Glycyrrhiza

Süßholz, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Glycyrrhiza umfasst etwa 17 Arten (Kew 2023) und ist in Eurasien, Amerika, Australien und Nordwest-Afrika beheimatet. Mannigfaltigkeitsregionen sind Zentral- und Südasien.
 

Glycyrrhiza glabra  

Echtes Süßholz,
Glycyrrhiza glabra  
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

60–150 cm hohe, verzweigte, krautige Mehrjährige mit unpaarig gefiederten Blättern und 9–17 elliptischen bis ovalen Blättchen. Blütenstände in kurzen, aufrechten Ähren in den Achseln der Blätter. Tragblatt länger als der Blütenstand. Blüten 8–12 mm lang, blassviolett. Kelch mit weißen Drüsen besetzt, Kelchzähne länger als die Kelchröhre. Blütezeit Juni bis August.
 

Nutzung:

Arzneipflanze und zur Herstellung von Lakritze.
 

Ausbreitung:

Die medizinische Wirkung der Süßholzwurzeln war schon im Altertum bekannt. Bereits die Ägypter der Antike schätzten Lakritze. Im Gebiet wurde mit der Süßholzkultur im 15. Jahrhundert im Bamberger Raum begonnen. Die Pflanze wurde hier, wie auch in Thüringen, wegen ihrer zuckerhaltigen Wurzeln zur Gewinnung der Lakritze in größerem Umfang gebaut (Hiller & Melzig 2003). Durch Fortschritte in der Rübenzuckergewinnung ging der Anbau um 1850 zurück und kam um etwa 1900 fast zum Erliegen. Dementsprechend selten sind gegenwärtig Vorkommen im Gebiet, etabliert hingegen bei Peenemünde in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005). Heute sind die Hauptanbaugebiete Spanien, Italien, Türkei, Syrien und Russland.
 
DEUTSCHLAND: 
Sehr selten, so 1883 und 1888 am Neckar bei Heidelberg in Baden-Württemberg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), 2005 in Gundelsheim in der Hallstadter Straße und früher mehrfach in Bamberg in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024), Friesack im Odertal in Brandenburg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), 1935 und 1951 am Hauptbahnhof Hamburg-Harburg und 1935 im Hafen Hamburg-Harburg (Meyer 1955), an einem Waldrand bei Peenemünde in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahrzehnten (Fukarek & Henker 2005) und Herrenkrug Magdeburg in Sachsen-Anhalt (Nickolmann & Walther 1994).
ÖSTERREICH: 
2001 bei Altlichtenwarth in Niederösterreich (Essl & Rabitsch 2002, Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: 
Sehr vereinzelt, so bei Locarno und Prato im Tessin und ehemals auf den Burghügeln von Sitten im Wallis (Infoflora 2024, Hegi 1975).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und 1867 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Glycyrrhiza echinata

Sehr selten tritt im Gebiet auch das vom östlichen Mittelmeergebiet bis Ostasien beheimatete Römische Süßholz, Glycyrrhiza echinata, subspontan auf. 
So angegeben 1960 und 1962 bei der Kläranlage Leipzig-Rosental in Sachsen (Gutte 2006)
Die Laubblätter der Art sind 5–20 cm lang, gestielt, unpaarig gefiedert mit 9–17 elliptischen bis länglich-ovalen, 2–5 cm langen, etwas drüsig-klebrigen Fiederblättern. Die Blütentrauben sind vielblütig und kugelig, da die Einzelblüten ohne oder mit kurzem Blütenstiel gedrängt stehen. Die Blütenkelche sind flaumig behaart und drüsig.
 

Glycyrrhiza foetida

Das Stinkende Süßholz, Glycyrrhiza foetida, ist in Marokko, Algerien, Tunesien und im südlichen Spanien beheimatet und wird im Gebiet 1891 für einen Weinberg bei Königsbach in Rheinland-Pfalz angegeben (Vollmann 1914, Hegi 1975, Hand & Thieme 2023).
 

Quellen

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

HANDSCHUH G. 1988: Die Geschichte des Bamberger Süßholzanbaus. – In: Festschrf. 125jähr. Jubiläum Oberer Gärtnerverein Bamberg: 107-127.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 4 (Teil 3). 2.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 1114–1750. HILLER K. & MELZIG M. F. (2003): Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. – Berlin, Heidelberg: Spektrum.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

 



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Meyer H. (1955): Zur Adventivflora von Harburg, Wilhelmsburg und Umgebung – Harburg, Jahrb. 5: 96−128.

Nickolmann S. & D. Walther (2004): Beiträge zur aktuellen Stadtvegetation von Magdeburg. Floristische Beobachtungen von 1993–2003 – Museum für Naturkunde Magdeburg, Abhandlungen und Berichte für Naturkunde 27(1): 6-128.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.