Galinsoga

Knopfkraut, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Galinsoga umfasst etwa 12 amerikanische Arten (Kew 2022) mit Mannigfaltigkeitszentren in Mexiko und Peru.
 

Galinsoga parviflora 

Kleinkörbiges Knopfkraut,
Galinsoga parviflora 
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

10–60 cm hohe Einjährige mit kahlen bis spärlich behaarten Stängeln. Korbstiele anliegend behaart, ohne oder nur mit wenigen Drüsenhaaren. Blätter nur am Rand und unterseits auf den Nerven behaart, sonst fast kahl. Ø der Blütenkörbe höchstens 5 mm, Zungenblüten halb so lang oder weniger als halb so lang wie der Ø der Scheibe. Hüllblätter gegen die Spitze bewimpert, sonst kahl. Blütezeit Juni bis November.
Verwechslungsmöglichkeit: Das Zottige Knopfkraut, Galinsoga quadriradiata, hat dicht behaarte Stängel, zahlreiche Drüsenhaare an den Korbstielen und die Zungenblüten sind mindestens halb so lang wie der Ø der Scheibe.
 

Name:

Der Gattungsname ehrt den Spanier Ignacio Mariano Martinez de Galinsoga (1756–1797). De Galinsoga war Leibarzt der spanischen Königin Maria Luisa von Parma und Gründer und Direktor des Botanischen Gartens von Madrid. Er schrieb u.a. ein Buch über die Gesundheitsgefahren, die mit dem Tragen von Korsetts verbunden sind, und wies auf das Fehlen solcher Gesundheitsprobleme bei Bäuerinnen hin.
Der geläufige Name „Franzosenkraut“ geht auf den Budower Prediger und Botaniker G. Homann 1830 zurück, der die Nachricht erhielt, die Pflanze sei bei Osterode nach der Invasion durch die Franzosen aufgetreten. Andere Quellen nennen als Namensherkunft die Napoleonischen Kriege, in denen sie sich über ganz Deutschland ausbreitete (Wohlgemuth & al. 2020).

 

Nutzung:

Keine, vereinzelt aber als Wildgewürz und Wildgemüse verwendet. Knopfkräuter enthalten Eisen, Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine und haben eine blutdrucksenkende Wirkung (Wohlgemuth & al. 2020). In ihrer Heimat ist Knopfkraut als „Guasca“ das charakteristische Gewürz für Hühnersuppe. Die Pflanze liefert einen wertvollen Kompost.
 

 

Ausbreitung:

Beheimatet in Süd- und Mittelamerika. Möglicherweise ist die Art aber auch nur in Zentral-Mexiko ursprünglich und die Vorkommen in Südamerika sind synanthroper Natur (Meusel & Jäger 1991). In Europa 1785 erstmals im Botanischen Garten in Paris kultiviert, bald darauf auch in Madrid und in anderen Botanischen Gärten. Erste Verwilderungen sind seit Anfang des 19. Jahrhunderts angegeben, so 1804 vom bayrischen Landshut (Lippert & Meierott 2014). In Pommern seit 1807 bekannt, wo sie G. Homann, Prediger und Botaniker in Budow, im Pfarrgarten aussäte. Bereits wenige Jahre danach war sie in der gesamten Umgebung häufig zu finden (Ascherson 1892). Um das Jahr 1850 im Gebiet bereits flächig vertreten (Wagenitz 1979). Die Hauptausbreitungszeit in Europa war in den Jahren 1804–1890 (Jäger 1988). In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist regional ein Rückgang erkennbar.
DEUTSCHLAND: 
Erstmals 1802 subspontan aufgetreten, in Bayern erstmals 1804 bei Landshut und 1814 in Mainfranken aufgefunden (Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024). Gegenwärtig in allen Bundesländern verbreitet.
ÖSTERREICH:
Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1810 bzw. 1790 (Glaser & al. 2025, Seebens & al. 2017). 1850 in Wien, 1860 in Graz und 1866 in St. Paul im Lavanttal festgestellt (Wagenitz 1979). Gegenwärtig in allen Bundesländern etabliert (Glaser & al. 2025).                              
SCHWEIZ: 
Erstmals 1854 im Tessin gefunden, 1867 dann im Misox. Im Kanton Zürich erstmals 1902 in der Stadt Zürich gemeldet. Möglicherweise verwilderte sie vom alten Botanischen Garten aus, was ein früher Fund beim Bahnhof Selnau nahelegt (Wohlgemuth & al. 2020). Gegenwärtig in tiefen Lagen verbreitet, vielerorts aber auch zurückgegangen (Welten & Sutter 1982, Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1863 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), seit 1968 in Irland (Seebens & al. 2017), seit 1861 in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1839 in Lettland (Seebens & al. 2017), seit 1828 in Litauen (Seebens & al. 2017), seit 1943 in Bulgarien (Seebens & al. 2017), seit 1831 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017), in Italien (Galasso & al. 2024),seit 1880 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1853 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Art:

Galinsoga quadriradiata

Süd- und mittelamerikanisch ist das Zottige Knopfkraut, Galinsoga quadriradiata (Syn.: G. ciliata) das etwas später als das Kleinkörbige Knopfkraut nach Europa kam und seine Hauptausbreitung in den Jahren 1853–1930 (Jäger 1988) hatte. 
Gegenwärtig kommt es fast im gesamten Gebiet häufig vor. Besonders häufig ist es in Gärten, Gärtnereien und Baumschulen, aber auch in landwirtschaftlichen Kulturen wie Kürbis, Zuckerrüben, Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln, Kohl, Knoblauch und Erdbeeren (CABI 2021)
Der Erstnachweis für Bayern erfolgte in den 1890er-Jahren in Würzburg (Meierott & al. 2024). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1900 (Glaser & al. 2025). Im Kanton Zürich um 1917 erstmals beim Vorbahnhof und dem Belvoirareal erwähnt (Wohlgemuth & al. 2020)
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1950 in Bulgarien (Seebens & al. 2017), seit 1946 in der Ukraine (Seebens & al. 2017), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1901 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1936 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

Quellen

Ascherson P. (1892): Zur Geschichte der Einwanderung von Galinsoga parviflora – Österr. Bot. Zeitschrift XLII 12: 32.

CABI (2021): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jäger E.J. (1988): Möglichkeiten zur Prognose synanthroper Pflanzenausbreitungen – Flora 180: 101–131, Jena.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.



Ludwig W. (1993): Zur Ausbreitung von Galinsoga parviflora Cav. und Galinsoga quadriradiata Ruiz & Pavon in Hessen – Bericht der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde – 55: 25 - 52.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Meusel, H. &  Jäger, E. (1992): Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Band III. Karten. Fischer-Verlag, Jena.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 6: Valerianaceae bis Asteraceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Wagenitz G. (1979): In: Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 3), 2.Auflage – Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg. 366 S.

Welten M. & R. Sutter (1982): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz, 2 Bände, Birkhäuser Verlag.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.