Dahlia

Dahlie, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Dahlia umfasst etwa 41 Arten (Kew 2022), die von Mexiko und Guatemala bis Kolumbien beheimatet sind.
 

Dahlia ×hortensis

Garten-Dahlie,
Dahlia ×hortensis
(inkl. D. pinnata)  
Korbblütler, Asteraceae
 

Steckbrief:

Bis 1 (2) m hohe, sommergrüne, kälteempfindliche Staude mit unterirdischen Speicherwurzeln und einfach gefiederten Blättern. Blättchen eiförmig mit grob gesägtem Rand. Die Blüten von ungefüllten Sorten zeichnen sich durch einen Kranz von meist 8 Zungenblüten aus, der die Röhrenblüten im Zentrum frei lässt. Die Farben und Farbkombinationen der Blüten sind fast unendlich. Blütezeit August bis Oktober.


 

Name:

Benannt zu Ehren des schwedischen Arztes und Botanikers Andreas (Anders) Dahl (1751−1789). 1770 schrieb sich Dahl an der Universität Uppsala als Student ein. Einer seiner dortigen Lehrer war Carl von Linné. Er wurde durch die Unterstützung von Linné als Kurator im privaten Naturalienkabinett von Claes Alströmer angestellt. 1786 erhielt er an der Universität Kiel den Ehrendoktor in Medizin und wurde 1787 als Professor für Medizin und Botanik an die Akademie zu Turku, heute Universität Helsinki, berufen.
1789 sandte der Direktor des Botanischen Gartens in Mexiko, Vicente Cervantes, ein Nachkomme des "Don Quixote-Dichters" an Antonio José Cavanilles, Direktor des Madrider Botanisches Gartens, den Samen einer bis dahin unbekannten Pflanze. Dieser säte die Samen aus und hatte 1790 die ersten blühenden Dahlien Europas. Da die Pflanzen bis dahin noch nicht wissenschaftlich beschrieben waren, gab er ihnen den Namen des damals gerade verstorbenen schwedischen Botanikers Andreas Dahl (1751–1789). Der Botaniker Carl Peter Thunberg, ein Freund Dahls, benannte ebenfalls eine Pflanze nach ihm - eine Art aus der Familie der Zaubernussgewächse als "Dahlia crinita", publizierte dies jedoch nicht vor dem Jahr 1792. Nach den Nomenklaturregeln gilt nunmehr der Name Dahlia für die Pflanze aus Mexiko. Der gültige Name für "Thunbergs Dahlie" heißt jetzt Trichocladus crinitus. Karl Ludwig Wildenow, Professor der Botanik in Berlin glaubte aber, dass der Name "Dahlie" (1792 von Carl Peter Thunberg) vergeben wäre und nannte deshalb diese Pflanze nach dem russischen Forscher Georgi "Georgia variabilis". Deshalb nannte man die Dahlien lange Zeit "Georgine" und in manchen europäischen Gebieten ist heute noch die Bezeichnung „Georgine“ für die Dahlie üblich.
 

Nutzung:

Zierpflanze. Die Knolle ist essbar und wurde vor der europäischen Eroberung Südamerikas von den Azteken als Nahrungspflanze kultiviert. Dacopa, ein aus gerösteten Dahlienknollen hergestelltes Produkt mit Mokka-Geschmack, wurde als Kaffeeersatz genutzt und wird in Mittelamerika zur Aromatisierung von Getränken eingesetzt. Junge Blätter sind für Mischsalate geeignet, die Blüten sind essbare Speisendekorationen.
 

Ausbreitung:

