Dichanthelium

Rosettenhirse, Süßgras, Poaceae

Gattung:

Dichanthelium umfasst etwa 123 amerikanische Arten (Kew 2022). Dichanthelium war früher eine Untergattung der Gattung Panicum und wurde 1974 zur Gattung erhoben (Gould 1974).
 

Dichanthelium acuminatum

Lindheimers Rosettenhirse, Wollige Rispenhirse,
Dichanthelium acuminatum
(inkl. D. lindheimeri,
Syn.: Panicum acuminatum, Panicum lindheimeri)  
Süßgras, Poaceae

 

Steckbrief:

Bis 80 cm hohe, weich behaarte Mehrjährige mit hohlen Halmen und 2−12 mm breiten Blättern. Stängelblätter 3−7, scheidig sitzend, kürzer als die Internodien. Blütenrispen 3−12 cm lang. Blütezeit in Nordamerika Mai bis August.
 

Name:

Der deutsche Name Name ehrt den deutsch-USamerikanischen Lehrer und Pflanzensammler Ferdinand Jacob Lindheimer (1801−1879). Lindheimer war Lehrer in Frankfurt a. M., wanderte 1834 wegen politischer Unruhen in die USA aus und ließ sich in New Braunfels in Texas nieder, gab dort eine deutschsprachige Zeitung heraus, war Friedensrichter und leitete eine Schule für begabte Kinder. Lindheimer gilt als 'Vater der texanischen Botanik', seine riesige Pflanzensammlung wurde 1867 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt (Burkhardt 2018).
 

Heimat:

Nordamerika bis nördliches Südamerika.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

U.a. mit amerikanischem Pferdehafer eingeschleppt (Aschauer & Grabher 2017).
DEUTSCHLAND:
1956 auf einem Gneisfels oberhalb der Bahnlinie Passau-Wegscheid in Bayern (Meierott & al. 2024), 1961 bis 1965 in Berlin-Wannsee und in Berlin-Kladow (Scholz & Sukopp 1965, Conert 1998, Zerbe & al. 2003, Hand & Thieme 2023), Eichberg bei Töpchin in Brandenburg (Lauterbach 2018) und in Hessen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Erstmals 2008 im Rheindelta am Polderdamm, Gemeindegebiet von Höchst in Vorarlberg, dokumentiert. 2016 dort bereits großflächig und lokal dominierend (Aschauer & Grabherr 2017).
SCHWEIZ:
Im Tessin (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1971 in Frankreich (Seebens & al. 2017), seit 1984 in Polen (Seebens & al. 2017 sub Panicum implicatum) und seit 2000 in Slowenien (Seebens & al. 2017).
 

 
Weitere Arten:

Dichanthelium dichotomum

Die Gabelige Rosettenhirse, Dichanthelium dichotomum (Syn.: Panicum dichotomum), ist vom östlichen Nordamerika bis ins nördliche Südamerika beheimatet und wird für das Gebiet vorübergehend eingeschleppt angegeben, so 1907 und 1912 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1913, Conert 1998, Hand & Thieme 2023), 1889 auf Sand bei der Tullnau nahe Nürnberg in Bayern (Vollmann 1914, Meierott & al. 2024), für Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Conert 1998, Hand & Thieme 2023) und Altstätten im Kanton St. Gallen (Conert 1998).
 

Dichanthelium lanuginosum

Die Westliche Rosettenhirse, Dichanthelium lanuginosum (Syn.: Panicum lanuginosum) ist in Nordamerika weit verbreitet und trat im Gebiet adventiv in Berlin auf (Hassler & Muer 2022). Eine Varietät, D. lanuginosum var. thermale, wächst in geothermischen Gebieten des Yellowstone-Nationalparks. Sie ist in der Lage, hohe Bodentemperaturen von bis zu 65°C standzuhalten. Dies gelingt durch eine Symbiose mit dem Pilz Curvularia protuberata, der wiederum von einem bestimmten Virus besiedelt wird.
 

Dichanthelium latifolium

Im östlichen Nordamerika ist die Breitblättrige Rosettenhirse, Dichanthelium latifolium, beheimatet. Sie wird als Ziergras genutzt und tritt selten verwildert auf, so 2008 an Wegrändern im Friedhof Bamberg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024).
 

Dichanthelium leibergii

Nach seinem Entdecker, dem schwedisch-USamerikanischen Botaniker und Förster Johann Bernhard Leiberg (1853−1913) ist die nordamerikanische Leiberg-Rosettenhirse, Dichanthelium leibergii (Syn.: Panicum leibergii) benannt. Leiberg kam 1868 in die USA und ließ sich in Idaho nieder. Er war autodidakt, genoss wenig Schulbildung und begann dennoch mit 17 Jahren mit der Veröffentlichung von Pflanzensammlungen. Leiberg schrieb u.a. 'Contributions to the Flora of Idaho and Minnesota' (Burkhardt 2018). 9 Pflanzenarten tragen seinen Namen, so Nymphaea leibergii und Erigeron leibergii. Im Gebiet wird die Art 1910 adventiv für den Ludwigshafener Hafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Conert 1998, Hand & Thieme 2023).  
 

Dichanthelium oligosanthes

In großen Teilen Nordamerikas ist Scribners Rosettenhirse, Dichanthelium oligosanthes (Syn.: Panicum scribnerianum, D. scribnerianum) beheimatet. Im Gebiet wird sie 1903 unbeständig für den Rheinhafen Karlsruhe in Baden-Württemberg angegeben (Kneucker 1903, Hand & Thieme 2023). Benannt ist sie zu Ehren des US-amerikanischen Botanikers und Mykologens Frank Lamson-Scribner (1851–1938), einem Pionier in der Pflanzenpathologie. Lamson-Scribner, ursprünglich Franklin Pierce Lamson, wurde mit 3 Jahren Waise und von einer Familie Scribner adoptiert. Er war Gräserspezialist, von 1901 bis 1904 auf den Philippinen und befasste sich mit Pflanzenkrankheiten bei Kartoffeln und Wein (Burkhardt 2018). Subspontan auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Quellen

Aschauer M. & Grabherr M. (2017): Ein »neuer Neophyt« in Vorarlberg (Österreich): Dichanthelium acuminatum (Sw.) Gould & C.A. Clark (Poaceae) im Rheindelta - https://www.inatura.at/forschung-online/ForschOn_2017_037_0001-0005.pdf

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
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Conert H.J. (Hrsg.) (1998): in Hegi Gustav., Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 1 (Teil 3, Poaceae), 3. Neubearbeitete Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg.

Gasser, M., Bolliger , M., Burger , G. & Flöss, I.(2010): Liste der Aargauer Pflanzenarten. – 31 S.; (Kanton Aargau – Department Bau, Verkehr und Umwelt). https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/bvu/dokumente_2/
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Gould F. W. (1974): Nomenclatural changes in the Poaceae - Bretagne 26(1): 59–60. 

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Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

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Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kneucker A. (1903): Zwei interessante Pflanzen der badischen Flora – Mitt. d. Bad. Bot. Ver. 1903: 321.

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Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Scholz H. & H. Sukopp (1965): Drittes Verzeichnis von Neufunden höherer Pflanzen aus der Mark Brandenburg und angrenzenden Gebieten – Verhandlungen des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 102: 3-40.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

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