Galega

Geißraute, Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Gattung:

Gelega umfasst etwa 8 Arten (Kew 2023) in Europa, Südwest-Asien, Ostafrika und Marokko.
 

Galega officinalis

Echte Geißraute,
Galega officinalis (inkl. G. bicolor)  
Hülsenfrüchtler, Fabaceae

 

Steckbrief:

40–120 cm hohe Mehrjährige mit leicht duftenden Blüten. Stängel spärlich behaart, hohl. Blätter gefiedert, rankenlos, mit 7–19 Blättchen, diese lanzettlich bis eiförmig, 15–40 mm lang, 7–15 mm breit, begrannt, Nebenblätter pfeilförmig. Blütenstand traubig, lang gestielt. Kelchröhre glockig, so lang wie die Zähne. Krone helllila, ca. 12 mm lang. Hülsen kahl, aufrecht bis abstehend. Blütezeit Juni bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Kaukasische Geißraute, Galega orientalis, hat blauviolette Kronen und eiförmige bis rundliche Nebenblätter.
 

Nutzung:

Arznei- und Zierpflanze. Andererseits beinhaltet sie auch Stoffe, die auf Mensch und Nutztiere toxisch wirken (Wohlgemuth & al. 2020). G. officinalis wurde 1901 in der Gärtnerei Hartland im irischen Cock mit G. orientalis gekreuzt. Es entstand Galega ×hartlandii, von der mehrere Ziersorten wie `His Majesty´ oder `Lady Wilson´ im Pflanzenhandel sind. Auch als Futterpflanze wird G. officinalis angegeben, was aber aufgrund ihrer Giftigkeit fraglich erscheint (CABI 2021).
 

Ausbreitung: 

Beheimatet im orientalischen Steppengebiet und seit spätestens dem 16. Jahrhundert im Gebiet zu Heilzwecken wie etwa gegen Diabetes kultiviert, wo sie erstmals Conrad Gessner (1516−1567) erwähnt. Um das Jahr 1600 wurde sie bereits in vielen deutschen Gärten als Arzneipflanze kultiviert. Gegenwärtig u.a. für Ansaaten an Straßenböschungen genutzt und vielerorts verwildert bis eingebürgert mit Verbreitungsschwerpunkten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und im pannonischen Gebiet Österreichs.
 
1891 wurde die Art in die USA als Futterpflanze eingeführt. Als man bemerkte, dass die Pflanze für Pferde und Rinder giftig ist, wurde versucht, die Bestände zu vernichten. Allerdings war die Geißraute bereits zu weit verbreitet und tritt heute eingebürgert in Washington, Maine, Massachusetts, Connecticut, New York und Utah auf (CABI 2021).
 
DEUTSCHLAND:
Vielfach verwildert bis eingebürgert (Floraweb 2013). In allen Bundesländern, so in Bayern (Lippert & Meierott 2014), Bremen (Feder 2010), Hamburg (Poppendieck & al. 2010), Nordrhein-Westfalen (BBV 2015, BBV 2016, BBV 2022) und Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), auch in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und Thüringen (Floraweb 2013).
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern, so etwa bei Leithaprodersdorf im Burgenland (Janchen 1977), in Oberösterreich seit dem Jahr 1910 aus Linz bekannt (Hohla 2001), 2015 in Großgmain, 2000 an der Uferböschung der Salzach in der Stadt Salzburg und im Quadrant Weng-Neumarkt-Henndorf im zentralen Flachgau Salzburgs (Eichberger & al. 2016, Wittmann & al. 1987), bei Wildon, Fürstenfeld, Spielfeld, Zelting und Sicheldorf in der Steiermark (Maurer 1996), bei Innsbruck und Völs in Nordtirol (Polatschek 2000), ehemals am Bodenseeufer bei Bregenz in Vorarlberg (Dörr & Lippert 2004) und mehrfach im Lainzer Tiergarten in Wien.
SCHWEIZ:
Vor allem in den Kantonen Tessin und Zürich (Infoflora 2024), sonst vereinzelt wie u.a. Seltisberg im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018). In Zürich u.a. in Wollishofen, Lehmgrube Binz, Kenngottweg, Sportplatz beim Freibad Letzigraben, Ifang, Pestalozziweg und zwischen Affoltern und Glattbrugg (Landolt 2001). Im Kanton Zürich in 15 % der Quadranten nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1952 auch auf Korsika (Seebens & al. 2017), seit 1905 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1892 in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1640 in Großbritannien (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1791 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Art:

Galega orientalis

Kaukasischer Herkunft ist die Kaukasus-Geißraute, Galega orientalis, die im Gebiet seit etwa dem Jahr 1800 sehr selten als winterharte, langlebige Zierstaude und Futterpflanze kultiviert wird, selten auch zur Biogas-Gewinnung und zur Rekultivierung (Hassler & Muer 2022)
Die Futter-Sorte `Gale´ von estnischen und russischen Züchtern ausgelesen, ist 1987 auf den Markt gekommen, `Vidmantai´, `Laukiai´ und `Melsviai´ wurden in Litauen entwickelt (Baležentiene 2008). Die Art enthält weniger Alkaloide als Galega officinalis. Die Bakterien, mit welchen G. orientalis in Symbiose lebt, haben die Fähigkeit, Bodenschadstoffe wie Toluole abzubauen (Kaksonen 2006)
Vorübergehend subspontan, so 2017 in einer aufgelassenen Kiesgrube bei Erkheim in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), 2018 in der Leunastraße Schwanheim in Hessen (Gregor in Breitfeld & al. 2021) und 2008 in Bärwalde-Klitten bei Niesky in Sachsen (Otto & al. 2009, Wesenberg & al. 2017, Gutte & al. 2013). Die alte Angabe für Hall in Tirol (Polatschek 2000), betrifft kultivierte Pflanzen (Pagitz & al. 2023).
Subspontan u.a. auch 1807 in Estland (Seebens & al. 2017), (seit) 1991 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017) und (seit) 1993 in Schweden (Seebens & al. 2017).
 

Quellen

Baležentiene L. (2008): Bio-Morphological peculiartities of new Cultivars of Fodder Galega, Galega orientalis Lam. – Latvian Journal of Agronomy 10: 82-87. 

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2014): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen aus dem östlichen Ruhrgebiet im Jahr 2014 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 6: 120–140.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2015): Exkursion: Bochum-Querenburg, Technologiequatier. – Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 7: 67–68.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2016): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2016 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 8: 174–189.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2022): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2021 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13: 131–190.

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