Dittrichia

Klebalant, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Dittrichia umfasst 2 Arten (Kew 2022), im Mittelmeergebiet und Südwest-Asien. Früher wurden sie innerhalb der Gattung Inula geführt. Die Gattung ist nahe mit Pulicaria verwandt (Verloove 2021).
 

Dittrichia graveolens 

Aromatischer Klebalant,
Dittrichia graveolens  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

20–60 cm hohe, drüsig-klebrige, nach Kampfer riechende Einjährige mit lineal-lanzettlichen bis linealen, 2–8 mm breiten, ganzrandigen oder gezähnelten Blättern. Blütenkörbchen zahlreich, 5–10 mm im Ø, einen rispigen Blütenstand bildend. Zungenblüten 4–7 mm lang, röhrig, die Scheibenblüten und die Hülle kaum überragend. Früchte behaart, 1–2 mm lang, Pappus gelblich. Blütezeit Juli bis Oktober.
Verwechslungsmöglichkeit: Der ebenfalls mediterrane, aber ausdauernde Echte Klebalant, Dittrichia viscosa, hat 10–12 mm lange Zungenblüten, die deutlich länger als die Hüllblätter sind.
 

Name:

Benannt zu Ehren des deutschen Botanikers Manfred Dittrich (1934−2016), Leiter des Herbariums am Botanischen Garten Berlin-Dahlem und Spezialist für die Familie der Korbblütler.
 

Nutzung:

Keine. Die Art eignet sich als Insektizid, so als Mottenmittel (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Ausbreitung:

Salzvertragende Art, die sich besonders an Autobahnrändern und –mittelstreifen und in den Banketten von Bundesstraßen ausbreitet. Sie ist salztolerant, benötigt aber keine salzhaltigen Böden und findet sich neuerdings vermehrt auch in Bahnhofs- und Industriearealen, offenen Halden, auf wiederverwerteten Schlackenrückständen der Industrie, Brachflächen und Ruderalfluren (Feder 2022). Im Gebiet erstmals 1887 am Neckarufer bei Ilvesheim gefunden (Lutz 1910). Ein weiterer früher Fund aus Deutschland gelang in Leipzig an der Großmarkthalle im Jahr 1937. In der Schweiz war sie Anfang des 20. Jahrhunderts von Schuttplätzen und Bahnhöfen bekannt (Buch 2020). Als subspontane Vorkommen in Mitteleuropa nennt Wagenitz (1979) bereits fest eingebürgerte Bestände im Elsass. Er beschreibt die Art dort an Salzstellen und Kali-Minen, von wo aus sie schon in den 1950er Jahren im Rahmen von Kalisalztransporten mehrfach auch nach Deutschland verschleppt wurde (Buch 2020). Seit etwa dem Jahr 1990 mit starker Ausbreitungstendenz, lokal bereits eingebürgert. In Kalifornien örtlich als invasiv und gefährlich eingestuft, weil die Samen mit Widerhaken versehen sind und das Verdauungssystem von Weidetieren schädigen können. Das Harz der Pflanze kann allergische Reaktionen und Dermatitis bei Menschen verursachen (USDA 2013).
 
