Corydalis

Lerchensporn, Erdrauchgewächs, Fumariaceae

Gattung:

Corydalis umfasst etwa 531 Arten (Kew 2022), die hauptsächlich auf der nördlichen Erdhalbkugel beheimatet sind. Einige Arten kommen auch in Zentral- und Ostafrika vor. Mannigfaltigkeitszentrum ist der Himalaya, in China sind mindestens 357 Arten heimisch. In Europa werden rund 150 Arten gärtnerisch genutzt (Jäger & al. 2008).
 

Corydalis cheilanthifolia 

Farnblättriger Lerchensporn,
Corydalis cheilanthifolia 
Erdrauchgewächs, Fumariaceae

 

Steckbrief:

15–40 cm hohe, kahle Staude mit blaugrünen, oft braun überlaufenen Blättern. Blattspreiten lanzettlich, dreifach gefiedert, Blattzipfel scharf zugespitzt. Blütentraube locker, mit häutigen, kleinen, linealischen Hochblättern. Blüten gelb, ca. 1 cm lang, Sporn stark aufwärts gebogen. Früchte schmal, gebogen, weder geschlängelt noch perlschnurförmig. Blütezeit April bis Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Der Schlangenfrucht-Lerchensporn, Corydalis ophiocarpa, hat blassgelbe Blüten mit purpurner Spitze.
 
 

Nutzung:

Zierstaude.
 

Ausbreitung:

Seit spätestens 1904 ist die in China beheimatete Art in Europa als Zierpflanze in Kultur (Jäger & al. 2008), woraus sie sich vereinzelt versamt und diese Samen von Ameisen vertragen werden. Die Samen dieser Art sind im Gegensatz zu vielen anderen Corydalis-Arten trockenresistent und keimen leicht.
 
DEUTSCHLAND: 
2008 aus dem Botanischen Garten München und 2015 bei Marktheidenfeld in Bayern verwildert (Dickoré & Springer 2011, Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), ebenso im Botanischen Garten Braunschweig in Niedersachsen (Brandes & Nitzsche 2013) und 2021 auf einem Schutthaufen bei Frielinghausen in Witten-Bommern im Ennepe-Ruhr-Kreis in Nordrhein-Westfalen (BBV 2022).
ÖSTERREICH:
In einem geschotterten Randstreifen in Wolkersdorf in Niederösterreich (Rozanek 2020), am Straßenrand in Ritzen in Gilgenberg im oberösterreichischen Innviertel (Hohla & al. 2015) und im Botanischen Garten Graz in der Steiermark (Scharfetter & al. 2011). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2011 (Glaser & al. 2025). Außerdem 2012 in einem Privatgarten in Lamprechtshausen in Salzburg (Eichberger & al. 2012). Subspontane Vorkommen in Privatgärten werden in dieser Arbeit aber nicht berücksichtigt.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).

 
Weitere Arten: 

Corydalis aurea

In weiten Teilen Nordamerikas ist der Gold-Lerchensporn, Corydalis aurea, beheimatet. Er wird sehr selten als einjährige Zierpflanze gezogen und 1894 für den Galgenberg Blankenburg in Sachsen-Anhalt (Peter 1901) subspontan angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.  
 

 

Corydalis nobilis

In Zentralasien ist der Sibirische Lerchensporn, Corydalis nobilis, beheimatet. Nach Europa kam die Art durch Erich Laxmann, den Carl von Linné um Samen des Tränenden Herzen, Lamprocapnos spectabilis, gebeten hat. In der Dissertation eines russischen Studenten sah Linné die Abbildung einer solchen Pflanze und wollte diese als lebende Pflanze sehen. Die 1765 von seinem Freund Laxmann aus dem Altai-Gebirge geschickten Samen waren aber irrtümlich Corydalis nobilis. Linne zog den Lerchensporn in seinem Garten in Hammarby, 1783 erreichte er England und nach dem Tod Linnés begann der Sibirische Lerchensporn in seinem Garten zu verwildern. 
Die Art wird in der heimischen Gartengestaltung selten als Zierstaude genutzt und findet sich daraus sehr selten verwildert, so ehemals für Thüringen angegeben (Zündorf & al. 2006). Eingebürgert lokal in Finnland (Jalas & Suominen 1991) und Schweden (Jalas & Suominen 1991).
 

Corydalis ophiocarpa

Selten wird der aus China, Indien, Japan, Taiwan und dem Himalayagebiet stammende Schlangenfrucht-Lerchensporn, Corydalis ophiocarpa, kultiviert, auch in Sorten wie `Bronze Beauty´ oder `Unicorn´.
Gelegentlich verwildert, so 1955 im Kreuzlinger Forst bei Gauting und seit 1966 in München-Nymphenburg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Lippert 1966, Meierott & al. 2024), im Botanischen Garten Braunschweig in Niedersachsen (Brandes & Nitzsche 2013) und 2014 in Reichersberg in Oberösterreich in einer Gärtnerei (Hohla 2014). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

Quellen

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2022): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2021 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13: 131–190.

Brandes D. & Nitzsche J. (2013): Verwilderungen von kultivierten Arten im Freiland des Botanischen Gartens Braunschweig – Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 10: 1–27.

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Dickoré W. B. & Springer S. (2011): Neues zur Flora von München – Ber. Bayer. Bot. Ges. 81: 79–108.

Eichberger Ch., Arming C. & Pflugbeil G. (2012): Floristische und vegetationskundliche Beiträge aus Salzburg. XV – Mitt. Ges. Salzb. Landesk. 152: 373–391.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hohla M. (2014): Hystrix patula – neu für Österreich, sowie weitere Beiträge zur Flora von Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Vorarlberg – Stapfia 101: 83–100.

Hohla M., Diewald W. & Kiraly G. (2015): Limonium gmelini - eine Steppenpflanze an österreichischen Autobahnen sowie weitere Neuigkeiten zur Flora Österreichs – Stapfia 103: 127–150.



Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Spektrum, 874 S.

Jalas J. & Suominen J. (1991): Atlas Florae Europaeae 9 – Paeoniaceae to Capparaceae. Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 110 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. (1966): Virtual Herbaria JACQ – Corydalis ophiocarpa – https://herbarium.univie.ac.at

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Peter A. (1901): Flora von Südhannover nebst angrenzenden Gebieten, 2. Teil. Göttingen, 323 Seiten.

Rothmaler W. (2008): Exkursionsflora von Deutschland, Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen – Springer-Verlag, Berlin. 880 S.

Rozanek R. (2020): Corydalis cheilanthifolia: in Floristische Neufunde (376−429): Neilreichia 11: 165−227.

Scharfetter A., Schlatti F., Scheuer Ch. & Berg Ch. (2011): Tag der Artenvielfalt - Die Gefäßpflanzen des Botanischen Gartens Graz. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 141: 143–166.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Verloove F., Hoste I. & J. Lambinon (2014): Casuals omitted from the sixth edition of Nouvelle Flore de la Belgique. — Dumorteria 104: 74-82.

Zündorf H.J., Günther K.F., Korsch H. & Westhus W. (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena: 764 S.