Cydonia

Quitte, Rosengewächs, Rosaceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Cydonia oblonga 

Echte Quitte,
Cydonia oblonga  
Rosengewächs, Rosaceae

 

Steckbrief:

Bis 6 m hoher, dornenloser, sommergrüner Baum oder Strauch mit eiförmigen, zugespitzten, filzigen, bis 10 cm langen und 7 cm breiten Blättern. Blüten einzeln, groß, mit weißen oder hellrosa Kronblättern und 15–25 violetten Staubfäden. Frucht birnen- oder apfelförmig, grüngelb, filzig, innen gelblich bis orange. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Name:

Indirekter Namengeber für Marmelade, abgeleitet vom portugiesischen „marmelo“ für die Quitte.
 

Nutzung:

Obstgehölz. Die Gesamtzahl an Quittensorten wird auf 700 geschätzt. Dabei sind die meisten Sorten Zufallssämlinge, die ohne Zucht entstanden sind (Silbereisen & al. 1996). Zu den in Mitteleuropa gängigsten Sorten gehören die `Konstantinopler Apfelquitte´ und die `Portugiesische Birnenquitte´ (Bruns 2009). Die Art ist hitzeverträglich und stadtklimafest (Bruns 2009). Sie wurde früher häufiger kultiviert als gegenwärtig, was auch der Anfälligkeit gegenüber Feuerbrand geschuldet ist. Die Quitte ist Pfropfunterlage für niedrigwüchsige Birnen und für die Wollmispel, Eriobotrya japonica (Mansfeld 1986). Als Unterlage für Birnen reifen die Früchte früher und sind besonders aromatisch (Düll & Kutzelnigg 2022). Quittenfrüchte sind reich an Kalium, Zink, Eisen, Kupfer, Gerbsäure und Pektin. Während Quitten bei uns nur gekocht zubereitet werden, können sie in wärmeren Ländern, wo sie besser ausreifen, auch roh gegessen werden. Die Quitten-Welternte lag 2018 bei 689.000 t.
 

Ausbreitung:

Südwest-Asien. Vorkommen in Turkmenistan, Afghanistan, Iran und Syrien könnten ursprünglich sein oder aber durch schon lange zurückliegende Verbreitung durch den Menschen entstanden sein. Erste Nachweise über kultivierte Quitten aus dem Kaukasus reichen 4000 Jahre zurück, in Griechenland findet man sie ab 600 v.Chr. In Mitteleuropa seit dem 9. Jahrhundert in Weinbaugebieten kultiviert, in England ab dem 13. Jahrhundert. Im Gebiet immer wieder mal verwildert bis lokal eingebürgert auftretend.
 
DEUTSCHLAND:
U.a. bei Tübingen und 1884 in Hohenheim in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1992, Böcker & al. 2017), bei Ebelsbach, Stettfeld, Staffelbach, Unterhaid und am Schlossberg Königsberg in Bayern (Meierott 2008), im mittleren Maintal lokal eingebürgert (Lippert & Meierott 2014), in Berlin (Seitz & al. 2012), Hessen (Hand & Thieme 2023), Schwedenhagen bei Kloster auf Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Nordrhein-Westfalen (Müller & al. 2021), Rheinland-Pfalz (Müller & al. 2021), Leipzig, Goppeln und Posta in Sachsen (Gutte 2006, Hardtke & al. 2013) und in Thüringen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Bei Oggau und Breitenbrunn im Burgenland (Janchen 1977, Gilli & al. 2022, Eigenfund Griebl 2024), bei Klosterneuburg, in Prellenkirchen und am Mödlinger Eichkogel in Niederösterreich (Nadler & Haug 2021), Oberösterreich (Hohla & al. 2009), Samstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008), Graz und Riegersburg in der Steiermark (Maurer 1996, Glaser & al. 2025), Innsbruck-Hötting in Nordtirol (Polatschek & Neuner 2013), Lienz in Osttirol (Polatschek & Neuner 2013), Tisis und Feldkirch in Vorarlberg (Polatschek 2000) und ehemals Leopoldsberg in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1846 (Neilreich 1846, Glaser & al. 2025). Der Nordtiroler Fund bezieht sich auf kultivierte Pflanzen (Pagitz & al. 2023). In Südtirol bei Meran, Brixen, zwischen Milland und Sarns, bei Bozen und Kaltern (Wilhalm & Hilpold 2006, Hegi 1995).
SCHWEIZ:
U.a. in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Bern, Genf (Infoflora 2024), Schleuis in Graubünden (Hegi 1995), Schaffhausen (Infoflora 2024), Sonnenberg bei Berneck in St. Gallen (Hegi 1995), im Tessin (Hegi 1995), in der Waadt (Infoflora 2024), im Wallis (Hegi 1995), in Zug und Zürich (Infoflora 2024, Hegi 1995). Im Kanton Zürich seit 2014 an verschiedenen Orten (Wohlgemuth & al. 2020). Inwieweit die Fundpunkte in Infoflora (2024) mit dem Text „Kultivierter Neophyt nach dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten, selten verwildert“ subspontane oder kultivierte Pflanzen betreffen, ist mir nicht bekannt.

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gilli C., L. Schratt-Ehrendorfer, U. Raabe, T. Barta, S. Weiss, G. Király, J. Weinzettl, K. Tkalcisics, R. Albert, S. Dunkl, P. Englmaier, K. Grafl, M. Hofbauer, G. Karrer, G. Kniely, H. Niklfeld, H. Schau u. E. Wukovatz (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Land Burgenland 21: 1−80.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Virtual Herbaria JACQ – Cydonia oblonga – https://herbarium.univie.ac.at

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Silbereisen, Götz, Hartmann (1996): Obstsorten Atlas. Ulmer, Stuttgart 1996. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage.

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Wilhalm T. & Hilpold A. (2006): Rote Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen Südtirols – Gredleriana Vol. 6: 115–198.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.