Digitaria

Fingerhirse, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Digitaria umfasst etwa 263 Arten (Kew 2022), die vor allem in den tropischen und subtropischen Regionen weltweit beheimatet sind.
 
 

Digitaria ciliaris

Glattspelzen-Fingerhirse,
Digitaria ciliaris (inkl. D. marginata)
Süßgras, Poaceae
 

Steckbrief:

Bis zu 80 cm hohe Einjährige mit schmal-lanzettlichen, 5–20 cm langen und 3–12 mm breiten Blättern, diese oberseits bis auf den Grund kahl. Blütenähren zu 3–10, schmal, fingerförmig, 5–15 cm lang. Ährchen zu 2, lanzettlich, 2,5–3,5 mm lang, vorne spitz. Blütezeit Juni bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Bei D. sanguinalis haben die untere Deckspelzen ab der Mitte Zähnchen, die oberen Hüllspelzen sind höchstens halb so lang wie das Ährchen, die Blattspreiten sind in der Regel behaart.
 
 

Heimat:

Tropen und Subtropen.
 

Nutzung:

Keine. In wärmeren Regionen in Sorten wie `Impact´ oder `Quick-n-Big´ als Viehfutter kultiviert. 
 

Ausbreitung:

Besonders um Gärtnereien und auf Umschlagplätzen, mittlerweile auch in Äckern und in stickstoffreichen Gesellschaften zusammen mit Brennnessel. Auch in Vogelfuttermischungen enthalten. In warmen Gebieten regional ein gefürchtetes Unkraut im Getreide, in Baumwolle, Hülsenfrucht-Kulturen und Gemüse (CABI 2021).
Viele Fundangaben sind aufgrund Verwechslungen mit D. sanguinalis subsp. sanguinalis und subsp. pectiniformis unsicher (Meierott 2008).
DEUTSCHLAND:
Unbeständig, so 1935 bei der Baumwollspinnerei Kuchen, 1932 am Güterbahnhof Herbertingen, 2017 in Willstätt und 2015 in Weil am Rhein-Friedlingen in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1998, Amarell 2020), mehrfach in und um Bamberg in Bayern, so 1996 in einer Baumscheibe in der Schützenstraße und 2003 auf Gleisschotter im Bamberger Hafen (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), 1931 in Guben in Brandenburg (Lademann 1937, Hand & Thieme 2023), 1892 in Hamburg-Blankenese (Wilhalm 2009), Hessen (Hand & Thieme 2023), bei Haustenbeck und Essen in Nordrhein-Westfalen (Sonnenborn & Sonnenborn 2018), ehemals bei Trier und Wörth-Maximiliansau in Rheinland-Pfalz (Löhr 1837, Kneucker 1900), ehemals in Bautzen in Sachsen (Reichenbach 1842, Hand & Thieme 2023) und ehemals Aken und Rodleben in Sachsen-Anhalt (Conert 1998, Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Unbeständig in Kärnten (Englmaier & Wilhalm 2018), Bad Vigaun im Tennengau Salzburgs (Pflugbeil & al. 2017) und in der Steiermark (Melzer & Ocepek 2009, Englmaier & Wilhalm 2018). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1980 (Glaser & al. 2025). Ein Vorkommen in Kärnten wird in Glaser & al. (2025) als fraglich geführt. Auch in Südtirol (Fischer & al. 2008).
SCHWEIZ:
Früher vereinzelt als Wolladventive, so in Derendingen in Solothurn von 1918 bis 1928, gegenwärtig sich stark ausbreitend, so auf sandigen Maisäckern im aargauischen Aare-Rhein-Gebiet und im Westen des Landes um den Genfer See und den Neuenburger See (Conert 1998, Infoflora 2024). Mehrfach auch in den Kantonen Graubünden, Tessin und Wallis (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich wenige Funde, von 1876 bis 1902 in der Stadt Zürich, in Zürich-Nord von Neuhausen bis Hüntwangen und in Samstagern (Wohlgemuth & al. 2020). Auch in Liechtenstein (CABI 2021).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1856 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1987 in Litauen (Seebens & al. 2017) und seit 1908 in Tschechien (Pyšek & al. 2012). In Kuba erstmals 1865 nachgewiesen, in Jamaica 1885 (CABI 2021). In Mexiko und den USA lokal invasiv (CABI 2021).

 
Weitere Arten:

Digitaria aequiglumis

Die südamerikanische Gleichspelzige Fingerhirse, Digitaria aequiglumis, breitet sich zurzeit in Europa aus, so in Frankreich und Spanien. Im Gebiet sich lokal etablierend am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen (Abts 1995, Hand & Thieme 2023), 1903 vorübergehend in Rodleben in Sachsen-Anhalt (Conert 1998, Hand & Thieme 2023) und ehemals in Derendingen im Kanton Solothurn (Conert 1998). Subspontan u.a. auch 1911 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021).
 

