Cotula

Laugenblume, Korbblütler, Asteraceae

Gattung:

Cotula umfasst, inklusive Cenia, exklusive Leptinella, etwa 54 Arten (Kew 2022) in Afrika, Südasien und Australien mit Mannigfaltigkeitszentrum in Südafrika.
 

Cotula coronopifolia 

Krähenfuß-Laugenblume,
Cotula coronopifolia 
Korbblütler, Asteraceae

 

Steckbrief:

5–25 cm hohe Einjährige mit etwas fleischigen, länglich-lanzettlichen, gezähnten bis fiederteiligen Blättern. Blütenkörbchen einzeln an langen Stielen, 8–12 mm im Ø, mit schuppenförmigen Hüllblättern und gelben Röhrenblüten. Blütezeit Mai bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Südliche Laugenblume, Cotula australis, hat cremeweiße Röhrenblüten und doppelt gefiederte Blätter.
 

Nutzung:

Selten als Zierpflanze für Gartenteichränder.
 

Ausbreitung:  

Beheimatet in Südafrika, in Europa seit 1687 im Botanischen Garten Amsterdam kultiviert und vielleicht aus diesem entflohen. Für die Verbreitung relevant dürften Wasservögel sein (Verloove 2021). Im Gebiet 1739 erstmals subspontan um Bankstede, Ochtenbuhl und Riepen bei Emden in Niedersachsen gefunden (Buchenau 1862). 1749 fand der deutsche Arzt Paul Heinrich Möhring (1710−1792) aus Jever die Laugenblume bei Riepe Ochtelbur und Bangstede in Ostfriesland. Möhring schickte die unbekannte Pflanze zu Linné nach Uppsala, worauf sie der 1763 beschrieb und als Dank dafür Möhring mit einer Pflanzengattung, den Nabelmieren, Moehringia, bedachte (Feder 2022).
DEUTSCHLAND: 
Seit langem in küstennahen Bereichen Schleswig-Holsteins etabliert. Zu frühen Funden im Hamburger Bereich und Ostholstein (Nolte 1826) kamen ab 1888 weitere von der Elbmündung hinzu (Prahl 1890). Die weitere Ausbreitung hat sich dann erst in den letzten 15 Jahren stark beschleunigt, so berichtet zunächst Romahn (2012) über ausgedehnte Funde im Bereich der inneren Schlei. Aktuell ist die Art an der Nordsee über die Untereider, die Küste des mittleren Nordfrieslands und Amrum bis an die dänische Grenze teils großflächig in Massenbeständen anzutreffen. An der Ostsee finden sich ausgedehnte Bestände um Neustadt, auf Fehmarn und auch an der Flensburger Außenförde (Hebbel 2023). Nach Norden hin ist die Art an der dänischen Westküste bis zum Limfjord, im Osten bis zum Kattegatt anzutreffen, mit deutlicher Zunahme der Funde seit 2010 (Hebbel 2023). Stärker verbreitet auch an der Unterems, besonders bei Emden, am Dollart, auf Langeoog, südlich von Bremerhaven an der Unterweser, an der Außenelbe, an der Förde von Eckernförde und zwischen Wismar und Rügen (Feder 2022). Im Binnenland nur ganz vereinzelt und ehemals, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023), an der Ems bei Papenburg in Niedersachsen (Weber 1995), 1959 bei Rheine in Nordrhein-Westfalen in wenigen Pflanzen (Wagenitz 1987) und im Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Wagenitz 1987, Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
1997 vorübergehend im Schlammboden in einem Staubecken bei Hadersdorf in Wien (Melzer & Barta 2001, Essl & Rabitsch 2002).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1875 in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1836 in den Niederlanden (FLORON 2021, Seebens & al. 2017), seit 1895 in Belgien (Verloove 2021), seit 1954 auf Korsika (Seebens & al. 2017), seit 1897 in Spanien (Seebens & al. 2017), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1950 in Irland (Seebens & al. 2017) und seit 1869 in Großbritannien (Seebens & al. 2017). In Teilen Australiens, Neuseelands und Chiles eingebürgert und wie ursprünglich wirkend (Wagenitz 1987, Seebens & al. 2017).
 

