Eriobotrya

Wollmispel, Rosengewächs, Rosaceae

Gattung:

Eriobotrya umfasst etwa 35 Arten (Kew 2024) mit Mannigfaltigkeitszentrum in China. Molekulargenetische Untersuchungen von Liu & al. (2020) haben gezeigt, dass Eriobotrya in die Gattung Rhaphiolepis eingegliedert gehört. Vorerst wird hier die Gattung Eriobotrya belassen.
 

Eriobotrya japonica

Japanische Wollmispel,
Eriobotrya japonica (= Rhaphiolepis bibas)  
Rosengewächs, Rosaceae

 

Steckbrief:

Bis 3 m hoher, immergrüner Baum mit breit-lanzettlichen, 10−25 cm langen, unterseits weißfilzig behaarten Blattspreiten und rostfarbig behaarten Blattstielen. Blütenstand rispig mit fünfzähligen Blüten. Kelchblätter filzig behaart und rostbraun, Kronblätter weiß. Frucht eiförmig, 2,5−5 cm lang, reif orangegelb, wohlschmeckend. Blütezeit in der Heimat September bis Oktober.
 

Heimat:

Zentralchina. Möglicherweise ist auch ein Fundort im südlichen Japan ursprünglich. Wahrscheinlicher ist, dass Kerne der Pflanze zur Zeit der Tang-Dynastie, wo japanische Gelehrte in China studierten, nach Japan zur Kultur gelangten.
 

Nutzung:

Im Gebiet als Zier- und Obstgehölz meist in Gefäßen gezogen. Das Fruchtfleisch dient als Obst, die Kerne gemahlen als Gewürz. In Asien gibt es etwa 800 Sorten, selbstfruchtbar sind etwa `Mogi´ und `Gold Nugget´. Die Früchte sind reich an Vitamin A, Vitamin B6, Kalium, Mangan und Ballaststoffen (WolframAlpha 2021)
 

Ausbreitung:

Die Wollmispel wird wahrscheinlich schon seit über 1000 Jahren in Ostasien kultiviert. Um 1690 gelangte sie durch den deutschen Arzt und Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer (1651−1716) nach Europa (CABI 2021). Sie wird im Mittelmeergebiet und in subtropischen Ländern gegenwärtig verbreitet kultiviert und findet auch in begünstigten Lagen am Rhein zusagende Bedingungen. Subspontane Vorkommen in Mitteleuropa verdanken ihre Verbreitung wahrscheinlich durch ausgespuckte Kerne (Ausspuckverbreitung).
 
DEUTSCHLAND:
1986 in der Friedrich Ebert-Straße in Berlin (Keil & al. 2003). In Nordrhein-Westfalen mehrfach, so 2001 in Leverkusen, in einem Kellerschacht auf der Marktstraße in Krefeld und in Köln, 2018 eine Jungpflanze auf einer Wiese im Forstbachtal in Mülheim an der Ruhr-Menden, dort nach der Mahd verschwunden, ebenfalls 2018 eine etwa drei Jahre alte Pflanze in einer vergitterten Baumscheibe auf dem Walder Kirchplatz in Solingen-Wald und 2023 am Gelände der Universität Duisburg-Essen 
(BBV 2016, Sumser & al. 2015, BBV 2019, Keil & al. 2003, BBV 2024).
ÖSTERREICH:
2008 ruderales Gebüsch im Innenhof des Gebäudes Martinstraße 26 im 18. Wiener Gemeindebezirk (Vitek & al. 2021).
SCHWEIZ:
In den Kantonen Genf, Solothurn, Tessin, Waadt und Zürich (Infoflora 2024), subspontan davon jedenfalls im südlichen Tessin (Infoflora 2024). Die Art wird in der „Flora des Kantons Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1811 auf Malta (Cabi 2021), seit 1971 in Portugal (Cabi 2021), in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).

 

Quellen

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2016): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2016 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 8: 174–189.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2019): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2018 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 10: 138-188.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2024): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2023 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 15: 185-232.


CABI (2021): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Keil P., Fuchs R. & Loos G.H. (2003): Eriobotrya japonica (Thunb.) Lindl., die Japanische Wollmispel, ein ungewöhnlicher Neubürger in Kellerlichtschächten der Essener Innenstadt. – Natur und Heimat 63(2): 59 – 64.

 



Kew (2024): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science​

Liu B., Guang-Ning L., De-Yuan H. & J. Wen (2020): Eriobotrya Belongs to Rhaphiolepis (Maleae, Rosaceae): Evidence From Chloroplast Genome and Nuclear Ribosomal DNA Data - Frontiers in Plant Science, Volume 10 (1731): 1–14.

Sumser H., Falk G., Wieland J., Jagel A. & Bomble W. (2015): Atlas einer zweijährigen Erhebung zur Flora von Köln (2013-2015) - Bund für Umwelt und Naturschutz Köln, 206 S.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vitek E., W. Adler & A. Mrkvicka (2021): Neues von der Flora Wiens – Neilreichia 12: 219-290.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

WolframAlpha (2021): Eriobotrya japonica - loquat - Wolfram|Alpha (wolframalpha.com)