Grindelia

Gummikraut, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Grindelia umfasst etwa 62 amerikanische Arten (Kew 2023) mit Mannigfaltigkeitszentren in Südamerika und Mexiko.
 

Grindelia squarrosa 

Sparriges Gummikraut,
Grindelia squarrosa 
Korbblütler, Asteraceae
 

Steckbrief:

12–40 cm hohe Zweijährige ohne Grundblattrosette und lanzettlichen bis ei-lanzettlichen, gekerbten bis gesägten, drüsig-harzigen Blättern und auffallend linealischen, nach außen gekrümmten, mehrreihig angeordneten, harzigen Hüllblättern. Hülle 0,8–2 cm im Ø, Blütenkörbe 2,5−3,5 cm breit. Blütenkörbe mit 12−40 gelben, 0,8–1,4 cm langen Zungenblüten. Achänen weiß, mit Granne und Pappus. Blütezeit Juli bis September, Samenreife September bis Oktober.

Verwechslungsmöglichkeit: Die ähnliche, oft nicht abgetrennte Grindelia hirsutula ist eine 60 bis 80 cm hohe, kräftige Pflanze mit einer Grundblattrosette und großen, breiten, fleischigen, scharf gesägten bis gezähnten Blättern. Blütenköpfe 2,5 bis 6 cm im Durchmesser, mit 15-60 Strahlblüten, Samen braun, im August reifend. Die Pflanzen sind mehrjährig und blühen frühestens im 2. Jahr. 

Anmerkung: Da Grindelia hirsutula oft nicht von G. squarrosa abgetrennt wird bzw. wurde muss offen bleiben, ob nicht ein Teil der Fundmeldungen von G. squarrosa tatsächlich zu G. hirsutula gehört (siehe dazu etwa Weiss 2023 oder Fischer & al. 2023).

Name:

Benannt zu Ehren des deutsch-lettischen Arztes, Apothekers und Botanikers David Hieronymus Grindel (1776–1836), der vor allem zu pharmazeutischen und chemischen Themen publizierte. Grindel war Professor der Chemie und Pharmazie in Dorpat, gründete 1803 die chemisch-pharmazeutische Gesellschaft Russlands und gab das russische Jahrbuch für Pharmazie heraus (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Arzneipflanze, selten auch als Zierpflanze für Naturgärten. In der Volksheilkunde wird die Pflanze vor allem zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen der Atemwege in Form von Tee und ethanolischen Auszügen verwendet (Krumbiegel 2018). Die Art speichert Selen und kann dann für Säugetiere giftig sein (Moore 2012). Sie wird aufgrund ihres hohen Gehalts an Mono- und Di-Terpenen, die in Kraftstoff verwandelt werden können, als potentielle Biokraftstoffquelle erforscht. Die Anpassung der Pflanze an trockene Klimazonen macht sie zu einer attraktiven Option, da ihr Anbau in Wüstengebieten nicht mit traditionellen Nahrungspflanzen konkurriert (Neupane & al. 2011).
 

Ausbreitung:

