Fargesia

Schirmbambus, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Fargesia umfasst etwa 43 Arten (Kew 2022), die in China, Tibet und Vietnam heimisch sind mit Mannigfaltigkeitszentrum in den chinesischen Provinzen Sichuan, Yunnan, Hubei und Gansu (Li & al. 2006).
Allgemein: In der heimischen Gartengestaltung werden etliche Bambus-Arten und -sorten als Zierpflanzen verwendet. Sie können langlebige Dickichte bilden. Ab und zu werden verwilderte Kolonien beobachtet, die z.B. über Gartenabfälle verschleppt wurden (oder verschwemmt an Ufergehölzen von Flüssen). Die korrekte Bestimmung ist meist schwierig und die gärtnerisch verwendeten Namen entsprechen meist nicht mehr der modernen Taxonomie. Die Bestimmung ist stets kritisch zu überprüfen.
 

Fargesia murielae

Muriel-Schirmbambus,
Fargesia murielae
(Syn.: Sinarundinaria murielae, Thamnocalamus murielae)  
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

Bis 5 m hohe, horstbildende, keine oder nur kurze Ausläufer treibende immergrüne Staude mit 0,5−1,5 cm starken Halmen und 15−25 cm langen Internodien. Blattspreiten kahl, schmal-lanzettlich, 6−10 cm lang und 0,8−1,2 cm breit. Die Blütezeit ist bei Bambus aufgrund seines eigentümlichen Blühverhaltens irrelevant.
 
 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des französischen Geistlichen und Botanikers Paul Guillaume Farges (1844−1912) benannt. Farges war von 1867 bis 1912 als Missionar in West-China und sammelte dort über 4.000 Pflanzen, die von Adrien René Franchet am Muséum national d'Histoire naturelle in Paris bestimmt und beschrieben wurden (Burkhardt 2018). Die Art ist zu Ehren von Muriel Primrose Wilson (1906−1976), der Tochter des britischen Pflanzensammlers Ernest Wilson (1876−1930), benannt, die den amerikanischen Botaniker George Slate heiratete.
 

Heimat:

Südliches Zentralchina.
 

Nutzung:

Zierpflanze, in zahlreichen Sorten wie `Jumbo´, eine dänische Auslese von 1976, `Simba´, `Brillant´, `Blue Lizard´ oder `Smaragd´. Die Schösslinge sind essbar. Die Art ist winterhart und verträgt Temperaturen von -18° bis -25°C (Jäger & al. 2008). Sie liebt hohe Luftfeuchtigkeit, vor allem im Winter und bei sonnigem Stand. Bei Trockenheit werden die Blätter zusammengerollt (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

1892 sammelte der französische Missionar Paul Guillaume Farges ein Herbarexemplar der Art in Sichuan. 1913 kam die lebende Pflanze durch Ernest Wilson (1876−1930) in den Westen und avancierte hier im späten 20. Jahrhundert zur Modepflanze. In den 1980er- und 1990er-Jahren gelangten die Pflanzen weltweit zur Blüte und starben großteils ab. Am heimatlichen Standort in China kamen die Pflanzen erst ab dem Jahr 2000 zur Blüte (Vaupel 2012). Aus den reichlich gebildeten Früchten sind vielerorts auch außerhalb der Gärten neue Pflanzen entstanden (Poppendieck & al. 2011). Mit der Blüte dieser Pflanzen ist erst in einigen Jahrzehnten zu rechnen. Der normale Blührhythmus der Art beträgt 80 bis 100 Jahre (Bärtels & Schmidt 2014). Die meisten Sorten bilden kurze Ausläufer, so `Jumbo´, `Simba´ oder `Standing Stone´ (Bruns 2009).
DEUTSCHLAND:
U.a. 1999 in einem Waldstück bei Alt-Prüll und 1999 in Niedertraubling in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024 sub Thamnocalamus murielae), Hamburg (Poppendieck & al. 2010), Niedersachsen (Hassler & Muer 2022), Köln in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015) und 2021 bei Wangels in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023, Hand & Thieme 2023 sub Thamnocalamus murielae).
ÖSTERREICH:
Vereinzelt in Nordtirol (Glaser & al. 2025), Osttirol (Glaser & al. 2025) und 2021 am Donauufer auf der Donauinsel in Wien (Lefnaer 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2018 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
 
Weitere Art:

Fargesia robusta

In Sichuan in China ist der Stämmige Schirmbambus, Fargesia robusta, beheimatet. Er ist seit spätestens 1982 als Ziergras in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014), in Sorten wie `Wolong´, `Campbell´ (1982) oder `Pingwu´. Vereinzelt auch subspontan, so 2018 in Osttirol (Glaser & al. 2025).
 

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Bildatlas der deutschen Flora. Mit Artbeschreibungen von Thomas Meyer. Unter Mitarbeit zahlreicher Spezialisten und Revisoren. - Band 1 und Band 2, zus. 1712 S., Ubstadt-Weiher.

Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.



Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lefnaer S. (2021): Bambus - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Li D., Guo Z., Stapleton C., Zheng-yi W., Raven P.H. & D. Hong (2006, Hrsg.): Flora of China. Volume 22: Poaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis.

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Poppendieck H.H., Bertram H., Brandt I., Kreft K.A., Kurz H., Onnasch A., Preisinger H., Ringenberg J., Prondzinski J. & Wiedemann D. (2010): Rote Liste und Florenliste der Gefäßpflanzen von Hamburg - Dölling und Galitz Verlag München · Hamburg

Poppendieck H.H., Bertram H., Brandt I., Engelschall B. & Prondzinski J. (2011): Der Hamburger Pflanzenatlas - Dölling und Galitz Verlag München · Hamburg, 568 S.

Sumser H., Falk G., Wieland J., Jagel A. & Bomble W. (2015): Atlas einer zweijährigen Erhebung zur Flora von Köln (2013-2015) - Bund für Umwelt und Naturschutz Köln, 206 S.

Vaupel F. (2012): Fargesia murielae - Schirmbambus Bambus-Lexikon: Fargesia murielae - murieliae - Schirmbambus