Cynara

Artischocke, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Cynara umfasst etwa 10 Arten (Kew 2022) im weiten Mittelmeerraum von Makaronesien bis in den Iran. Die meisten Arten finden sich in Spanien. 
 

Cynara cardunculus

Artischocke, Kardone,
Cynara cardunculus  
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

Bis 150 cm hohe Staude mit tief fiederschnittigen, unterseits dicht grauweiß behaarten, oberseits graugrünen, bewehrten, großen Blättern und einzelnstehenden, großen Blütenkörben. Hüllblätter unten fleischig, fest anliegend, oben abgespreizt, oft purpurn überlaufen, scharf und stechend gespitzt, bei der Artischocke stumpf. Röhrenblüten violett. Pappus aus 2–4 cm langen, fedrigen Borsten. Blütezeit Juli bis September.
 

Name:

Benannt nach der griechischen Nymphe Cynara, die zufolge der griechischen Mythologie Zeus abwies und deshalb von Zeus in eine Artischocke verwandelt wurde.
 

Heimat:

Westliches und zentrales Mittelmeergebiet.
 

Nutzung:

Als Gemüsepflanze. Bei der Kardone (var. cardunculus), der Stammform, wird der fleischige Blattstiel, bei der Artischocke (var. scolymus) der Korbboden gegessen. Auch als Zierpflanze und für die Floristik kultiviert.
 

Ausbreitung:

Der Beginn der Artischockenkultur dürfte im 1. Jahrhundert n. Chr. zu suchen sein. Die Araber verbreiteten die Artischocke im südlichen Mittelmeergebiet. Mitte des 16. Jahrhunderts trat sie ihren Siegeszug durch Caterina de´ Medici nach Frankreich und Großbritannien an. Deutschland erreichte sie um die Mitte des 17. Jahrhunderts (Jelitto & al. 1990). Bis zur französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts war die Artischocke in den Gärten des französischen Landadels ein Zeichen von Reichtum und vornehmer Lebensart. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie von italienischen Einwanderern in den USA eingeführt. In den 1930er-Jahren erlangte dort die Mafia mit Gewalt ein Monopol auf den Handel mit Artischocken an der Ostküste, das 1935 gebrochen und als „Artischockenkrieg“ bekannt wurde.
 
DEUTSCHLAND:
Adventiv ehemals in Nürnberg-Schniegling und 2002 auf einer Deponie bei Schwebheim in Bayern (Vollmann 1914, Meierott & al. 2024), Potsdam in Brandenburg (Büttner 1884, Hand & Thieme 2023), Osnabrück in Niedersachsen (Weber 1995) und 2012 in Honigsee in Schleswig-Holstein (Rohman 2013).
ÖSTERREICH:
Unbeständig ehemals auf Schutt in Graz in der Steiermark (Janchen 1956-1960, Walter & al. 2002, Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Unbeständig, so in den Kantonen Aargau, Genf, Solothurn, Tessin, Wallis und Zürich (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich ein Fund von 1904 am Vorbahnhof in der Stadt Zürich (Wohlgemuth & al. 2020). Unter Infoflora (2024): „Kultivierte Pflanze, vor dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten“. Inwieweit es sich bei Fundpunkten um subspontane oder kultivierte Pflanzen handelt, ist mir nicht bekannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 2015 in Belgien (Verloove 2021, Seebens & al. 2017), seit 2001 in Irland (Seebens & al. 2017) und 1904 in Großbritannien (Seebens & al. 2017).
 

 
Weitere Art:

Cynara syriaca

Die Syrische Artischocke, Cynara syriaca, ist von Syrien bis Israel beheimatet. Sie spielt in der heimischen Gartengestaltung keine Rolle, wird aber ehemals adventiv für Thüringen (Hand & Thieme 2023) angegeben.
 

 

Quellen

Büttner R. (1884): Flora advena marchica. Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenbg. 25: 1–59.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Janchen E. (1956–1966): Catalogus Florae Austriae, mit 3 Ergänzungsheften, Springer, Wien.

Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.



Romahn K. (2013): Funde seltener, gefährdeter, neuer und bemerkenswerter Gefäßpflanzen in Schleswig-Holstein VIII – Kieler Notizen zur Pflanzenkunde 39: 19–39.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.