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern, seit etwa 1990 mit starker Ausbreitungstendenz. Sebald & al. (1996) schätzten die Zahl der baden-württembergischen Pflanzen für das Jahr 1994 auf mehrere Millionen. In Bayern seit 1984 vom Autobahnkreuz Nürnberg-Süd bekannt, aktuell das gesamte bayrische Autobahnnetz erobert, auch auf Bundes- und Kreisstraßen, Industriebrachen und Brachgelände (Radkowitsch 1996, Diewald 2007, Meierott & al. 2024), in Mecklenburg-Vorpommern im alten Hafen in Rostock (Fukarek & Henker 2005), an Autobahnen im Braunschweiger Stadtgebiet, an der Landesstraße zwischen Winsen und Celle und in Osnabrück in Niedersachsen (Brandes 2011, Feder 2016, Weber 1995), in Nordrhein-Westfalen u. a. in Paderborn, Herne-Crange, Herne-Holsterhausen, Bochum-Gerthe, Dortmund-Holthausen und Dortmund-Schüren auf einer Aufschüttung der neu verlegten Marsbruchstraße (Raabe 1984, Junghans 2019, BBV 2009, BBV 2013, BBV 2017), in Rheinland-Pfalz vielfach (z.B. Hand & al. 2016) und in Sachsen-Anhalt an der A9 bei Günthersdorf (John & Stolle 2006). Gegenwärtig an den deutschen Autobahnen häufig und weiter in Ausbreitung begriffen.  
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern (Glaser & al. 2025). Erstmals um das Jahr 2000 an der Innkreis-Autobahn A8 bei Suben, Ried im Innkreis, Haag am Hausruck und Aistersheim von Michael Hohla festgestellt (Leonhartsberger 2022). 2003 dann auch auf der A1 und der A21 in Niederösterreich im Bereich St. Pölten, Böheimkirchen, Altlengbach, Steinhäusl und Alland (Hohla & Melzer 2003), zwischen Wienerwaldsee und Weidlingau und an der Südautobahn zwischen Baden und Wiener Neustadt (Essl & Stöhr 2006). In der Steiermark am Autobahnknoten St. Michael, in Graz-Liebenau und Graz-Jakomini (Melzer 2006, Leonhartsberger 2022), in Nordtirol an der Autobahn bei Kufstein (Hofbauer 2005), in Wien an der A1 und deren Zu- und Abfahrten (Adler & al. 2008). Die zahlreichen Neufunde an Österreichs Autobahnen und Straßen verdeutlichen die rasante Ausbreitung Anfang dieses Jahrhunderts (Karte in Stöhr & al. 2012).
SCHWEIZ: 
Vor allem im Westen, so vielfach um den Genfer See (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich war die Art um das Jahr 1900 aus zwei Flächen bei Zürich bekannt, in denen sie noch 1916 auf dem Güterbahnhof wuchs. Sie wurde danach nicht mehr belegt und trat erst wieder 2017 in Zürich und an der Autobahn bei Horgen auf (Wohlgemuth & al. 2020). In Ausbreitung begriffen.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1994 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), seit 1913 in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1895 in Belgien (Verloove 2021), seit 2013 in Polen (Seebens & al. 2017), seit 2005 in Slowenien (Seebens & al. 2017) und seit 2008 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Art:

Dittrichia viscosa

Selten und unbeständig tritt auch die zweite Art der Gattung, der mediterran-südwestasiatische Echte Klebalant, Dittrichia viscosa, im Gebiet auf. 
So 1891 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg angegeben (Zimmermann 1910, Hand & Thieme 2023), in Berlin (Seitz & al. 2012), Mecklenburg-Vorpommern (Hand & Thieme 2023), 2018 am Rand eines Kartoffelackers in Dommatzen in Niedersachsen (Feder & Langbehn 2018), Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023), Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Hassler & Muer 2022) und in Schleswig-Holstein (Hassler & Muer 2022). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1996) für Baden-Württemberg nicht angegeben. In Österreich in Gießhübel, Stockerau, 2019 am Straßenrand bei Guntramsdorf und 2021 bei der Bahnstation Eigenheimsiedlung bei Baden in Niederösterreich (Prinz & Sauberer in: Gilli & al. 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2019 (Glaser & al. 2025). Die etwas versteckt publizierte Angabe von Dittrichia viscosa in Melzer & Ocepek (2009) für eine Sandgrube bei Parndorf im Burgenland beruht auf einer Verwechslung mit D. graveolens (Prinz & Sauberer in: Gilli & al. 2021). In der Schweiz in den Kantonen Aargau, Wallis und Zürich (Infoflora 2024)
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 1907 in Belgien (Verloove 2021).
 

Quellen

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