Ausbreitung:
In der Bretagne zwischen 1715 und 1740 vermutlich als oktoploider apomiktischer Hybrid aus den beiden amerikanischen Arten Chile-Erdbeere, Fragaria chiloensis, und Scharlach-Erdbeere, Fragaria virginiana, spontan entstanden.
1623 kam erstmals die nordamerikanische, kleinfrüchtige Scharlach-Erdbeere, F. virginiana nach Europa und 1714 folgte durch Amedee Francois Frezier die südamerikanische, großfrüchtige F. chiloensis. Der französische Offizier hat für seinen Sonnenkönig unter dem Vorwand von Landvermessungsarbeiten in Peru und Chile Häfen der dortigen spanischen Kolonien ausspioniert und war durch Zufall auf die Erdbeere gestoßen. Allerdings brachte Frezier nur fünf weibliche Pflanzen nach Paris, die keine Früchte ansetzen konnten. Erst die zufällige Bestäubung der weiblichen Blüten mit männlichem virginiana-Pollen erbrachte ergiebigen Fruchtansatz. Französische Gärtner, allen voran Antoine Nicolas Duchesne, bemerkten, dass, wenn Fragaria moschata und F. virginiana zwischen Reihen von F. chiloensis gepflanzt wurden, die Chilenische Erdbeere reichlich und ungewöhnlich große Früchte tragen würde. Zu diesem Zeitpunkt wurde den Botanikern erstmals bewusst, dass Pflanzen die Fähigkeit hatten, nur männliche oder nur weibliche Blüten zu produzieren.
Der kommerzielle Anbau in Deutschland begann um das Jahr 1840 in Staufenberg in Baden-Württemberg. Die sterile Hybride vermehrt sich vegetativ durch Ausläufer. Sie tritt im Gebiet immer wieder mal subspontan auf mit örtlicher Tendenz zur Etablierung. Essl (2004) berichtet, dass sich die Art als Kulturrelikt lange behaupten und auch neue Standorte erobern kann, so etwa im oberösterreichischen Kristein, wo sie seit mindestens 40 Jahren in einem aufgelassenen Garten vorkommt.
DEUTSCHLAND:
In fast allen Bundesländern, so etwa mehrfach in Stuttgart in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017), Gleisenhof, Unterlohe, Ramsenthal, Gefrees, Bischofsgrün und am Containerbahnhof Schweinfurt in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008), Berlin (Hand & Thieme 2023), Brandenburg (Hand & Thieme 2023), 53 Mal in Hamburg (Poppendieck & al. 2011, Jehlik 1981), Hessen (Hand & Thieme 2023), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2023), Nienstedten in Niedersachsen (Schmidt 1890), Kamen, Bielefeld, Troisdorf, Michaelsberg, Bochum und Bonn-Godesberg in Nordrhein-Westfalen (Loos 1997, Kulbrock & al. 2004, Gorissen 2015, Jagel 2021), Muttersteiner Graben bei Maudach in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 1995, Hand & Thieme 2023), in Schilbach, Marieney, Wohlbach, Adorf, Markneukirchen, Siebenbrunn, Schöneck, Klingenthal, Wohlhausen, Raun, Schönlind und Leipzig-Lößnig in Sachsen (Breitfeld 2021, Gutte 2003), Sachsen-Anhalt (Müller & al. 2021), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und bei der Cyriaksburg nahe Erfurt in Thüringen bereits 1917 verwildert (Meierott 2008, Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
Im Nord- und Mittelburgenland (Gilli & al. 2022), in Kärnten (Walter & al. 2002), Prellenkirchen in Niederösterreich (Nadler & Haug 2021), Lengau in Oberösterreich (Hohla 2013), Stadt Salzburg und Seekirchen am Wallsersee in Salzburg (Pilsl & al. 2008, Schröck & al. 2004), in der Steiermark (Walter & al. 2002), Fieberbrunn in Nordtirol (Polatschek & Neuner 2013) und in Wien (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1964 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Vor allem in den Kantonen Bern, Genf und Zürich, aber u.a. auch im Aargau, in Luzern, St. Gallen, im Tessin, in der Waadt, im Wallis und im Kanton Zug (Bellosi & al. 2011, Infoflora 2024). In der Stadt Zürich Weststraße, Neugut, Station Manegg, Altstetten und Zünen (Landolt 2001).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (Kurtto & al. 2004), in Frankreich (Kurtto & al. 2004), Großbritannien (Kurtto & al. 2004), Irland (Kurtto & al. 2004), Dänemark (Kurtto & al. 2004), Schweden (Kurtto & al. 2004), Finnland (Kurtto & al. 2004), europäisches Russland (Kurtto & al. 2004), Litauen (Kurtto & al. 2004), Königsberg (Kurtto & al. 2004), Weißrussland (Kurtto & al. 2004), Italien (Kurtto & al. 2004), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1985 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).