Doronicum

Gamswurz, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Doronicum umfasst etwa 29 Arten (Kew 2022), die in den Gebirgen Eurasiens und Nordwest-Afrikas beheimatet sind.
 

Doronicum caucasicum

Kaukasus-Gamswurz,
Doronicum caucasicum
(= D. orientale)  
Korbblütler, Asteraceae
 

Steckbrief:

20–60 cm hohe Staude mit unterirdischen Ausläufern, die am Ende mit Haarbüscheln versehen sind. Grundblätter lang gestielt, Spreite herz-eiförmig bis rundlich, schwach gezähnt. Stängelblätter stängelumfassend sitzend. Stängel 1–5-körbig, Blütenkörbe im Ø 3–6 cm, an langen Stielen, diese mit Drüsen- und Wollhaaren. Hüllblätter krautig, lineal-lanzettlich, 0,5–1 mm lang bewimpert. Blütezeit April bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Die im Gebiet heimische Herzblättrige Gamswurz, Doronicum columnae, hat Rhizome ohne Haarbüschel, deutlich gezähnte Blattränder und ihre Hüllblätter sind 0,1–0,3 mm lang bewimpert.
 

Name:

Es scheint sich jetzt durchzusetzen, dass der Name Doronicum caucasicum M.Bieb. 1818 Priorität über D. orientale Hoffm. 1818 hat (Hassler 2024).
 

Nutzung:

Zierpflanze. Doronicum caucasicum hort., die vielfach als Gartenzierstaude im Handel ist, umfasst einen Komplex aus mehreren Cultivaren, an denen Doronicum caucasicum s.str. zumindest beteiligt ist, nicht selten aber auch u.a. D. columnae eingekreuzt sein dürfte. Jahrzehntelang waren nur wenige Sorten in Kultur. 1956 brachte Horst Riedel aus Mohringen `Goldkranz´ und `Lichtspiegel´ als wesentliche Verbesserungen der bisherigen Sorten in den Pflanzenhandel. Bei H. Hagemann, Krähenwinkel, entstand 1962 die gefüllte Sorte `Frühlingspracht´. K. Wagner, Firma Benary in Hannover Münden entwickelte 1976 die samentreue Sorte `Finesse´. Auch die altbewährte, am häufigsten kultivierte Sorte `Magnificum´ wurde auf Samenvermehrbarkeit gezüchtet (Jelitto & al. 1990). `Gerhard´ hat zitronengelbe, gefüllte Blüten.
 

Ausbreitung:

Obwohl die Pflanze nicht nur im Vorderen Orient, sondern auch in Südost-Europa, westlich bis Süditalien reichend, beheimatet ist, wurde sie erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Kaukasus als eigene Art erkannt. Im Jahr 1808 wuchs sie im Botanischen Garten Berlin und Mitte des 19. Jahrhunderts war sie im Gebiet eine allgemein verbreitete Gartenzierstaude (Krausch 2003). Gegenwärtig ganz vereinzelt verwildert, lokal auch eingebürgert.
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so mehrfach in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024 sub D. orientale agg.), etwa bei Mindelaltheim, Schweinfurt, Münnerstadt und Neustadt an der Saale (Adler & al. 2017, Meierott 2008), Brandenburg (Hand & Thieme 2023), in Hamburg (Poppendieck & al. 2010), Bevenrode und 2016 zwischen Gut Holtau und Boye im Landkreis Celle in Niedersachsen (Brandes 2003, Langbehn 2017), nördlich der Burg Peppenhoven in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015), in Schönecken und Bauler in der Eifel und früher bei Grünstadt in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016, Wagenitz 1987), Adorf und Grünbach in Sachsen (Breitfeld 2016, Breitfeld 2021) und in Thüringen (Hassler & Muer 2022).
ÖSTERREICH:
Sehr vereinzelt verwildert, lokal auch eingebürgert. So in Bergau bei Hollabrunn in Niederösterreich (Reich 2014), 2003 in Vormarkt Nonsbach in Oberösterreich (Hohla 2006), Bad Aussee in der Steiermark (Wagenitz 1987, Glaser & al. 2025), Innsbruck in Nordtirol (Wagenitz 1987), auf der Friedhofsmauer in Außervillgraten in Osttirol (Stöhr 2020) und im Schönbrunner Park und Dehne-Park in Wien (Janchen 1977, Falkner 2017). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1929 (Glaser & al. 2025). In der Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols (Pagitz & al. 2023) wird die Art für Nordtirol nicht angegeben.
SCHWEIZ:
Sehr selten, so in den Kantonen Bern, Genf, Graubünden (Infoflora 2024), früher bei Vaumarcurs im Schweizer Jura (Wagenitz 1987), und in den Kantonen Neuenburg und Waadt (Infoflora 2024). Auch in Liechtenstein.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), seit 2004 in Island (Seebens & al. 2017), seit 1937 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1732 in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1700 in Dänemark (Seebens & al. 2017), seit 1957 in Estland (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 1819 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 
Weitere Sippen:

Doronicum ×excelsum

Die Hohe Gamswurz, Doronicum ×excelsum, ist eine gärtnerische Hybride aus Doronicum columnae × D. pardalianches × D. plantagineum, die 1876 bei Crewe entstand (Jelitto & al. 1990). Gärtnerisch wird vor allem die Sorte `Harpur Crewe´ genutzt. Die Sippe tritt selten subspontan auf, so in Schleswig-Holstein (Romahn & al. 2021) und in den Kantonen Bern, Freiburg, Jura, Neuenburg und Wallis (Infoflora 2024). Vielfach verwildert auch in Großbritannien, erstmals wurde sie dort 1916 in Middlesex subspontan gefunden (UK-plantatlas 2020).
 