Im 18. Jahrhundert war die Pflanze in ihrer nordamerikanischen Heimat als Wundheilmittel weit verbreitet. Spätestens 1811 erreichte sie Europa (Jäger & al. 2008). Durch Verwilderungen von Anpflanzungen als Arzneipflanze und Begrünungsansaaten verbreitete sich das Sparrige Gummikraut auch im Gebiet, wo sie gegenwärtig selten und unbeständig auftritt.
DEUTSCHLAND: 
In den 1990er-Jahren mehrfach aus Ansalbung in Kiesgruben und Steinbrüchen des Mittleren Maintals um Würzburg in Bayern, weiters 1999 in einer ehemaligen Sandgrube bei Himmelstadt und 1999 in einem Muschelkalksteinbruch bei Sommerhausen (Fürnrohr 2011, Meierott 2008, Meierott & al. 2024), in Brandenburg (Hand & Thieme 2023), 2011 am Gelände der Wollkämmerei Bremen-Blumenthal (Feder 2022), 2018 in Hamburg (Feder 2022), in Schwerin-Buchholz und Neu Mukran auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), ehemals in Osnabrück in Niedersachsen (Wagenitz 1979, Hand & Thieme 2023), Homberg bei Duisburg, Hafen Deutz in Köln, Sterkrade und Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen (Wagenitz 1979, Hand & Thieme 2023), Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Wagenitz 1979, Hand & Thieme 2023), Bahnhof Leipzig-Leutzsch, westlich des neuen Personenbahnhofs in  Leipzig-Plagwitz und im Westteil der Kiesgruben bei Schkeuditz-Kleinliebenau in Sachsen (Krumbiegel 2018, Weiss 2023), Halle, Wolfen, Bahnhof Dieskau/Zwintschönau, Bahnhof Gröbers, Bahnhof Angersdorf, Merseburg, Blösnien, Bitterfeld und 2020 bei Teuchern in Sachsen-Anhalt (Wölfel 2013, Krumbiegel 2018, John & Stolle 2021) und Thüringen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: 
Spittal an der Drau in Kärnten (Leute 1973, Glaser & al. 2025) und 1952 am Grazer Ostbahnhof in der Steiermark (Melzer 1954, Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. in Belgien (Verloove 2021, Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), Irland (Seebens & al. 2017), Estland (Seebens & al. 2017), seit 1960 in Lettland (Seebens & al. 2017), seit 1946 in Litauen (Seebens & al. 2017), seit 1998 in Rumänien (Seebens & al. 2017), seit 2009 in Bulgarien (Seebens & al. 2017), seit 1976 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017), seit 1949 in der Ukraine (Seebens & al. 2017) und seit 1992 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012). In Osteuropa, so Rumänien und der Ukraine, in zunehmender Ausbreitung (Verloove 2021).
 

 
Weitere Arten:

Grindelia decumbens

Aus dem zentralen südlichen Nordamerika stammt das Niedere Gummikraut, Grindelia decumbens, das im Gebiet vorübergehend für Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023), 1906, 1916 und 1917 für Basel und 1917 für den Bahnhof Tiefenbrunnen in Zürich eingeschleppt (Wagenitz 1979) angegeben wird.
 

Grindelia hirsutula

Im westlichen Nordamerika ist das Oregon-Gummikraut, Grindelia hirsutula (Syn.: G. oregana, G. robusta) beheimatet. 
Im Gebiet angegeben 2005 gartenflüchtig nahe dem Botanischen Garten Bayreuth in Bayern (Hetzel 2006, Hand & Thieme 2023), auf den Bahnhöfen Leipzig-Plagwitz, Leipzig-Rückmarsdorf, Leipzig-Engelsdorf, Schkeuditz und Markkleeberg-Großstädteln (Weiss 2023)
und 1929 aus Kulturen in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt (Fiedler 1936) verwildert. Interessant ist eine Bemerkung in Fiedler (1938) unter Chenopodium ambrosioides. Er spricht hier von der Teefabrik Caesar und Loretz und schreibt: „Hier fand Bernau auch Ch. botrys sowie Grindelia robusta und Gr. squarrosa“. Das heißt, dass bereits um 1938 das Vorkommen von zwei Sippen bekannt war. Im Herbarium der Universität Leipzig befindet sich ein Beleg von G. „robusta“ ohne nähere Fundortangabe, gesammelt von K. Bernau mit dem Vermerk „verwildert aus Kulturen der Tee-Fabrik Caesar und Loretz (Krumbiegel 2018, Weiss 2023)Die Bestimmung des bayrischen Fundes ist nicht sicher (Meierott & al. 2024 sub. G. oregana)
Subspontan u.a. auch in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Quellen

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Feder J. (2022): Der Segen der Einwanderer. Neophyten, unsere pflanzlichen Neubürger und was sie für unser Ökosystem bedeuten. Gräfe und Unzer, München.

Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

Fiedler O. (1938): Neue Fremdpflanzen an der Leipziger Wollkämmerei und an den Städtischen Kläranlagen im Leipziger Rosentale. Sitz.-Ber. naturforsch. Ges. Leipzig 63/64: 189-219.

Fischer J., E. Eisenhuth, P. Gutte & V. Weiss (2023): Floristische Neufunde in Nordwest-Sachsen aus den Jahren 2021 und 2022. Sächsische Floristische Mitteilungen 25: 47-75.


FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Fürnrohr F. (2002): Bemerkenswerte Pflanzenfunde im Regnitzgebiet seit 2002 – Mitteilungen des Vereins zur Erforschung der Flora des Regnitzgebietes Band 4: 63–67).

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


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