 
Weitere Arten:

Cotula anthemoides

In großen Teilen Afrikas und in Südasien ist die Hundskamillen-Laugenblume, Cotula anthemoides, beheimatet. Sie konnte 1872 am Neisse-Ufer bei Guben in Brandenburg (Büttner 1884, Hand & Thieme 2023) und Ende des 19. Jahrhunderts bei der Wollkämmerei am Reiherstieg in Hamburg (Schmidt 1890, Hand & Thieme 2023) eingeschleppt gefunden werden (Wagenitz 1987). Subspontan u.a. 1924 auch in Albanien (Seebens & al. 2017), 1889 in Belgien (Seebens & al. 2017) und 1872 in Polen (Seebens & al. 2017).
 

Cotula australis

In Australien, Neuseeland und im südlichen Afrika beheimatet ist die Südliche Laugenblume, Cotula australis, die in Westeuropa gelegentlich subspontan auftritt. In den letzten Jahrzehnten hat sich Cotula australis in Teilen Südwesteuropas als schnell ausbreitendes städtisches Unkraut erwiesen mit steigender Ausbreitungstendenz (Verloove 2020)
Im Gebiet sehr selten mit Wolle eingeschleppt, so 1934 in Lampertheim in Hessen (Fiedler 1936, Hand & Thieme 2023), 1890 in Hannover-Döhren in Niedersachsen (Scheuermann 1924, Hand & Thieme 2023), Sachsen (Hassler & Muer 2022), in der Schweiz 1907 bei der Kammgarnfabrik Derendingen im Kanton Solothurn und im Tessin (Wagenitz 1987, Infoflora 2024). Subspontan u.a. seit 1893 auch in Belgien (Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), Italien (Galasso & al. 2024) und seit 1958 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Cotula turbinata

In Südafrika ist die Südafrikanische Laugenblume, Cotula turbinata (Syn.: Cenia turbinata) beheimatet, die im Gebiet 1955 unbeständig für die Wollkämmerei Leipzig in Sachsen angegeben wird (Gutte 2006). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021, Seebens & al. 2017).
 

Quellen

Buchenau F. (1862): Cotula coronopifolia L. Ein Beitrag zur Naturgeschichte der einheimischen Gewächse – Bot. Zeitung (Leipzig) 20: 17-19 und 25-30.

Büttner R. (1884): Flora advena marchica. Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenbg. 25: 1–59.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Feder J. (2022): Der Segen der Einwanderer. Neophyten, unsere pflanzlichen Neubürger und was sie für unser Ökosystem bedeuten. Gräfe und Unzer, München.

Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Melzer H. & Barta T. (2001): Cotula coronopifolia, die Laugenblume, neu für Österreich und anderes Neue zur Flora von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland - Linzer biol. Beitr. 33/2: 877–903.

Nolte E. F. (1826): Novitiæ Floræ Holsaticæ – Kilonii [Kiel]: 82 S.

Prahl P. (ed.) (1890): Kritische Flora der Provinz Schleswig-Holstein II.Teil (beinhaltet: Fischer-Benzon, R. v., Geschichte der Floristischen Erforschung des Gebietes) – Kiel: 345 S.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Romahn K. (2012): Funde seltener, gefährdeter, neuer und bemerkenswerter Gefäßpflanzen in Schleswig-Holstein VII – Kieler Notizen zur Pflanzenkunde 38: 48–67.

Scheuermann R. (1924): Dritter Beitrag zur Kenntnis der Adventiflora Hannovers - Jahresbericht der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover 69-74: 54-66.

Schmidt J. (1890): Die eingeschleppten und verwilderten Pflanzen der Hamburger Flora. Hamburg, 32 Seiten.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wagenitz G. (1987): in Gustav Hegi – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, Teil 4, 2.Auflage. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg. 863 S.

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.