Glycine

Soja, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Glycine umfasst etwa 25 Arten (Kew 2023) mit Mannigfaltigkeitszentrum in Australien.
 

Glycine max

Soja, Sojabohne,
Glycine max
(Syn.: Glycine soja)
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

Bis 70 cm hohe Einjährige mit dicht behaartem Stängel und lang gestielten, dreiteiligen Blättern mit großen, unterseits behaarten, eiförmigen Blättchen. Blüten klein, sitzend, je nach Sorte violett oder weiß. Kelch in 2 Lippen geteilt, diese aus 2 bzw. 3 ungleichen Kelchzähnen. Fruchthülsen 25–60 mm lang, bräunlich behaart, hängend, reif strohgelb, grau oder schwarz, mit 2–5 kugeligen,
ei- bis nierenförmigen Samen. Blütezeit Juni bis August.

 

Heimat:

In ihrer Stammsippe Glycine soja in Ostasien beheimatet.
 

Nutzung:

Zurzeit weltweit die wichtigste Ölpflanze. Soja enthält hochwertiges Eiweiß, Kalium, Magnesium und Vitamine. Das Sojaöl ist reich an essenziellen Aminosäuren. Die Samen enthalten etwa 19 % hochwertiges Öl, davon etwa die Hälfte der Omega-6-Fettsäure Linolsäure und 2−11% der ernährungsphysiologisch wichtigen Omega-3-Fettsäure Linolensäure. Es wird im Lebensmittelbereich in erster Linie als Salat- und Kochöl, sowie Brat- und Backfett genutzt. Tofu, Sojamilch und Sojasauce sind die wichtigsten Produkte. In der Pharmazie findet das gereinigte Sojaöl Anwendung. Sojalecithin, ein Nebenprodukt bei der Ölgewinnung, dient als Lösungsvermittler zwischen wasser- und fettlöslichen Verbindungen und wird in der Lebensmittelindustrie und zur Herstellung von Salben genutzt (Schönfelder & Schönfelder 2011). Weiters wird aus Sojaöl Biotreibstoff, Anstrichfarbe, Spachtelmasse, Druckfarbe und kosmetische Produkte gewonnen. Sojamehl hingegen wird in erster Linie als Viehfutter verwendet. 80 % der weltweiten Sojaernte dienen als Futtermittel für Tiere, 2–5 % der weltweiten Sojaernte werden vom Menschen direkt konsumiert.
Die symbiotischen Knöllchenbakterien können bis zu 100 kg Stickstoff je Hektar und Vegetationsperiode binden (Düll & Kutzelnigg 2022). Die sogenannten „Sojasprosse“ des Handels stammen überwiegend von der Mungbohne Vigna radiata (Düll & Kutzelnigg 2022).

 

Ausbreitung:

Die Art ist nur aus Kultur bekannt, sie stammt von der Wildform Glycine soja ab. Die ältesten Hinweise für eine Nutzung nichtdomestizierter, kleiner Soja-Samen durch den Menschen stammen aus Nordchina von etwa 7000 v.Chr. und Japan von etwa 5000 v.Chr. Die Domestikation erfolgte in Japan um 3000 v. Chr., in China und Korea spätestens um 1500 v. Chr. (Gyoung-Ah 2011).
Für die westliche Welt entdeckte der deutsche Japan-Forscher Engelbert Kaempfer (1651−1716) 1691 die Pflanze. 1737 wuchs sie auf europäischem Boden. 1765 erreichte sie durch Samuel Bowen Nordamerika. Erste Anbauschwierigkeiten gab es u.a. dadurch, weil das spezifische Stickstoffbakterium außerhalb Ostasiens fehlte. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Soja vor allem industriell, etwa zur Farben- und Firnisherstellung genutzt. So etwa ließ Henry Ford Sojamehl zu Plastik verarbeiten, welches er in der Autoproduktion einsetzte. In Mitteleuropa wurde das Interesse an Soja unter anderem durch den Wiener Wissenschaftler Friedrich Haberlandt (1826−1878) geweckt, der auf der Wiener Weltausstellung Samen von 19 Sojabohnensorten erhielt und damit begann, an der Pflanze zu forschen. Die wissenschaftliche Arbeit endete 1878 in seinem Hauptwerk „Die Sojabohne“.
Der Anbau erfolgt heute fast weltweit. Die Sojabohne wird gegenwärtig auf etwa 6 % der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut und ist die weltweit wichtigste Ölsaat. Ihre zunehmende Bedeutung in der Landwirtschaft widerspiegelt sich auch in der Produktion. 1960 wurden weltweit 17 Mio. Tonnen Soja produziert, 2012 waren es 242 Mio. Tonnen und 2018 bereits 348 Mio. Tonnen (FAO 2021). Trotz der häufigen Kultur im Gebiet sind subspontane Funde nur selten und vorübergehend.
DEUTSCHLAND:
Unbeständig und vereinzelt in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023), bei Kimmelsbach, im Dürrfelder Wald, in Buchloe und Sulzschneid in Bayern (Meierott 2008, Dörr & Lippert 2004), Harburg in Hamburg (Meyer 1955, Jehlik 1981, Hand & Thieme 2023), Wismar in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023), Dresden-Dobritz in Sachsen (Hardtke & al. 2013) und Sachsen-Anhalt (Floraweb 2013).
ÖSTERREICH:
Stopfenreuth, Zwentendorf und 2025 Wienersdorf in Niederösterreich (Drescher 1988, Bernhardt & al. 2013, Sauberer & al. 2025), 2020 bei Höhnhart, 2005 bei Aspach, 2020 in Moosham und Leonding in Oberösterreich (Hohla 2006, Hohla 2022) und in Osttirol (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2005 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Vereinzelt, so mehrfach unbeständig im Rheinhafen Basel-Kleinhüningen (Baumgartner 1973, Baumgartner 1985), in den Kantonen Bern, Genf, Jura, Luzern, Tessin, Wallis, Zug (Infoflora 2024) und am Güterbahnhof in Zürich (Landolt 2001). Im Kanton Zürich weiters in Wädenswil, Andelfingen und in Winkel (Wohlgemuth & al. 2020). Inwieweit es sich bei den Fundangaben in Infoflora (2024) um subspontane oder kultivierte Pflanzen handelt, ist mir nicht bekannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1958 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1984 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Baumgartner W. (1973): Die Adventivflora des Rheinhafens Basel-Kleinhüningen in den Jahren 1950-1971 - Bauhinia 5: 21-27.

Baumgartner W. (1985): Die Adventivflora des Rheinhafens Basel-Kleinhüningen in den Jahren 1972-1984 - Bauhinia 8/2: 79-87.

Bernhardt K.G., Naumer-Bernhardt E., Oschat M.-L., Stoeckl N. & Wernisch M. (2013): Floristische Inventarisierung als Beitrag zur Erfassung regionaler Phytodiversität am Beispiel der Gemeinde Zwentendorf an der Donau (Bezirk Tulln, Niederösterreich) - Wiss. Mitt. Niederösterr. Landesmuseum 24: 127-172.

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

Drescher A. (1988): Virtual Herbaria JACQ – Glycine max – https://herbarium.univie.ac.at

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

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FloraWeb (2013): Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands—http://www.floraweb.de/.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gyoung-Ah L. (2011): Archaeological Soybean (Glycine max) in East Asia: Does Size Matter? - PLoS ONE. Band 6, Nr. 11.

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Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 4 (Teil 3). 2.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 1114–1750.



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Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

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