Eranthis

Winterling, Hahnenfußgewächs, Ranunculaceae

Gattung:

Eranthis umfasst etwa 11 Arten (Kew 2022), die von Südeuropa bis Südsibirien und Japan verbreitet sind.
 

Eranthis hyemalis  

Echter Winterling,
Eranthis hyemalis  
Hahnenfußgewächs, Ranunculaceae

 

Steckbrief:

5–15 cm hohe Staude mit einblütigen Stängeln und erst nach der Blüte erscheinenden Blättern. Grundständige Blätter kreisrund, vielspaltig, lang gestielt. Blüten mit meist 6 Blütenhüllblättern, trichterförmigen Honigblättern und zahlreichen Staubblättern. Blüte von einem sternartigen Quirl aus 3 tief geteilten Hochblättern umgeben. Früchte 4–8, mehrsamig. Blütezeit Jänner bis März.
Verwechslungsmöglichkeit: Auch der in Anatolien beheimatete Kilikische Winterling, Eranthis cilicica, wird kultiviert. Er blüht etwas später als der Echte Winterling, hat größere Blüten, dünnere und schmälere Blattzipfeln und purpurn überlaufene Stängel.
 

Nutzung:

Zierpflanze. In wenigen Sorten wie `Schwefelglanz´ oder `Noel Ayres´.
 

Ausbreitung:

Die ersten Aufzeichnungen der südeuropäischen Art aus dem Gebiet stammen von Camerarius, der sie 1588 für seinen Nürnberger Garten vermerkt. Mitgenommen hat er sich die Pflanzen aus den Euganeischen Bergen bei Padua, wo sie, wie er schreibt, in Menge wachsen. 1629 wird Eranthis erstmals für die Britischen Inseln durch John Parkinson angegeben. Ende des 18. Jahrhunderts kamen die Landschaftsparks in Mode und damit auch der Winterling. Aus dieser Zeit dürften auch die meisten Einbürgerungen in Mitteleuropa stammen (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet vielfach verwildert bis eingebürgert.
 
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern verwildert, vielfach auch eingebürgert. In Bayern seit spätestens 1896 subspontan (Breitfeld & al. 2017) und seit etwa 1980 in deutlicher Ausbreitung (Meierott & al. 2024), in Berlin seit 1918 etabliert (Seitz & al. 2012). Im Rautal bei Jena in Thüringen gibt es Massenbestände in naturnahen Laubwäldern. Der Winterling ist hier seit Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt (Zündorf & al. 2006, Graumüller 1803).
ÖSTERREICH: 
In allen Bundesländern vorübergehend oder lokal beständig (Glaser & al. 2025), so beispielsweise im Schlosspark von Eisenstadt im Burgenland (Janchen 1977, Glaser & al. 2025), bei Straßhof im niederösterreichischen Marchfeld (Stöhr & al. 2007), Friedhof Munderfing in Oberösterreich (Hohla 2010), Leechwald in Graz, Thal bei Graz und Bad Schwanberg in der Steiermark (Leonhartsberger 2016, Kniely 2023), Nord- und Osttirol (Pagitz & al. 2023), Kennelbach in Vorarlberg (Polatschek & Neuner 2013) und Schönbrunn und Theresianum in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1850 (Glaser & al. 2025). Auch in Südtirol (FloraFaunaSüdtirol 2023).
SCHWEIZ:
Vielfach verwildert bis eingebürgert, so etwa im Baselbiet des Kantons Basel-Landschaft (Lüthi 2018), in Solothurn und vielfach in Zürich (Moser & Palese 1999, Landolt 2001). Im Kanton Zürich war der Winterling im Jahr 1900 vor allem in den Städten Zürich und Winterthur und in der Albiskette präsent. Seitdem hat sich sein Verbreitungsgebiet deutlich ausgedehnt (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1813 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1915 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1903 in Schweden (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), seit 1838 in Großbritannien (Jalas & Suominen 1989, Clement & Foster 1994, Seebens & al. 2017), in Ungarn (Jalas & Suominen 1989), seit 1800 in Rumänien (Jalas & Suominen 1989, Seebens & al. 2017), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1890 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Sippen:

Eranthis cilicica

Im südlichen Anatolien und den angrenzenden Gebieten ist der Kilikische Winterling, Eranthis cilicica, beheimatet. In jüngster Zeit wird die Art oft zu E. hyemalis gestellt. Das wiederum macht die Wertung der E. ×tubergenii problematisch, deren Eltern E. cilicica und E. hyemalis sind. Da die Hybride aber keine Samen ansetzt und sich nur vegetativ vermehrt, dürfte solch eine Vereinfachung kaum erklärbar sein (Breitfeld & al. 2017). E. cilicica wird als Zierstaude kultiviert und tritt in Bayern lokal etabliert auf, so 2002 am Friedhof Thalkirchen (Dickoree & al. 2012). Subspontan auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Eranthis ×tubergenii

Ebenfalls kultiviert wird der Tubergen-Winterling, Eranthis ×tubergenii, die Hybride aus Eranthis cilicica mit E. hyemalis. Der sterile Bastard, der sehr früh Knollen bildet, entstand 1922 in der holländischen Blumenzwiebelgärtnerei Van Tubergen in Haarlem. 
Die bekannteste Sorte dieser Kreuzung ist `Guinea Gold´, sie blüht etwas später als E. hyemalis, hat größere und leuchtend gelbe Blüten, die von einer leicht bronzefarbenen Hochblatthülle umgeben werden. Die Hybride wurde ab Ende der 1970er-Jahre nicht mehr geliefert (Jelitto & al. 1990), wahrscheinlich aber von Gärtnereien weitervermehrt. Die Hybride und ihre Auslesen wie `Glory´ oder eben `Guinea Gold´ werden aufgrund ihrer Sterilität meist dann für die Kultur ausgewählt, wenn man keine generative Ausbreitung wünscht. Und dennoch wird E. ×tubergenii vereinzelt subspontan angegeben, so in Heinersreuth, Lanzendorf und am Friedhof Münnerstadt in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008) und Eichigt, Schöneck, Adorf, Markneukirchen, Sachsenberg und Sohl in Sachsen (Gutte & al. 2013, Breitfeld 2021).
 

Quellen

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Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

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Dickoré W. B., Meyer B., Rösler S. & Maier T. (2012): Die Frühblüher und weitere bemerkenswerte Pflanzenarten der Münchner Friedhöfe – Ber. Bayer. Bot. Ges. 82: 97–128.

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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


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Hohla M. (2010): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100368323

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