Die Dahlie war bereits bei den Azteken in Kultur. Der spanische Eroberer Hernando Cortez berichtete 1520 von beeindruckenden Gärten der Azteken. Wahrscheinlich wuchsen dort bereits Kulturformen der Dahlien. Anders als die Tomate oder die Kartoffel stieß die Dahlie zunächst aber auf wenig Interesse bei den Europäern. Die ersten Beschreibungen und Zeichnungen von Dahlien stammen vom spanischen Botaniker Francisco Hernandez. Er besuchte Mexiko zweimal, von 1571 bis 1577 und von 1593 bis 1600. Sie blieben aber zunächst bedeutungslos, weil sie weder als Nahrung noch als Medizinalpflanze galten.
1791 wurde die Erstbeschreibung der Typus-Art Dahlia pinnata veröffentlicht (Kiepenkerl 2023). Einige Jahre später wurden Dahlia coccinea und Dahlia rosea beschrieben, wobei D. rosea heute als Synonym zu D. pinnata gilt. Im Jahr 1800 blühte zum ersten Mal eine Dahlie (Dahlia pinnata) in Deutschland. 1804 kehrte Alexander von Humboldt mit Dahliensamen anderer Farbschläge nach Europa zurück. In den folgenden Jahren wurden die Pflanzen erfolgreich vermehrt und unter den botanischen Gärten verbreitet. 1817 gab es bereits über 100 Dahlien-Sorten. 1832 wurde erstmals die weißblütige D. scapigera eingekreuzt, die an der Entstehung von niedrigen Sorten beteiligt ist. 1874 kam eine weitere Art nach Holland. Die Knollen der Lieferung waren alle verfault und wurden entsorgt. Eine Pflanze aber überlebte und wuchs auf dem Kompost an. Sie wurde durch Glück gefunden und weiter kultiviert. Diese Dahlie wurde nach dem mexikanischen Präsidenten Carlo Benito Juárez benannt und heißt Dahlia juarezii. Sie hat spitz zulaufende, nach hinten gerollte Blütenblätter und ist die Stammmutter aller Kaktus-Dahlien. 1890 standen mehr als 1000 verschiedene Dahliensorten im Angebot deutscher Gärtner (Kiepenkerl 2023). 1897 wurde die Deutsche Dahlien-Gesellschaft in Berlin-Steglitz gegründet. Gegenwärtig sind etwa 20.000 Dahlien-Sorten beschrieben (Jäger & al. 2008, Düll & Kutzelnigg 2022). Die heute bekannten Gartendahlien sind alles Kreuzungen verschiedener Arten. Sie werden als Kulturhybriden bezeichnet. Dahlien lassen sich leicht kreuzen und bringen dabei erstaunliche neue Blütenformen und neue Farbkombinationen hervor.
Subspontan treten Dahlien im Gebiet selten durch Gartenauswurf der knolligen Wurzelstöcke auf.
 
DEUTSCHLAND:
Unbeständig, so bei Schwebheim und Dörleins in Bayern (Meierott 2008), in Hessen (Hand & Thieme 2023), Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023), Sachsen-Anhalt (Hassler & Muer 2022), auf der Düne am Nordstrand von Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022) und in Thüringen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Vorübergehend und unbeständig am Galgenberg bei Neckenmarkt im Burgenland (Traxler 1967, sub D. variabilis, Gilli & al. 2022), Villach in Kärnten und in Ost-Kärnten (Pehr 1932 sub D. variabilis, Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), Prellenkirchen in Niederösterreich (Nadler & Haug 2022), Burgkirchen und Mehrnbach in Oberösterreich (Hohla & al. 2005), Bahndamm in Taxham in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008), Steiermark (Walter & al. 2002), Iselau zwischen Ainet und St. Johann im Walde in Osttirol (Polatschek & Neuner 2013) und in Wien (Walter & al. 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1967 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 

Quellen

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hartl H., Kniely G., Leute G.H., Niklfeld H. & M. Perko (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.

Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Bildatlas der deutschen Flora. Mit Artbeschreibungen von Thomas Meyer. Unter Mitarbeit zahlreicher Spezialisten und Revisoren. - Band 1 und Band 2, zus. 1712 S., Ubstadt-Weiher.

Hohla M., Stöhr O., Schröck C. (2005): Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 14: 201–286.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Kiepenkerl (2023): Kulturgeschichte der Dahlie (kiepenkerl.de) 

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Nadler K. & Haug G. (2022):  Erratum to: Nadler K. & Haug G. (2021): Dorf-Flora Prellenkirchen (Niederösterreich) nebst Ergänzungen zur Scherrasenflora 2019 Stapfia 112: 147–206 - Stapfia 113: 129–146.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596. [sehr ausführlich und genau]

Polatschek A. & Neuner W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 6 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 971 S.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)

Traxler G. (1967): Floristische Neuigkeiten aus dem Burgenland (l) – Burgenländische Heimatblätter 29: 145–148.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.