Gleditsia

Gleditschie, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Gleditsia umfasst etwa 12 Arten (Kew 2023) in Amerika und Asien mit Mannigfaltigkeitszentrum in Ost-China.
 

Gleditsia triacanthos  

Amerikanische Gleditschie,
Gleditsia triacanthos  
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

Bis 25 m hoher, sommergrüner Baum, an Stamm und Ästen mit bis zu 5 cm langen, glänzend-rotbraunen Dornen, diese oft mit Nebendornen. Blätter 1–2-fach gefiedert, Blättchen 14–32, lanzettlich, 1–2 cm lang, undeutlich gezähnt, meist stachelspitzig. Blüten in 4–5 cm langen, dichten Trauben in den Blattwinkeln. Kronblätter 3–5, grünlich, 2–3 mm lang. Frucht bandförmig, oft schraubig gewunden, 8–40 cm lang und 2–4 cm breit, reif braunrot, vielsamig. Blütezeit Mai.
 

 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des deutschen Botanikers und Arztes Johann Gottlieb Gleditsch (1714–1786) benannt. Gleditsch praktizierte in Leipzig, war ab 1746 Professor der Medizin und Direktor des Botanischen Gartens in Berlin-Schöneberg und ab 1770 Professor für Forstbotanik an der Forstlehranstalt in Berlin. Er schrieb zu Arzneipflanzen, Bienenbestand, Bodenbeschaffenheit in der Mark Brandenburg und in 'Experimentum Berolinense' zur Befruchtung einer Dattelpalme, die im Botanischen Garten Berlin stand und aus damals unerklärlichen Grünen noch nie Früchte hervorbrachte. Gleditsch ließ im April 1749 aus seiner Heimatstadt Leipzig aus dem dortigen Botanischen Garten den blühenden Zweig einer männlichen Dattelpalme nach Berlin bringen. Hiermit bestäubte er die Blüten der weiblichen Palme, die wenige Monate später erstmals reiche Frucht trug. Mit diesem Versuch wies er die zweigeschlechtliche Vermehrung der Pflanzen nach (Burkhardt 2018). In Berlin-Schöneberg trägt die Gleditschstraße seinen Namen, genauso wie die botanische Zeitschrift „Gleditschia“.
 

Nutzung:

Zier- und Straßenbaum, vor allem in unbewehrten Sorten wie `Elegantissima´ (um 1880), eine weibliche Sorte, `Imperial´ (1957), weiblich, `Moraine´ (vor 1937), männlich, oder `Sunburst´ (1954) mit gelbem Laubaustrieb und gelber Herbstfärbung (Bärtels & Schmidt 2014). Die Art ist stadtklimafest, strahlungsfest, trockenresistent, widerstandsfähig gegenüber Luftverschmutzung, überschwemmungstolerant und salztolerant, ihr Holz windbruchgefährdet (Bruns 2009). Das Fruchtfleisch der Schoten ist essbar, die Samen können wie Linsen zubereitet oder gemahlen als Mehl für Gemüsesuppen oder geröstet als Kaffeeersatz verwendet werden (Hegi 1975).
 

Ausbreitung:

Beheimatet im östlichen Nordamerika und um das Jahr 1700 als Zierbaum in Europa eingeführt (Hegi 1924), im Gebiet seit etwa 1770 in Kultur (Kowarik 1992). Subspontan im Gebiet 1956 erstmals in Deutschland und 1960 in Österreich festgehalten. Gegenwärtig in wärmeren Regionen vereinzelt subspontan auftretend.
DEUTSCHLAND:
Erste subspontane Vorkommen sind 1956 bei der Ostheimer Mittelschule Stuttgart in Baden-Württemberg (Pleines 2004) und 1958 in Großräschen-Wormlage in Brandenburg nachgewiesen (Kowarik 1992), weiters u.a. 2013 in Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014), 2009 am Baggersee in Hirschhaid, Marienhöhe Nördlingen, Günzburg und 2002 in der Starkenfelderstraße im bayerischen Bamberg (Adler & al. 2017, Meierott 2008, Meierott & al. 2024), 2009 in Rüdesheim in Hessen (Gregor & al. 2012), 2009 verwildert im Botanischen Garten Braunschweig in Niedersachsen (Brandes & Nitzsche 2013), Siegburg, Bonn, Köln-Vogelsang, Köln-Mülheim, Bochum und 2021 Duisburg-Dellviertel in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015, BBV 2013, BBV 2021, BBV 2022), Bingen, Friesenheim und Mundenheim in Rheinland-Pfalz (Gorissen 2019, Mazomeit 2005), Leipzig in Sachsen (Krusche 2006) und Halle in Sachsen-Anhalt (Kästner 2001).
ÖSTERREICH:
2006 bei Oggau, 2019 in Neusiedl am See, 2023 bei Gols und 2020 in Frauenkirchen im Burgenland (Gilli & al. 2022, Essl & al. in: Pachschwöll & al. 2025), Oeynhausen, Gänserndorf, Spitz a.d. Donau, Wölbling und Schlosspark Laxenburg in Niederösterreich (Till 2013, Essl 2006, Sauberer & al. 2025), Liefering in Salzburg (Stöhr & al. 2007) und fünf weitere Funde in der Stadt Salzburg (Pilsl 2017), Steiermark (Fischer & al. 2008), Lienz in Osttirol (Stöhr 2019), Alberner Hafen, Linzer Straße, Modecenterstraße, HTL Ottakring, am Donaukanal bei der Friedensbrücke und der Weißgerberlände sowie bei der Hadikgasse und beim Auer-Welsbach-Park in Wien (Essl 2005, Essl 2006, Baldinger 2017). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025). Bei einer Fundmeldung von einem Waldrand bei Mörschwang in Oberösterreich aus dem Jahr 2005 (Hohla 2005) geht nicht klar hervor, ob es sich um subspontane oder kultivierte Pflanzen handelte .
SCHWEIZ: 
U.a. in den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Genf, Neuenburg, Tessin, Uri, Waadt und Wallis (Hegi 1975, Infoflora 2024). In Infoflora (2024): „Im Süden gelegentlich verwildert“. Im Kanton Zürich 2011 subspontan bei Zweidlen und 2016 beim Römertor Oberwinterthur (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1959 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 2008 in Tschechien (Pyšek & al. 2012), seit 1937 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012), seit 1980 auf Korsika (Seebens & al. 2017), seit 1968 in Portugal (Seebens & al. 2017), seit 1948 in Spanien (Seebens & al. 2017) und seit 1956 in Rumänien (Seebens & al. 2017). In Australien lokal invasiv (CABI 2021).
 

 
Weitere Art:

Gleditsia sinensis

Aufgrund ihrer bemerkenswerten Früchte wird gelegentlich auch die aus China stammende Chinesische Gleditschie, Gleditsia sinensis, kultiviert. 
Die Art ist seit etwa 1774 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014).
Im Gebiet 2011 in der Wilhelma in Stuttgart in Baden-Württemberg subspontan gefunden worden (Böcker & al. 2017, Hand & Thieme 2024).
 

 

Quellen

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