Digitaria bicornis

In Südostasien, Madagaskar und Nordaustralien ist die Zweihorn-Fingerhirse, Digitaria bicornis, beheimatet, die sich in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde ausbreitet. In Süd-, Mittel- und dem südlichen Nordamerika seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt und mancherorts invasiv (CABI 2021). Dort als Unkraut besonders in Mais-, Reis-, Sojabohnen- und Zuckerrohrfeldern (CABI 2021). Im Gebiet 1998 und 2006 im Bamberger Hafen in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) aufgetreten.
 

Digitaria brownii

Als Wolladventive ist die australische Brown-Fingerhirse, Digitaria brownii, 1929 für Derendingen im Kanton Solothurn eingeschleppt angegeben (Conert 1998). Subspontan u.a. auch 1828 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021). Benannt ist die Art zu Ehren des britischen Arztes und Botanikers Robert Brown (1773−1858). Brown war zunächst Militärarzt und erkundete die schottischen Highlands. Bei einer Expedition nach Neu-Holland (Australien) erhielt er den Auftrag, vor allem Pflanzen, Insekten und Vögel zu sammeln. Die Ausbeute waren u.a. etwa 3400 Pflanzen, 2000 davon unbekannt. Brown befasste sich auch mit der Pflanzen-Systematik und unterschied als Erster zwischen Nackt- und Bedecktsamern und (wieder-)entdeckte auch die heute nach ihm benannte Brown'sche Molekularbewegung, die schon von Jan Ingenhousz beschrieben, aber nicht weiter verfolgt worden war. Brown war von 1849 bis 1853 Präsident der Linnean Society (Burkhardt 2018).
 

Digitaria debilis

Die Zarte Fingerhirse, Digitaria debilis, ist in großen Teilen Afrikas und punktuell in Südeuropa beheimatet und wird im Gebiet als Wolladventive ehemals für die Hautwollfabrik Rodleben in Sachsen-Anhalt (Höck 1910, Hand & Thieme 2023) angegeben.
 

 

Digitaria divaricatissima

Ganz ähnlich die australische Spreizende Fingerhirse, Digitaria divaricatissima, die 1921 für Derendingen im Kanton Solothurn eingeschleppt angegeben wird (Conert 1998).
 

Digitaria horizontalis

Die Jamaica-Fingerhirse, Digitaria horizontalis, ist in den tropischen und subtropischen Regionen Amerikas und Afrikas beheimatet und wird für Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023) und Rodleben in Sachsen-Anhalt (Conert 1998, Hand & Thieme 2023) angegeben.
 

Digitaria nuda

In Afrika und im tropischen Asien ist die Nackte Fingerhirse, Digitaria nuda, beheimatet. In Süd- und Mittelamerika lokal eingebürgert. Im Gebiet sehr selten und unbeständig angegeben 1953 und 1971 für Atzenbach in Baden-Württemberg (Baumgartner 1975), 1929 für Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1937, Hand & Thieme 2023) und für Sachsen-Anhalt (Hassler & Muer 2022). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Digitaria setigera

Die Borstige Fingerhirse, Digitaria setigera, ist in Südost-Asien, Ostafrika und Australien beheimatet, tritt aber mancherorts neophytisch auf. Auf Hawaii, wo diese Art einst unabsichtlich von den Polynesiern gemeinsam mit Schweinen eingeführt worden sein dürfte, wurde die Art bereits 1779 nachgewiesen. Im Gebiet konnte die Art 2014 in Karlsruhe-Südweststadt in Baden-Württemberg (Amarell 2020) und 2010 bei St. Peter am Hart in Oberösterreich auf dem Gelände einer Gärtnerei (Hohla 2011) gefunden werden.
 

Digitaria ternata

In Afrika und im tropischen Asien ist die Dreizählige Fingerhirse, Digitaria ternata, beheimatet. Sie wird für das Gebiet 1929 in Essen-Kettwig in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2023) und ehemals für Derendingen in Solothurn (Conert 1998) angegeben.
 

Digitaria velutina

Im Osten Afrikas ist die Samt-Fingerhirse, Digitaria velutina, beheimatet. Andernorts tritt sie neophytisch auf, in Alabama und Florida lokal auch invasiv (Cabi 2020). Im Gebiet nur unbeständig in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023) und Nordrhein-Westfalen (Amarell 2020).
 

Digitaria violascens

Im südlichen Asien und in Australien ist die Violette Fingerhirse, Digitaria violascens, beheimatet. Sie konnte im Gebiet 1998 adventiv im Bamberger Hafen in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2024), im Tessin (Infoflora 2024) und im Kanton Zürich (Infoflora 2024) gefunden werden. Subspontan u.a. auch 1911 in Belgien (Seebens & al. 2017).
 

Quellen

Abts U.W. (1994) Neue und bemerkenswerte Blütenpflanzen des Niederrheins unter besondere Berücksichtigung kritischer und schwer unterscheidbaren Sippen. Floristische Rundbriefe 28: 6-24.

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