). Allerdings muss der Geweihbaum auch ohne Großsäuger und Feuchtgebiete auskommen, wie die Naturverjüngung im urbanen Bereich Mitteleuropas zeigt. 
Die Art ist vor 1748 in gärtnerische Kultur genommen worden (Bärtels & Schmidt 2014). Im Gebiet ganz vereinzelt subspontan.

 
DEUTSCHLAND:
Heidelberg in Baden-Württemberg (Mazomeit 2017), 2012 im Juliusspital-Park in Würzburg und Himmelstadt in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Hetzel & Meierott 1998, Meierott & al. 2024), in Berlin (Seitz & al. 2012), Hessen (Hand & Thieme 2023) und Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Ehemals Arsenal in Wien (Forstner & Hübl 1971, Adler & Mrkvicka 2003).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. in der Slowakei seit 1984 (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bronaugh W. (2010): The Trees That Miss The Mammoths - American Forests. 115: 38–43.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hetzel G. & Meierott L. (1998): Zur Anthropochorenflora fränkischer Deponiestandorte – Tuexenia 18: 377–415.

 



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2014): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Mazomeit J. (2017): Verwilderungen von Toona sinensis, Tetradium daniellii und Gymnocladus dioicus in Mannheim und an anderen Orten. – Florist. Rundbr. 50: 175 – 182.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.