Doronicum plantagineum

Die Wegerich-Gamswurz, Doronicum plantagineum, ist im westlichen Mittelmeergebiet und in Westeuropa beheimatet. Für Deutschland wird sie in mancher Publikation als heimisch angesehen, so etwa in Kew science (2023). In den bedeutenden deutschen Werken allerdings wird sie als lediglich lokal eingebürgert angesehen, so etwa in der Deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2022). Sie wird als Zierstaude, auch in wenigen Sorten wie `Strahlengold´ (1976) genutzt (Jelitto & al. 1990) und verwildert vereinzelt daraus. Im Gebiet in Hessen (Hand & Thieme 2023), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023) und in den Kantonen Basel-Landschaft, Neuenburg, Tessin und Waadt (Infoflora 2024). Fundangaben für Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein werden in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) als irrig geführt.
 

Doronicum (×)willdenowii

Die Willdenow-Gamswurz, Doronicum (×)willdenowii (Syn.: D. ×scorpioides) ist eine Hybride aus der westeuropäischen Kriechenden Gamswurz, Doronicum pardalianches und der westmediterran-westeuropäischen Wegerich-Gamswurz, Doronicum plantagineum. Benannt ist sie zu Ehren des deutschen Botanikers Carl Ludwig Willdenow (1765−1812). Willdenow war Apotheker in Berlin, später Professor der Naturgeschichte und ab 1809 Professor der Botanik an der neu gegründeten Universität Berlin und Direktor des dortigen Botanischen Gartens. Er war ein bedeutender Pflanzensystematiker und arbeitete an der Pflanzenbestimmung der Südamerika-Expedition von Alexander von Humboldt (Burkhardt 2018).
Im Gebiet mehrfach subspontan beobachtet, so in Wehrheim im Taunus in Hessen (Wittig & al. 2019), Nordrhein-Westfalen (Hassler & Muer 2022), bei Mauel in der Eifel und Schankweiler im Gutland, Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016), Plön in Schleswig-Holstein (Christensen 2008), früher am Krämpferfriedhof in Erfurt in Thüringen (Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2023) und ehemals Chateau d´Oron im Kanton Waadt (Wagenitz 1987). Subspontan auch in Belgien (Verloove 2021) und den Niederlanden (FLORON 2021). Im britischen North-Essex ist die Sippe seit gut 180 Jahren eingebürgert (UK-plantatlas 2021).

 
 

Quellen

Adler B., Adler J. & Kunzmann G. (2017): Flora von Nordschwaben – Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben e. V. – Deiningen, 813 S.

Brandes D. (2003): Die aktuelle Situation der Neophyten in Braunschweig. — Braunschw. Naturk. Schr. 6: 705–760.

Breitfeld M. (2016): Waldwege als Adventivhabitate - Sächsische Floristische Mitteilungen 18:9–34.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Christensen E. (2008): Gemswurz (Doronicum spec.) im Kreis Plön – eine Darstellung des vorläufigen Kenntnisstandes – Rundbrief zur botanischen Erfassung des Kreises Plön (Nord-Teil) 17/1: 7–10.

Falkner H. (2017): Verwilderungen im Dehne-Park - Doronicum orientale, Aesculus hippocastanum - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=226

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Hand R., Reichert H., Bujnoch W., Kottke U. & Caspari S. (2016): Flora der Region Trier – Verlag Michael Weyland, Trier. 1634 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2024): Nachträge und Korrekturen zu Flora Germanica Band 1 und 2 Online-Version [Ver. 83], Stand 5.3.2024 - 1713 NACHTRAG.indd (flora-germanica.de) 

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hohla M. (2006): Panicum riparium (Poaceae) – neu für Österreich – und weitere Beiträge zur Kenntnis der Adventivflora Oberösterreichs -  Neilreichia 4: 9–44.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Janchen E. (1977): Flora von Wien, Niederösterreich und Nordburgenland. — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 2. Aufl. 757 S.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.



Langbehn H. (2017): Neues zur Flora des Landkreises Celle 2016 - Floristische Notizen aus der Lüneburger Heide Nr.25: 26–29.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meusel, H. &  Jäger, E. (1992): Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Band III. Karten. Fischer-Verlag, Jena.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol Band 16.

Plantatlas (2020): Doronicum ×excelsum - BSBI Online Pflanzenatlas 2020 (plantatlas2020.org)

Poppendieck H.H., Bertram H., Brandt I., Kreft K.A., Kurz H., Onnasch A., Preisinger H., Ringenberg J., Prondzinski J. & Wiedemann D. (2010): Rote Liste und Florenliste der Gefäßpflanzen von Hamburg - Dölling und Galitz Verlag München · Hamburg

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Reich D. (2014): Virtual Herbaria JACQ – Doronicum orientale– https://herbarium.univie.ac.at

Rohmahn K., J. Hebbel, J. Kieckbusch, T. Behrends, C. Dolnik, S. Gettner, U. Hamann, W. Jansen, S. Kellner, S. Lütt, H. Ruhmann, I. Timmermann-Trosiener & K. Voss (2021): Die Farn- und Blütenpflanzen Schleswig-Holsteins – Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O. (2020): Doronicum orientale in Ausservillgraten - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=2177

UK-plantatlas (2021): Online-Atlas der britischen und irischen Flora - https://www.brc.ac.uk/plantatlas/plant/

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wagenitz G. (1987): in Gustav Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, Teil 4, 2.Auflage. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg. 863 S.

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.

Wittig, R., Uebeler, M. & Gregor, T. (2019): Willdenows Gämswurz (Doronicum ×willdenowii [Rouy] A. W. Hill, Doronicum pardalianches × plantagineum) – im Taunus (Hessen, Deutschland) lokal in Einbürgerung begriffen. – Bot. Naturschutz Hessen 31: 29 – 36.